weather-image
19°
×

602 Notrufe in vier Stunden / Bahnstrecken und Straßen blockiert / Autos und Häuser beschädigt

„Friederike“ wütet – fünf Verletzte

HAMELN/HOLZMINDEN. Orkantief „Friederike“ hat das Weserbergland am Donnerstag mit voller Wucht getroffen. Bäume stürzten auf Autos, Häuser, Straßen und Schienen – mindestens fünf Menschen wurden verletzt.

veröffentlicht am 18.01.2018 um 21:04 Uhr
aktualisiert am 18.01.2018 um 21:37 Uhr

Ulrich Behmann

Autor

Chefreporter zur Autorenseite

Die Spitzenböe erreichte eine Geschwindigkeit von 126 Kilometer pro Stunde. 26 Straßen mussten gesperrt werden; betroffen ist auch die B 83 bei Grohnde im Bereich der Platanenallee. Bad Pyrmont war schlecht zu erreichen, denn: Sowohl die Thaler Landstraße als auch der Grießemer Berg waren unpassierbar. Autofahrer mussten sich Schleichwege durch Löwensen und Thal suchen. Verkehrschaos auch in Bad Münder – am Nachmittag waren zeitgleich die B 217 und die B 442 blockiert.

Die Bahn stellte den Zugverkehr bundesweit ein – in Hameln und in der Nähe von Tündern fielen Bäume in Oberleitungen oder auf die Schienen. Am Friedrich-Maurer-Weg droht nach Angaben des Notfallmanagers der Bahn ein großer Baum auf die Strecke zu fallen. Die meisten Schäden können erst am Freitag behoben werden – in Höhe der Koppenstraße wurde stundenlang gearbeitet. Das Technische Hilfswerk (THW) entfernte dort einen in die 15 000-Volt-Leitung gestürzten dicken Nadelbaum.

Information

Schule fällt aus

Aufgrund anhaltender extremer Witterungsverhältnisse und der Gefahr herabfallender Gegenstände sowie zum Teil gesperrter Straßen fällt am heutigen Freitag in allen allgemein- und berufsbildenden Schulen der Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden die Schule aus. Das teilten die Kreisverwaltungen mit.


Konkret bedeutet das: Sowohl die Strecke Elze-Hameln-Löhne als auch Hannover-Soest können bis auf Weiteres nicht befahren werden. Auch bei Afferde, Behrensen und Coppenbrügge kippten Bäume ins Gleis. Auch dort war das THW gefordert. In den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden fällt am Freitag die Schule aus. Nicht alle Sturmschäden konnten umgehend beseitigt werden. „Die Gefahr, von weggerutschten Dachziegeln und abgebrochenen Ästen, die noch in den Bäumen hängen, getroffen zu werden, ist einfach zu groß“, sagt der stellvertretende Leiter der Rettungs- und Feuerwehrleitstellen, Kay Leinemann.

4 Bilder
Klein Berkel: Am Heideweg wurde dieses Dach mitsamt der darauf befestigten Photovoltaik-Anlage weggerissen. Foto: CLA

In der personell verstärkten Regionalleitstelle klingelte es zwischen 12 Uhr und 17 Uhr ohne Unterbrechung. „13 Disponenten haben an zehn Tischen gleichzeitig Notrufe angenommen. Am Ende waren es 602“, sagte Leinemann. „So viel wie heute war nicht einmal bei dem Jahrhundert-Orkan ,Kyrill´ los.“ Insbesondere zwischen 13 Uhr und 14 Uhr glühten in der Leitstelle die Telefondrähte. „Allein in diesen 60 Minuten gingen 246 Notrufe ein.“ Mehrere Hundert Feuerwehrleute, THW-Helfer und Mitarbeiter der Straßenmeistereien und Bauhöfe waren mit Kettensägen und Radladern im Unwetter-Einsatz. Sie fuhren von einem Einsatzort zum nächsten.

Die Sturmböen knickten nicht nur Bäume wie Streichhölzer um, sie deckten auch Dächer ab. Am Heideweg in Klein Berkel klappte der Wind das Flachdach einer Garagenanlage mitsamt den darauf montierten Sonnenkollektoren um. Aus Coppenbrügge wurde gemeldet, dass das Dach der Schule ab Ith abgedeckt wurde. In Pötzen drohte die Photovoltaik-Anlage eines Möbelhauses weggeweht zu werden. In Grohnde riss der Orkan schwere Stahlplatten von einer Eisenbahnbrücke – sie wurden meterweit auf die darunterliegende Straße geschleudert. Bei Polle (Hünnicher Mühle, L 426) steckte ein Schulbus fest. In Welsede (Emmerthal) krachte ein Baumriese auf die Brücke, drückte das Geländer ein und blockierte zeitweise die Straße. Bäume stürzten an der Thaler Landstraße (Bad Pyrmont), bei Grohnde (B 83), auf der Deisterallee (Bad Münder) und bei Aerzen (B 1) auf fahrende Autos. Auf der B 217 bei Rohrsen prallte ein Wagen gegen einen auf der Fahrbahn liegenden Baum.

Am Rehwinkel in Klein Berkel wurde eine riesige Akazie vom Sturm auseinandergerissen. Zwei dicke Stämme krachten auf ein Einfamilienhaus und ein Auto. An der Straße „Im Nonnenkamp“ in Hessisch Oldendorf arbeiteten Feuerwehr und THW Hand in Hand. Dort war ein großer Baum entwurzelt worden. Die Krone schlug im Dach des gegenüberliegenden Mehrfamilienhauses ein. Das THW aus Hameln setzte einen Kran ein.

Friederike wütet im Landkreis

46 Bilder
Quelle: ube/facebook/fw




Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.