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Sohn gesteht, den Vater attackiert zu haben

Freispruch nach Messerstichen

HAMELN/HANNOVER. Im Prozess gegen den Hamelner Wilhelm N. ist am Donnerstag das Urteil gesprochen worden. Die 13. Große Strafkammer des Landgerichts Hannover hat den 58-Jährigen freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm versuchten Totschlag vorgeworfen. Der Tenor im Gericht: Für den Angeklagten habe eine Notwehrsituation vorgelegen. Am 11. Januar 2017 hatte N. seinen Sohn mit einem großen Messer lebensgefährlich verletzt.

veröffentlicht am 22.06.2017 um 15:51 Uhr
aktualisiert am 22.06.2017 um 17:40 Uhr

Ein Justizwachtmeister führt Wilhelm N. aus dem Zellenkeller des Landgerichts in den Saal. Foto: ube/Archiv
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Am 11. Januar 2017 hatte N. seinen Sohn in Hameln in einer Wohnung an der Morgensternstraße mit einem großen Messer lebensgefährlich verletzt. Offenbar bei einem Streit war die lange Klinge tief in den Bauch des 29-Jährigen eingedrungen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft zog sich der Sohn schwere Verletzungen an Leber, Magen und Zwerchfell zu. Auch Herzmuskel und Herzbeutel wurden getroffen. Der Sohn soll eineinhalb Liter Blut verloren haben, so die Angaben eines Gerichtsmediziners. Zuvor soll der 29-Jährige seinen Vater attackiert haben.

Der Sohn hatte vor Gericht zugegeben, einen Sessel auf seinen Vater geworfen und ihn geschlagen zu haben. Wilhelm N. beteuerte vor Gericht jedoch, er habe seinen Sohn nicht töten wollen. Nun musste die Strafkammer klären, ob Wilhelm N. in Notwehr oder rechtswidrig gehandelt hat.

Das Gericht hat festgestellt, dass die Aggression ursprünglich vom Sohn ausging. Die Lage schien sich zu entspannen. Dann sei der Sohn jedoch zurückgekehrt. Der Angeklagte wollte, dass er rausgehen sollte. „Mein Mandant hatte glaubhaft gesagt, dass er ihn eigentlich nur ins Bein treffen wollte, sagte Verteidiger Burkhard Papendick. Weil beide beim Kampf heftig in Aktion waren, sei das Messer abgerutscht und dort gelandet, so Papendick.

„Der Stich war nicht im Kern dafür gedacht, im Bauch zu landen“, sagte auch der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch. Die Aussagen von Vater und Sohn seien durch Fotos unterstützt worden, die von Ermittlern in der Wohnung aufgenommen wurden. „Letztlich war es nicht mehr aufzuklären, ob der Angeklagte zuvor angegriffen worden war und sich verteidigen musste“, teilte Hans-Christian Rümke, Richter am Landgericht Hannover mit.



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