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Keine Beweise gegen zwei Hamelner

Freispruch für angebliche Einbrecher-Helfer

HAMELN/DETMOLD. Es geht um Wohnungseinbrüche im großen Stil. Nicht wegen der Beute, sondern wegen der Zahl: 66 einzelne Fälle listet die Anklage der Staatsanwaltschaft Detmold auf. Zwei Männer aus Hameln sollten einer Einbrecherbande bei ihren Taten geholfen haben. Jetzt hat das Landgericht Detmold sie freigesprochen.

veröffentlicht am 13.11.2017 um 17:27 Uhr
aktualisiert am 13.11.2017 um 20:10 Uhr

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Autor:

Ulrich Pfaff
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Die Tatorte liegen vorwiegend im Kreis Lippe, im Weserbergland und in Altenbeken. Dort soll die Bande im Oktober vergangenen Jahres insgesamt 66 Mal zugeschlagen haben, jeweils von Hameln aus operierend: Dort, so hieß es in der Anklage, hätten die beiden 32 und 28 Jahre alten albanischen Asylbewerber in ihren Wohnungen dem dreiköpfigen „Einbruchsteam“ nicht nur Obdach und Rückzugsmöglichkeit geboten – sie sollten auch dabei geholfen habe, die Beute nach Albanien zu schaffen.

Das aber, so ließen die Beiden zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Detmold gestern durch ihre Verteidiger erklären, sei alles nicht wahr. Und letztendlich konnte das Gericht das Gegenteil auch nicht beweisen.

Tatsächlich muss die 1. Große Strafkammer des Landgerichts einen ganzen Wust von Anklagepunkten sortieren und in der Beweisaufnahme überprüfen – zumindest was den Hauptangeklagten angeht. Anhand von Funkzellenauswertungen nach einer Reihe von Einbrüchen kamen die Ermittler aus Lippe auf die Spur der Bande: Mehrere immer wieder auftauchende Handynummern waren zu den jeweiligen Tatzeitpunkten in Tatortnähe eingeloggt.

Eine Telefonüberwachung führte schließlich zu einem 33-jährigen Albaner, der sich ohne festen Wohnsitz in Deutschland aufhielt. Er wurde im Mai festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Nach Ansicht der Staatsanwalt ist er einer der drei Männer des „Einbruchsteams“, das in die Wohnungen eindrang. Der 33-Jährige schweigt sich im Prozess aus.

Insgesamt beträgt der Wert der Tatbeute aus den Einbrüchen etwa 80 000 Euro. Zwei der Männer des „Einbruchsteams“ konnten zwar identifiziert, aber noch nicht gefasst werden. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass die Bande noch weitaus größer war und weitere Taten auf ihr Konto gehen.

Die beiden Angeklagten aus Hameln sollten lediglich in zwei Fällen als Einbrecher tätig gewesen sein: Am 17. Dezember in Lügde, wo man ihnen zur Last legt, in Firmenhallen eingedrungen zu sein. Mangels Beute hätten sie in einer Halle durch Entleeren eines Feuerlöschers Sachschaden angerichtet. Auch das stimme nicht, ließen sich beide ein. Für die Log-in-Daten ihrer Handys hatten sie eine Erklärung: Zusammen mit dem Schwiegervater des 28-Jährigen habe man zunächst eine Pizzeria in Bad Pyrmont besucht, dann ein Bordell – allerdings will der jüngere nur davor im Auto gesessen haben, während der 32-Jährige drinnen eine Zigarette rauchte. „Wir waren dort nur zehn Minuten“, sagte dieser. Tatsächlich ergab die Beweisaufnahme, dass die von der Polizei herangezogenen Handydaten mit den Uhrzeiten der Einbrüche nicht übereinstimmten. Auch was die mutmaßliche Mitgliedschaft der beiden Männer in der Einbrecherbande angeht, musste die Staatsanwaltschaft kleine Brötchen backen: Es gab keine stichhaltigen Beweise, die für eine Verurteilung ausgereicht hätten. Logische Folge: Freispruch von allen Vorwürfen.

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