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Hamelner legt Geständnis ab / Zwei Serien aufgeklärt

Flaschensammler hat mindestens 19 Brände gelegt

HAMELN. Immer wieder haben in den letzten Jahren im Hamelner Stadtgebiet Container gebrannt. Nun ist geklärt, wer für viele der Feuer verantwortlich ist: Ein 51 Jahre alter Hamelner hat gestanden, auf seinen Touren als Flaschensammler mindestens 19 Brände gelegt zu haben.

Autor

Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

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Wenn er abends mit seinem Fahrrad unterwegs war, um in Mülleimern nach Pfandflaschen zu suchen, verspürte er eine unbändige Lust am Zündeln. Manchmal konnte er sich nicht beherrschen – dann holte er sein Feuerzeug aus der Tasche und steckte damit Container in Brand. Meist waren es drei oder vier. Niemals hielt er sich länger als nötig am Tatort auf. Er mischte sich nicht unter die Schaulustigen, die zusahen, wie die Feuerwehr die Flammen bekämpfte. Er verschwand einfach in der Dunkelheit, war bereits über alle Berge, wenn die Polizei nach ihm fahndete. Deshalb war er so schwer zu fassen. Als Flaschensammler machte er sich nicht verdächtig. Es war ja nachvollziehbar, warum er in Abfalleimer geschaut hatte.

Jahrelang hat der Feuerteufel in Hameln sein Unwesen getrieben. Wie ein Phantom bewegte er sich durch die Nacht. Erst vor ein paar Wochen geriet ein Tatverdächtiger ins Visier der Fahnder. Eine Überwachungskamera hatte den Mann am 17. November an der Bahnhofstraße gefilmt. Kurz danach brannte es in dem Durchgang, in dem er sich eben noch aufgehalten hatte. Eine Kommissarin des Einsatz- und Streifendienstes konnte den Mann auf den Bildern identifizieren. Der Hamelner ist ein „alter Bekannter“, der schon wegen kleinerer Diebstähle im Gefängnis gesessen hat. Mehrmals wurde der mutmaßliche Täter in den vergangenen drei Monaten von Polizeibeamten vernommen. Stets hat der 51-Jährige abgestritten, etwas mit den Bränden zu tun zu haben. Doch der Kriminalbeamte, der den Fall bearbeitet, ließ nicht locker. Am Ende zahlte sich seine Beharrlichkeit aus.

Der offenbar alkoholkranke mutmaßliche Serien-Brandstifter hat inzwischen gestanden, in den Jahren 2013 und 2014 zehn Brände am „Kuckuck“ (er hat seinerzeit in Rohrsen gewohnt) und im vergangenen Jahr mindestens neun weitere im Stadtgebiet von Hameln gelegt zu haben. Warum, weiß er angeblich nicht. „Es ist einfach so über mich gekommen“, hat er dem Brandursachen-Ermittler des Zentralen Kriminaldienstes erzählt, der ihn überführt hat. Gut möglich, dass noch weitere Taten auf das Konto des Mannes gehen, er sich aber nicht an jede einzelne Zündelei erinnern kann. Er habe keinen großen Schaden anrichten und keine Menschen verletzen wollen, behauptet der Verdächtige.

  • Der Feuerteufel zündete auf seinen Touren viele Container an. Foto: ube/leo
  • 29. September: Meterhohe Flammen züngeln an einer Fassade empor. Das Feuer ist von einem Container auf ein Haus an der Bahnhofstraße übergegriffen. Foto: ube/leo

Ende vergangenen Jahres hatte ein Feuerteufel vor allem das Bahnhofsviertel in Angst und Schrecken versetzt. Von drei Bränden an der Bahnhofstraße, die auf Hinterhöfen oder in einem Durchgang zwischen zwei Wohnhäusern gelegt wurden, ging große Gefahr aus. Am Abend des 29. September griff ein Container-Feuer auf die Fassade eines Geschäftshauses über. Dämmplatten wurden weich, ein Fallrohr aus Aluminium schmolz bis in eine Höhe von fünf Metern. Flüssiger Kunststoff lief brennend über den Hof. An der Kaiserstraße und an der Kreuzstraße hatten kurz zuvor Müll- und Papier-Rollcontainer gebrannt. Bis zum 13. Dezember wurden noch acht weitere Rollcontainer mit einem Fassungsvermögen von je 1100 Litern angesteckt. In der Altstadt brannten zudem zwei Abfalleimer. Die letzten beiden Feuer soll der 51-Jährige am Bahnhof und am Hefehof gelegt haben – innerhalb von nur einer Stunde. Es war wohl Zufall, dass der Hamelner über den Bahnhofsvorplatz radelte, als ein randvoll mit Pappe gefüllter Rollcontainer vor das Parkhaus geschoben wurde. Keine zehn Minuten später brannte der Kunststoff-Behälter, stieg jede Menge Rauch auf. Die Flammen, die kurz darauf am Hefehof loderten, hätten nach Meinung der Feuerwehr größeren Schaden anrichten können. Einem Wachmann ist es zu verdanken, dass dort Schlimmeres verhindert wurde. Nach diesen Zündeleien hielt sich der Tatverdächtige zurück – er hatte bemerkt, dass ihn die Polizei „auf dem Schirm hatte“.

Nachdem er ein Geständnis abgelegt hatte, durfte der Hamelner nach Hause gehen. Er wird in den kommenden Monaten als Angeklagter vor Gericht erscheinen müssen.

Containerbrände in Hameln

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