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Vier Personen auf Intensivstationen / Nächtlicher Großeinsatz in Holtensen

Feuer bringt Bewohner in Lebensgefahr - sieben Verletzte

HOLTENSEN. Ein nächtliches Feuer in einem großen Bauernhaus in Holtensen hat am Dienstag gegen 3 Uhr acht Menschen in Lebensgefahr gebracht und einen Großeinsatz der Rettungskräfte ausgelöst. Das Gebäude war mit giftigen Rauchgasen gefüllt. Die Feuerwehr rettete eine Frau, einen Mann und zwei Hunde mithilfe einer Drehleiter aus dem Dachgeschoss.

veröffentlicht am 26.09.2017 um 03:48 Uhr
aktualisiert am 26.09.2017 um 17:17 Uhr

Notärzte und Rettungsteams der Feuerwehr und des DRK aus dem gesamten Landkreis sind nach Holtensen geeilt. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Ein Feuer in einem Bauernhaus in Holtensen hat am frühen Dienstagmorgen gegen 3 Uhr acht Menschen in Lebensgefahr gebracht und einen Großeinsatz der Rettungskräfte ausgelöst. Das Backstein-Gebäude an der Straße „Feldtor“ war vom Erdgeschoss bis zum Dachboden mit giftigen Rauchgasen gefüllt. Sechs Hausbewohnern gelang es in letzter Minute, durch den dichten Qualm ins Freie zu flüchten. Einer Frau und einem Mann war jedoch der Fluchtweg abgeschnitten. Das Piepen eines Rauchmelders hatte die Menschen zum Glück aus dem Schlaf gerissen und vor dem Schlimmsten bewahrt.

Die Eingeschlossenen standen am Fenster ihrer Dachgeschosswohnung und warteten auf Hilfe. Ein Rettungstrupp der Hamelner Feuerwehr, der sich mit schwerem Atemschutz ausgerüstet hatte, kämpfte sich zu dem Paar und seinen beiden kleinen Hunden durch. Die Feuerwehrleute Steffan Correll und Christian Erben brachten den Brandopfern Fluchthauben. Als sie in die Wohnung gingen, bemerkten sie, dass die Bewohner bereits feuchte Tücher vor den Türschlitz gelegt hatten, um zu verhindern, dass Qualm in die Dachwohnung wabert. „Das war gut so. Wir haben die Personen und die Tiere mithilfe der Drehleiter in Sicherheit gebracht“, erzählt Brandoberinspektor Sven Hildebrandt. Das Treppenhaus sei völlig verqualmt gewesen. „Dort ist alles verrußt.“ „Die Rauchgrenze befand sich bereits in Brusthöhe.“

Acht Bewohner, darunter zwei Kinder, wurden von drei Notärzten und sechs Rettungsteams der Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes behandelt; fünf Erwachsene (43 bis 67 Jahre alt), ein Mädchen (6) und ein Junge (12) in zwei Krankenhäuser gebracht. Ein Mann, der ebenfalls Rauch eingeatmet haben dürfte, habe die Mitfahrt verweigert, hieß es. „Vier Personen sollen auf Intensivstationen überwacht werden“, sagte Brandoberinspektor Hildebrandt vom Einsatzführungsdienst der Feuerwehr Hameln am frühen Morgen. Anfangs war sogar in Erwägung gezogen worden, auch den in Langenhagen stationierten nachtflugtauglichen Intensivtransporthubschrauber „Christoph Niedersachsen“ anzufordern. „Die Maschine hätte auf dem Sportplatz landen können“, sagte Stadtbrandmeister Markus Weber. Die Leitstelle hatte auf Weisung des Einsatzleiters das Alarmstichwort „MANV“ ausgelöst – die Abkürzung steht für „Massenanfall von Verletzten“. Drei Notarzt-Fahrzeuge und sechs Rettungswagen aus Hameln, Emmerthal, Bad Münder und Hessisch Oldendorf fuhren nach Holtensen. Mitarbeiter der hauptamtlichen Schnellen Einsatzgruppe des DRK-Rettungsdienstes unterstützten ihre Kollegen vom Nachtdienst. Im Löscheinsatz waren die Feuerwehren Hameln, Holtensen und Unsen.

Feuerwehrleute haben sich mit schwerem Atemschutz ausgerüstet; sie bekommen Anweisungen. Foto: ube
  • Feuerwehrleute haben sich mit schwerem Atemschutz ausgerüstet; sie bekommen Anweisungen. Foto: ube
Mit der Drehleiter wurden zwei Menschen und zwei Hunde gerettet. Foto: ube
  • Mit der Drehleiter wurden zwei Menschen und zwei Hunde gerettet. Foto: ube

Ein Hausbewohner, der Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist, reagierte richtig, als er aus dem Gebäude lief. Als er sah, dass die Tür der Kammer, in der die Flammen loderten, offen stand, zog er sie rasch zu. Dadurch konnten nicht noch mehr Gase ins Treppenhaus ziehen.

Ermittler der Tatort-Gruppe haben den Raum, in dem das Feuer ausgebrochen ist, für weitere Untersuchungen versiegelt. Derzeit geht die Hamelner Polizei davon aus, dass in der als Abstellkammer genutzten ehemaligen Milchkammer zunächst eine Aluguss-Pfanne auf einem Elektroherd in Brand geraten ist. Durch extreme Strahlungshitze dürften die in unmittelbarer Nähe stehenden Gegenstände (ein geflochtener Korb, Nahrungs- und Haushaltsmittel) Feuer gefangen haben. Der Brand hat sich laut Feuerwehr auch auf eine Küchenzeile ausgeweitet. Putz fiel von der Wand, Fliesen platzten.

Unbekannt ist, warum die Herdplatte eingeschaltet war. „Die Brandursache ist unbekannt“, sagte Hauptkommissar Siegfried Motzner. Die Kammer sei beschlagnahmt worden. Spezialisten des 1. Fachkommissariats werden an der Brandausbruchstelle nach Spuren und Hinweisen suchen.

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