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Richterin hat Einsehen: Unfallfahrer muss 2700 statt 36000 Euro bezahlen

Ferrari-Fahrer kommt glimpflich davon

Hameln. Nach dem spektakulären Ferrari-Unfall in Hameln muss der Fahrer 2700 Euro zahlen. Der ursprüngliche Betrag lag bei 36000 Euro, das Gericht senkte diesen nun jedoch ab. Laut Gutachten war der Wagen zum Unfallzeitpunkt im August 2015 mit einer Geschwindigkeit von 130 bis 165 Stundenkilometern unterwegs.

veröffentlicht am 23.06.2016 um 17:44 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:05 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

„Deutschland, Deutschland, spürst du mich? Heut‘ Nacht komm ich über dich - das macht Spaß! Ich geb‘ Gas!“ Anfang der 1980er Jahre hatte der Sänger Markus mit diesem NDW-Song Erfolg. „Ich schubs die Enten aus dem Verkehr

ich jag‘ die Opels vor mir her“, sang er seinerzeit und beschrieb, wie schön das Rasen ist. Am späten Abend des 1. August 2015 trat ein Autohändler so richtig aufs Gaspedal. Der Hamelner sauste mit seinem 400-PS-Ferrari durch die Nacht. Auch er wollte wohl Spaß – am Ende wurde daraus blutiger Ernst, waren Sirenen zu hören, blinkten Blaulichter, hatte er seinen Freund schwer verletzt.

Um 23.22 Uhr, so die Staatsanwaltschaft, sei der seinerzeit 42-Jährige mit seinem geleasten Luxus-Wagen auf Deisterstraße in Richtung Grüner Reiter unterwegs gewesen. 50 Stundenkilometer sind erlaubt. Mit 135 bis 160 Sachen soll der Mann an diesem Samstagabend durch Hameln gerast sein. Zu diesem Ergebnis kam ein von der Justiz eingeschalteter Sachverständiger. Als ein Mercedes-Fahrer nach links auf die Aral-Tankstelle abbiegen wollte, musste der Ferrari-Fahrer ausweichen. Hinter der Einmündung Falkestraße verlor er die Kontrolle über sein schnelles Auto. Der Sportwagen driftete diagonal über die Straße, prallte gegen zwei Bäume und einen Laternenmast. Während der Ferrari-Fahrer mit Blessuren davonkam, zog sich sein Beifahrer (36) erhebliche Verletzungen zu: Ein sechsfacher Rippenbruch, eine Rippenprellung, eine beidseitige Lungenquetschung, ein Splitterbruch eines Kniegelenks, eine Knochensprengung im Schultergelenk und eine Gehirnerschütterung mussten ärztlich versorgt werden. Der Schwerverletzte stellte jedoch keinen Strafantrag (fahrlässige Körperverletzung ist ein sogenanntes Antragsdelikt). Deshalb hätte sich der Unfallverursacher für diese Straftat eigentlich nicht vor Gericht verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft sah aber ein „besonderes öffentliches Interesse“ und klagte den Mann an. Der Strafbefehl schockte den Unfallfahrer, der inzwischen nicht mehr als Unternehmer, sondern als Autoverkäufer tätig war. 180 Tagessätze a 200 Euro, also 36 000 Euro, sollte der heute 43-Jährige bezahlen. Der Unfallverursacher legte Einspruch ein.

In der Hauptverhandlung räumte er zwar den Raser-Unfall ein, bat aber um eine geringere Geldstrafe. Er habe monatlich nur noch 1500 Euro zur Verfügung, müsse Unterhalt für zwei Kinder leisten und die Leasing-Raten (zum Unfallzeitpunkt waren noch 40000 Euro offen) abstottern, argumentierte er. Die Richterin befragte den Beifahrer, der keinen Groll gegen seinen Freund hegt. Er habe sich so sehr gewünscht, einmal in dem Ferrari mitfahren zu können, sagte er sinngemäß. Wenn er sich in so ein schnelles Auto setze, gehe er halt ein Risiko ein.

Für den Ferrari-Fahrer spreche, dass er vor dem Unfall nicht einschlägig in Erscheinung getreten ist, sagt Gerichtssprecherin Sabine Quak. Für ihn wiegen die Unfallfolgen schwer. Auto kaputt, Unternehmen futsch. Die Amtsrichterin hatte ein Einsehen mit dem Mann. Sie reduzierte die Tagessätze. 90 mal 30 Euro. Das macht unterm Strich 2700 Euro.

Erst einmal schubst der Mann keine „Enten aus dem Verkehr“, denn auf seine Fahrerlaubnis muss er noch ein bisschen warten. Seinen Führerschein ist er seinerzeit für die Dauer von 16 Monaten losgeworden. Frühestens in einem halben Jahr kann er eine neue Lizenz beantragen.



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