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Einsatz am Multimarkt

Falscher Polizist kontrolliert Autofahrer

HAMELN. Ein 18 Jahre alter Emmerthaler soll sich zusammen mit seiner Begleitung als Zivilstreife ausgegeben und Autofahrer am Multimarkt kontrolliert haben. Seinen Auftritt inszenierte er stilecht mit Blaulicht auf dem Dach seines Golfes.

veröffentlicht am 02.05.2017 um 16:14 Uhr

Frank Neitz

Autor

Reporter / Fotograf zur Autorenseite

Es ist wie bei der Fernsehserie „Einsatz in Manhattan“. Wer erinnert sich nicht noch daran, wie Lieutenant Theo Kojak während der Einsatzfahrt lässig zu seinem Blaulicht griff und das Rundumlicht aufs Autodach setzte. Ein 18-jähriger Emmerthaler wollte es ihm offenbar gleichtun: Der junge Mann soll sich am Multimarkt als Zivilstreife ausgegeben und andere Autofahrer kontrolliert haben – mit einem Blaulicht auf dem Dach eines schwarzen Golfs.

Der Hobbypolizist muss Nachtdienst geschoben haben. Denn der vermeintliche Beamte soll am frühen Montagmorgen gegen 1.30 Uhr aktiv gewesen sein, wie seine „richtigen Kollegen“ am Diensttag mitteilten. Nach Zeugenaussagen soll der Mann ein Blaulicht auf das Dach seines Volkswagens montiert und auf dem Gelände Autos gestoppt haben. Er soll sich zusammen mit seiner weiblichen Begleitung (17) als Zivilstreife ausgegeben und nach Führer- und Fahrzeugscheinen gefragt haben. Wie es reale Polizisten eben auch tun.

Doch so routiniert wie die Profis muss sich der Emmerthaler nicht verhalten haben. „Der Mann wirkte unseriös, war sehr aufgeregt und soll gestottert haben“ berichtete Polizeisprecher Jens Petersen. Auch einem 21-Jährigen kam die Kontrolle seltsam vor, er folgte dem Golf. Das „Zivilfahrzeug“ fuhr tatsächlich zur Dienststelle an der Lohstraße. Doch vor dem verschlossenen schweren Schiebetor drehte der Golf plötzlich und fuhr mit quietschenden Reifen in Richtung Kaiserstraße davon. In der Wache erkundigte sich der Zeuge nach dem Wagen. Der Golf und auch der von ihm beschriebene „Polizist“ waren den diensthabenden Beamten nicht bekannt.

Später parkte der Golf an der Lohstraße. Echte Polizisten reagierten und schraubten die Nummernschilder ab – zur Verhinderung weiterer Straftaten, wie es hieß.

Noch in der Nacht erschien der 18-jährige Fahrzeughalter und mutmaßliche Fahrer auf der Wache und fragte nach den Kennzeichen. Lieutenant Kojak wäre bei der Antwort vermutlich der Lolli aus dem Mund gefallen: Die Ordnungshüter erklärten dem vermeintlichen Möchtegernkollegen, dass der ein Ermittlungsverfahren wegen Amtsanmaßung gegen ihn eingeleitet wurde. Das benutzte Blaulicht konnte die Polizei im Golf nicht finden.



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