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Senior aus Hameln sollte Gold für 80 000 Euro an Mülltonne deponieren

Fahnder stellen falschen Polizisten eine Falle

HAMELN. Falsche Polizisten haben in Hameln versucht, ein Ehepaar (88, 87) um seine Ersparnisse zu bringen. Eine Woche lang riefen die Täter bei dem 88 Jahre alten Senior an – sie brachten ihn dazu, zwei Goldbarren im Wert von 80 000 Euro zu kaufen. Zum Glück erfuhr der Sohn davon; er schaltete die Polizei ein.

veröffentlicht am 25.11.2020 um 00:10 Uhr
aktualisiert am 07.12.2020 um 09:13 Uhr

Ulrich Behmann

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Chefreporter zur Autorenseite

Fahnder des für Betrugsdelikte zuständigen 3. Fachkommissariats des Zentralen Kriminaldienstes stellten den falschen Kriminalbeamten am Dienstagnachmittag eine Falle. Observationsspezialisten eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) der Polizeidirektion Göttingen beobachteten das Haus, das sich in einem gutbürgerlichen Viertel von Hameln befindet. Um 14.28 Uhr erfolgte der Zugriff. Als zwei Männer das an einer Mülltonne deponierte Gold abholen wollten, sprangen die Elitepolizisten aus ihren Verstecken und schnappten sich die Verdächtigen. Die Männer wurden in Handschellen abgeführt und zur Polizeiwache gebracht. Ein mutmaßlicher Täter hatte sich während der vorläufigen Festnahme vor Angst eingekotet. Die Identität der auf frischer Tat ertappten Männer stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Kriminalisten gehen davon aus, dass es sich um sogenannte „Läufer“ handelt. So werden die Abholer genannt, die ihre Befehle von der mittleren Ebene des international operierenden Verbrechersyndikats erhalten. Die Hintermänner der Bande sitzen nach Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsbehörden in der Türkei und stehen mit ihren „Logistikern“ in Deutschland in engem Kontakt. Von Callcentern aus werden gezielt Senioren angerufen. Die Täter stellen sich als Kriminalbeamte vor. Diese sogenannten „Keiler“ sind rhetorisch sehr geschickt und erschleichen sich das Vertrauen der älteren Menschen. Im jüngsten Fall machten sie dem Hamelner weis, die Polizei stünde kurz davor, eine Einbrecherbande festzunehmen, die Ermittler seien auf die Mithilfe des Seniors angewiesen.

Nachdem der Mann Goldbarren gekauft und im Tresor deponiert hatte, behauptete der falsche Polizist plötzlich, ein Bankangestellter sei korrupt. Er werde bald sämtliche Schließfächer plündern, deshalb solle der Hamelner rasch seine Barren in Sicherheit bringen und zu Hause aufbewahren. Um ein Haar hätte die Bande die Ersparnisse des Ehepaares erbeutet. Doch sie hatte die Rechnung ohne den Sohn gemacht. Die Polizei bastelte aus Schrauben, Pappe und goldfarbener Folie zwei Barren, legte sie in einen Jutesack und gab sie dem Rentner. Der 88-Jährige spielte mit; er tat so, als hole er sein Gold aus der Sparkasse. Verdeckte Ermittler ließen den Rentner dabei nicht aus den Augen.

Als der Anrufer verlangte, der Senior möge das Gold in einer Bushaltestelle ablegen, weigerte sich der rüstige Hamelner. „Der falsche Kriminalbeamte gab ihm dann die Anweisung, den Beutel an der Mülltonne vor dem Wohnhaus zu deponieren. Das hat der Hamelner getan.“ Kurz darauf schnappte die Falle zu. Der Leiter des 3. Kommissariats, Frank Weiss, bezeichnet solche Betrügereien „als eine widerliche Form der Kriminalität“. Der Erste Kriminalhauptkommissar spricht von „perfiden Machenschaften“. Diese Täter befriedigten ihre „pekuniäre Gier“, indem sie ältere Menschen um ihr Erspartes brächten, sagt Weiss.



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