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Schon 24 Transporter geplündert / Erster Unternehmer muss aufgeben

Einbruchserie macht Handwerkern zu schaffen

Hessisch Oldendorf (fn) .Wilfried Junker bringt so leicht nichts aus der Ruhe. Doch das, was in der Nacht zum 10. April passiert ist, lässt selbst den sonst so besonnenen Zimmermann nicht kalt. Kriminelle haben seinen Transporter aufgebrochen und das Handwerkerfahrzeug geplündert. Hessisch Oldendorf scheint derzeit eine Hochburg von Fahrzeugaufbrüche zu sein.

veröffentlicht am 27.04.2016 um 14:56 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:03 Uhr

Die Täter zerschlagen Autoscheiben und entriegeln die Türschlösser.
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite

Akkuschrauber, Stichsäge, Winkelschleifer und Pendelsäge – alles wurde geklaut. Selbst vor einer geliehenen Kreissäge machten die Diebe nicht halt.
Ihm sei ein Schaden von 4500 bis 5000 Euro entstanden, so der Großenwiedener. Ein Betrag, auf dem der 56-Jährige größtenteils sitzen bleibt. Allenfalls die Aufbruchschäden am Opel – die Diebe zerschlugen eine Seitenscheibe um das Fahrzeug zu Öffnen – bezahlt eine Versicherung. Die geklauten Werkzeuge sind nicht versichert – genauso wenig wie das Arbeitsgerät von vielen seiner Kollegen. „Bei einer Selbstbeteiligung von 2500 Euro und 800 Euro Beitrag im Jahr lohnt das nicht“, rechnet der Bestohlene vor.
Die Arbeit bleibt zwangsläufig liegen. Ohne Werkzeuge sind auch Handwerker aufgeschmissen. Mit Kunden vereinbarte Termine müssen verschoben werden, wie auch der am Folgetag vorgesehene Bau einer Terrassenüberdachung. Manchmal kosten solche Diebstähle Kleinunternehmern sogar die Existenz. Ein Hessisch Oldendorfer, dem im Februar Spezialwerkwerkzeuge im Neuwert von 20 000 Euro aus seinem Transporter geklaut wurden, hat inzwischen resigniert und sein Geschäft aufgeben müssen. „Das frustet. Ich habe keinen Bock mehr“, erzählt der Handwerker, der seinen Namen nicht nennen möchte.
Der Fahrzeugaufbruch bei Junker ist kein Einzelfall. „Im Landkreis Hameln-Pyrmont wurden in diesem Jahr 70 Autoaufbrüche registriert. 27 Taten davon ereigneten sich im Bereich von Hessisch Oldendorf. In 24 Fällen handelte es sich um Firmen- und Handwerkerfahrzeuge“, berichtet Polizeioberkommissar Jens Petersen. Der Gesamtschaden bei den registrierten Delikten habe inzwischen die 100 000-Euro-Grenze überschritten, so der Polizeisprecher.
Der Beamte erkennt im Bereich der Weserstadt und im
nordwestlichen Teil Hamelns eine Häufung dieser Straftaten. Einen Hauptgrund hierfür sehen Ermittler in der räumlichen Nähe zur A2, über die die Täter offenbar flüchten. Bislang habe die Polizei – sie vermuten Osteuropäer als Täter – keine Festnahmen vermelden können.
In derselben Nacht, in der Junkers Wagen geplündert wurde, waren offenbar die gleichen Täter in weitere Fahrzeuge in Großenwieden eingestiegen. An der Mühlenbreite zerschlugen sie die Scheibe eines Daimler Vito und stahlen Werkzeug im Wert von 5000 Euro. An der Blumenstraße schmissen die Unbekannten die Heckscheibe eines VW Touran der Dachdeckerei Junker ein und klauten hochwertige Messgeräte im Wert von 2000 Euro.
Christian Grundmann, Chef des Dachdeckerbetriebes, fragt sich, warum die Einbrüche nicht veröffentlicht werden. Die Polizei hat die zuletzt verübten Auf- und Einbrüche nicht vermeldet. Das sei versäumt worden, heißt es auf Nachfrage der Dewezet. „Es wäre doch ratsam die Bevölkerung darüber zu informieren und zu sensibilisieren“, sagt der Dachdeckermeister. Nicht ohne Grund, denn ungebetene Gäste waren eine Woche zuvor schon in das Firmengebäude des Dachdeckerbetriebes an der Weserstraße eingestiegen.
Die Täter hebelten ein Fenster auf, durchstöberten ein Aktenlager sowie ein Magazin und knackten auch einen Stahlschrank. Mitgehen ließen die Einbrecher lediglich eine Drohne und zwei Deckenleuchten, die sie abmontierten. Für Grundmann ist es ein Rätsel, warum nicht noch mehr geklaut wurde.
Der Unternehmer reagierte prompt und ließ an Fenstern Metallgitter montieren. „Die kommen auf jeden Fall zurück“, war sich Christian Grundmann sicher. Ob sie ein weiteres Mal da waren, weiß der Dachdecker nicht. Wie schnell Einbrecher zurück sein können, musste sein Nachbar Christian Meier in der vergangenen Woche feststellen. In dessen Steinmetzbetrieb am Münchhausenring drangen Straftäter gleich zweimal ein.
War Meier nach dem ersten Einbruch in der Nacht auf Mittwoch noch erleichtert, dass die Unbekannten nichts mitgehen ließen, kam am Freitagmorgen für den Steinmetzmeister das böse Erwachen. Wieder hatten die Einbrecher das gleiche Fenster aufgehebelt – und diesmal auch zugegriffen. Ihre Beute: vier Trennschleifer, sechs Bohr- und Schleifmaschinen sowie ein Drucklufthammer im Gesamtwertwert von 4000 bis 5000 Euro. Im Steinmetzbetrieb ruhte der Betrieb nicht lange. Meier konnte auf die Schnelle Ersatzwerkzeuge aus seinem Betrieb in Obernkirchen organisieren, um weiter arbeiten zu können.
In den wenigsten Fällen tauchen gestohlene Werkzeuge wieder auf. Anders verhielt es sich im Oktober letzten Jahres. Ein Förster stieß in einem Wald bei Burgdorf auf ein Erddepot mit gestohlenen Baumaschinen. Darunter befanden sich Gerätschaften, die zuvor in Hessisch Oldendorf aus Fahrzeugen gestohlen worden. „Die Ermittlungen der Polizei werden im erheblichen Maße erleichtert, wenn die Besitzer von Handwerkerfahrzeugen in die geschlossene Werkzeugkiste versteckt einen GPS-Sender platzieren würden und somit eine Ortung möglich wäre“, hofft Polizeisprecher Petersen bei Fahndungen auf Mithilfe.



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