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Neue Erkenntnisse nach Tötungsverbrechen in Grohnde und Hameln

„Ein Streit um eine Lächerlichkeit“

GROHNDE. Der junge Mann (23), der gestanden hat, am späten Abend des 10. Mai auf dem Sportplatz in Grohnde eine 25 Jahre alte Frau aus dem Weserdorf getötet zu haben, hat sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover während seiner Vernehmung zum Tathergang geäußert. „Es ist jedoch fraglich, ob das alles wirklich so war, wie er das geschildert hat“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge im Gespräch mit der Dewezet. Zweifel seien angebracht. Den Verlauf einer Auseinandersetzung, die der Beschuldigte geschildert habe, lasse keinen Grund dafür erkennen, „weshalb er mit einer Waffe auf seine Freundin oder seine Bekannte losgegangen ist“.

veröffentlicht am 17.05.2019 um 11:04 Uhr

In dieser Hütte auf dem Sportplatz in Grohnde wurde die Leiche der 25 Jahre alten Frau entdeckt. Bestatter bringen das Opfer zum Institut für Rechtsmedizin. Im Hintergrund sichert eine Expertin der Kriminaltechnik Spuren. Foto: FN
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Der Verdächtige spricht von „einem klitzekleinen Streit um eine Lächerlichkeit“. Es sei so ein „Hin und Her“ gewesen; das habe sich dann „hochgeschaukelt“. Was geschehen sei, tue ihm leid. Nach Angaben von Personen, die den mutmaßlichen Täter kennen, stammt der 23-Jährige aus Eschershausen im Nachbar-Landkreis Holzminden. Die Tatwaffe – es soll sich um ein Messer handeln – ist bislang noch nicht gefunden worden. Der Mann habe der Polizei verraten, „wo er die Waffe beseitigt haben will“, sagte Klinge. Bereits zweimal sind Taucher der Feuerwehr Hameln in die Weser gestiegen, um das Flussbett bei Grohnde in Ufernähe nach der Stichwaffe abzutasten – allerdings ohne Erfolg. Ob die Suchaktion fortgesetzt wird, ist fraglich. Das sei noch nicht endgültig entschieden worden, sagte der Oberstaatsanwalt. Für Tauchgänge in der Strommitte müsse die Bundeswasserstraße für den Schiffsverkehr gesperrt werden.

Das Opfer wurde von Gerichtsmedizinern des Instituts für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover obduziert. Die 25-Jährige sei durch „Gewaltanwendung gegen den Hals“ gestorben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Nähere Einzelheiten zum Verletzungsmuster werden zurückgehalten – „aus kriminaltaktischen Gründen“. Fakt ist: Der jungen Frau wurde eine schwere und stark blutende Verletzung am Hals zugefügt – mit einem Messer.

Kriminalhauptkommissar Markus Schwarz, der das unter anderem für Mord und Totschlag zuständige 1. Fachkommissariat des Zentralen Kriminaldienstes in Hameln leitet, sagte: „Wir werten weiter Spuren aus. Die Kollegen der Kriminaltechnik haben jede Menge zu tun.“ Innerhalb von nur einer Woche hatten sich im Landkreis Hameln-Pyrmont zwei Tötungsverbrechen ereignet (wir berichteten). Am 3. Mai war am Kuckuck in Rohrsen ein 55 Jahre alter Hamelner durch Messerstiche getötet worden. Der mutmaßliche Täter (59) sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Als er von Polizisten in Tatortnähe festgenommen wurde, soll er noch ein blutiges Messer in der Hand gehalten haben. Auch in diesem Fall ist das Motiv unklar. Die Mordermittler gehen nach Informationen der Dewezet derzeit der Frage nach, ob der 55-Jährige die Lebensgefährtin (53) des älteren Mannes kurz vor dem Verbrechen erheblich beleidigt hat. Die beiden offenbar alkoholisierten Hamelner sollen schließlich nach draußen gegangen sein, um die Sache mit Fäusten zu klären. Der Ältere soll jedoch ein Messer gezogen und „mehr als einmal zugestochen“ haben. Die Polizisten prüfen derzeit, ob er die Stichwaffe zufällig dabei hatte oder ob er das Messer aus der Wohnung mitgenommen hat. Es geht um die Frage: Hatte der Mann einen Tötungsvorsatz?

Im Labor der Kriminaltechnik stapeln sich zahlreiche Gegenstände, die noch untersucht, erfasst und dokumentiert werden müssen. Zwei Tötungsdelikte in so kurzer Folge – das kommt im Weserbergland zum Glück äußerst selten vor. Immerhin konnten die Tatverdächtigen rasch hinter Gitter gebracht werden. Oberstaatsanwalt Klinge sagte, die Polizisten seien an Zeugenhinweisen interessiert. Es gehe grundsätzlich um die Frage: „Wer weiß etwas, das die Ermittler weiterbringen könnte?“



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