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Kinder mussten zusehen / Täter muss lebenslang in Haft / Besondere Schwere der Schuld festgestellt

Ehefrau zu Tode getrampelt

HILDESHEIM/GRÜNENPLAN. Selbst der hinzugeeilte Vermieter konnten den Gewaltexzess nicht verhindern: Vor den Augen seiner drei kleinen Töchter hat ein 32-Jähriger seine Ehefrau so heftig getreten und geschlagen, dass sie ins Koma fiel und elf Tage später starb. Am Freitag verurteilte das Landgericht Hildesheim den Afghanen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und stellte die besondere Schwere der Schuld fest.

veröffentlicht am 08.06.2018 um 17:46 Uhr
aktualisiert am 08.06.2018 um 19:00 Uhr

Der angeklagte 32-Jährige betritt mit Handschellen gesichert den Gerichtssaal. Foto: dpa

Autor:

Christina Sticht

Damit ist eine Entlassung bereits nach 15 Jahren unmöglich. Der Vorsitzende Richter Peter Peschka sprach von einer „außerordentlich brutalen und unbarmherzigen Tat“. Obwohl der Vermieter tatkräftig dazwischengegangen sei, habe der Angeklagte konsequent sein Tötungsvorhaben umgesetzt.

Die Familie war im September 2015 aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet, seit Anfang 2016 lebte sie in Grünenplan im Kreis Holzminden. Bei Behördengängen unterstützten der Vermieter und eine Nachbarin das Paar. Bereits vor dem Mord war die Polizei zweimal wegen häuslicher Gewalt in die Wohnung gerufen worden. Im Herbst 2017 entschied die Frau, sich von ihrem Mann zu trennen und eröffnete ihm das in einer Beratungsstelle. Daraufhin sagte er einem Dolmetscher: „Schade, dass wir nicht in Afghanistan sind, da würde ich sie umbringen.“ Auslöser für den Mord am 3. Januar 2018 war nach Überzeugung der Strafkammer ein Streit des 32-Jährigen mit dem Vermieter, der trotz des Auszugs des Familienvaters 100 Euro Mietzuschuss von ihm verlangte. „Er sah sich an den Rand gedrückt und stand vor den Trümmern seiner Existenz, ohne feste Bleibe“, sagte der Vorsitzende Richter. In rasender Wut brach der Mann die Wohnungstür auf und schlug seine arglose Ehefrau zu Boden. Sie hatte kurz zuvor einem Dolmetscher Avancen gemacht. Immer wieder habe der Angeklagte mit seinen festen Trekkingschuhen auf Kopf, Hals und Gesicht des Opfers eingetreten, sagte Peschka. Im Kampf mit dem Vermieter habe er sich am Türrahmen festgekrallt und immer wieder seinen Schuh auf den Hals der Frau gestellt. Sie erlitt unter anderem Rippenbrüche, einen Leberriss und wegen des Sauerstoffmangels eine starke Gehirnschädigung. Die besondere Schwere der Schuld begründete die Kammer damit, dass die vier, sieben und neun Jahre alten Töchter den Gewaltexzess miterleben mussten und sogar vom Vater davon abgehalten wurden, Hilfe zu holen.

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