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Stadt Hameln beruft Krisenstab ein / Feuerwehr liefert Notstrom für Melkanlage

Dritter Blackout in nur zehn Wochen

HAMELN/RINTELN. Zum dritten Mal innerhalb von nur zehn Wochen hat die Stadt Hameln am Sonntagvormittag wegen eines großflächigen Stromausfalls einen Krisenstab einberufen.

veröffentlicht am 01.09.2019 um 07:24 Uhr
aktualisiert am 03.09.2019 um 12:45 Uhr

Ulrich Behmann

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Nach Angaben der Stadtwerke ist es gegen 5.30 Uhr wegen eines sogenannten „Erdschlusses“ an einer Leitung, die vom Umspannwerk Afferde über Unsen und Hessisch Oldendorf in Richtung Westendorf (Kreis Schaumburg) führt, zu einem Blackout gekommen. Das sagte Prokurist Helmut Feldkötter im Gespräch mit der Dewezet. Der Notdienst der Stadtwerke habe mit Hochdruck daran gearbeitet, die Störungen zu beheben. „Wir haben zwei Fehlerstellen aufgespürt und diverse Schaltungen durchgeführt“, sagte Feldkötter. Gegen 12 Uhr seien alle Haushalte wieder am Netz gewesen.

Schnell stand fest – es handelt sich um einen sehr großen Stromausfall. Betroffen waren Hastenbeck, Halvestorf-Hope, Holtensen, Welliehausen und in Teile der Ortschaft Tündern. Nach Angaben des Rathauses sind auch außerhalb des Stadtgebiets die Lichter ausgegangen – in Völkerhausen, in Voremberg und in Hagenohsen (Gemeinde Emmerthal) sowie im Stadtgebiet von Hessisch Oldendorf. Die Stadtwerke Hameln sprachen von Texas/Höfingen und Rohden. Die Gesamtanzahl der betroffenen Haushalte war am frühen Nachmittag noch unbekannt. Allein im Bereich Hameln hatten 7000 Menschen keinen Strom.

In der Stadt kam der um 8.37 Uhr einberufene Stab für außergewöhnliche Ereignisse in der Rettungs- und Feuerwache an der Ruthenstraße zusammen, um mit Hilfsorganisationen mögliche Notfall-Maßnahmen zu koordinieren. Es ging um die Frage, wer benötigt dringend Notstrom? In Bedrängnis könnten Kranke, die an Heimbeatmungsgeräten angeschlossen sind, und Landwirte, die Vieh halten, kommen. In Holtensen trat ein solcher Notfall ein. Milchbauer Burkhard Krüger war gerade mit seinem Sohn Tobias dabei, seine 30 Kühe zu melken, als plötzlich der Strom im Dorf ausfiel. „Wir haben zunächst zweieinhalb Stunden gewartet und gehofft, dass der Strom wiederkommt“, erzählt Tobias Krüger, der auch ehrenamtlicher Feuerwehrmann ist. Er fuhr schließlich zu Ortsbrandmeister Jürgen Scharbatke und klopfte an dessen Tür. „Anrufen konnte ich ihn ja nicht – und die Klingel ging auch nicht“, erzählt Krüger. Auch das Mobilfunknetz sei stellenweise zusammengebrochen. Kurz nach 8 Uhr holten Feuerwehrleute ein Notstromaggregat des Katastrophenschutzes aus dem Feuerwehr-Gerätehaus. Mit einem Trecker transportierte Krüger das Gerät zum Bauernhof. Feuerwehrleute schlossen es dort an. „Das Dieselaggregat erzeugt 7,5 Kilovoltampere“, erklärt Scharbatke. Das habe ausgereicht, um die Melkanlage betreiben zu können. Nach rund anderthalb Stunden seien alle Kühe gemolken gewesen. Es war allerhöchste Zeit, denn: „Sonst hätten die Milchkühe eine Euterentzündung bekommen.“ Zum Glück sei wenig später der Strom wieder da gewesen. „Deshalb konnten wir die Milch kühlen. Wir hätten sie sonst wegkippen müssen“, sagt Krüger.

Um 10 Uhr teilten die Stadtwerke mit, der Notdienst habe einen Kabelfehler geortet. Er sei in Hastenbeck zwischen den Ortsnetz-Stationen Denkmalsweg und Kiefernstraße im 30 000-Volt-Netz aufgetreten. Um 8 Uhr konnten Halvestorf und Hope, um 9.30 Uhr Hastenbeck, Voremberg und die betroffenen Teile von Tündern und Völkerhausen wieder mit elektrischer Energie versorgt werden. „Nun geht die Fehlersuche im Sektor Unsen/Welliehausen weiter. Unsere Techniker fahren von Mast zu Mast“, sagte Feldkötter gegen 10 Uhr. Um 11.40 Uhr hatten Entstörungstrupps den zweiten Erdkabel-Fehler an einer unterirdisch verlegten 30 000-Volt-Leitung in Holtensen aufgespürt – zwischen den Ortsnetz-Stationen am Hermann-Weise-Weg und der Straße „An der Feuerwehr“. Fünf Minuten später konnten Techniker in der Netzleitstelle eine Umschaltung vornehmen, war auch Holtensen wieder am Stromnetz.

2 Bilder
Schnittstelle zwischen Krisenstab und Feuerwehren – im Einsatzleitwagen laufen die Lagemeldungen aus den Dörfern ein. Foto: leo

Der Krisenstab hatte zuvor Durchsagen via Rundfunk und Lautsprecher veranlasst. Feuerwehrleute aus Holtensen und Unsen fuhren mit Mannschaftswagen durch Holtensen und informierten die Bevölkerung darüber, dass das Gerätehaus besetzt ist. „Im Notfall kann man zur Feuerwehr gehen oder fahren und dort Hilfe erhalten“, sagte der Leiter des Fachbereichs „Recht und Sicherheit“ bei der Stadt Hameln, Christian Campe, der den Krisenstab leitete. Auch in Hastenbeck, Tündern, Unsen und Welliehausen waren die Ortswehren alarmiert worden. Ihr Auftrag: sofort die Feuerwehrhäuser besetzen, Notrufe persönlich entgegennehmen und über Funk weiterleiten.

Zu massiven Störungen war es auch im Westfalen-Weser-Netz gekommen. Durch den Blackout in Hameln sei es gegen 6 Uhr zu zwei Folgefehlern an zwei großen Mittelspannungsleitungen gekommen, sagte Angelika Schomberg, Sprecherin des Energieversorgers. Der Notdienst hätte sich sofort auf Fehlersuche begeben und sei fündig geworden. Ohne Strom waren Teile von Rinteln, aber auch Fischbeck und Fuhlen. Es habe sich um sehr viele Orte gehandelt, hieß es. Während der Umschaltungen bei Westfalen-Weser seien den Stadtwerken noch kurzfristige Störungen aus Wehrbergen und Hemeringen bekannt geworden, sagte Prokurist Feldkötter. Nach Informationen unserer Zeitung musste das Gut Neelhof zwischen Ahe und Engern mit Notstrom versorgt werden.

Bereits am 27. Juni war es zu einem großflächigen Blackout in der Nordstadt gekommen. 15 000 Menschen sollen seinerzeit betroffen gewesen sein. Am 18. August brannte an der Großehofstraße in Hameln eine Umspannstation – Teile der Altstadt hatten stundenlang keinen Strom.



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