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Nach dem Brand: Polizei beschlagnahmt Ruine

Dreiköpfige Familie obdachlos: Bauernhaus unbewohnbar und einsturzgefährdet

FRIEDRICHSHAGEN. Das große Bauernhaus an der Heerstraße in Friedrichshagen, in dem am Mittwochabend ein Feuer wütete, gilt nach Angaben von Oberkommissar Jens Petersen als einsturzgefährdet und ist nicht bewohnbar. Brandursachen-Ermittler des 1. Fachkommissariats aus Hameln nahmen am Donnerstag den von der Polizei bereits am Vorabend beschlagnahmten Brandort in Augenschein. Die dreiköpfige Familie ist jetzt obdachlos.

veröffentlicht am 19.10.2017 um 12:10 Uhr
aktualisiert am 19.10.2017 um 18:10 Uhr

Einsatzleiter Tobias Ebbighausen machte bei der Inspektion des Dachstuhls dieses Foto.
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Die Spezialisten konnten viele Bereiche der Ruine nicht betreten. Als das Feuer ausbrach, hielten sich ein Mann (33) und ein neun Monate altes Mädchen im Gebäude auf. Die Mutter (32) sei gerade nicht zu Hause gewesen, sagte Petersen. Der Vater setzte um 19.02 Uhr einen Notruf ab. Der 33-Jährige teilte dem Leitstellen-Disponenten mit, dass bereits Flammen aus dem Dach des Backsteinhauses schlagen. Der Vater brachte sich und seine Tochter in Sicherheit. Die Familie sei bei Verwandten untergekommen, sagte der Oberkommissar.

Elf Feuerwehren rückten aus. Die Freiwilligen nahmen den ausgedehnten Wohnhausbrand von außen in die Zange. Von der Drehleiter der Feuerwehr Hameln aus konnten gezielt Glutnester bekämpft werden. Oberbrandmeister Tobias Ebbighausen übernahm die Einsatzleitung. Er ließ dringend benötigtes Wasser mit Tanklöschfahrzeugen im Pendelverkehr zur Heerstraße bringen, wo es zunächst in einen Faltbehälter gepumpt wurde. „Es ist bekannt, dass es in Friedrichshagen Probleme mit der Löschwasserversorgung gibt“, erklärt Ebbighausen. Man könne nicht mehr als einen Hydranten anzapfen. „Es ist zu wenig Druck auf der Leitung.“ Bereits um 21 Uhr konnte der Einsatzleiter „Feuer aus!“ melden.

Obwohl Einsturzgefahr bestand, wagte sich ein Atemschutz-Trupp bis in die Küche vor, um für die Familie ein Gerät mit dringend benötigten Medikamenten zu holen.

Sein Kollege Jens-Achim Röpke hielt fest, wie die Flammen in dem alten Bauernhaus wüteten.
  • Sein Kollege Jens-Achim Röpke hielt fest, wie die Flammen in dem alten Bauernhaus wüteten.

Der von der Feuerwehr angeforderte THW-Fachberater Tobias Tasler riet den Einsatzkräften, das Gebäude nicht mehr zu betreten. Vom Korb der Drehleiter aus hatte der Experte zuvor die Lehmschlagdecke in der ersten Etage inspiziert. „Ich habe mit einem Einreißhaken Sondierungen durchgeführt. Die Decke war durch das Löschwasser durchnässt und brüchig. Man konnte leicht hineinstechen. Sofort sind dicke Brocken zu Boden gefallen“, berichtet Tasler.

Die 131 Einsatzkräfte, die von nah und fern nach Friedrichshagen geeilt waren, wurden von der Schnell-Einsatzgruppe des DRK versorgt. Nachdem der Großbrand gelöscht war, übergab Ebbighausen die Einsatzleitung an Ortsbrandmeister Horst Binder. Er und weitere Feuerwehrleute aus Friedrichshagen und Heßlingen hielten bis 1.30 Uhr Brandwache.

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