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Blutspritzer sollen Aufschluss geben

Dreifachmord von Hille: Psychiaterin begutachtet Angeklagten

STADTHAGEN/HILLE/BIELEFELD. Für Kevin R., einen der beiden Angeklagten im Prozess um den Hiller Dreifachmord, waren die Weihnachtsfeiertage und der Jahreswechsel alles andere als ruhig und besinnlich. Mehrfach wurde der 24-Jährige mit den grausamen Taten konfrontiert, die ihm vorgeworfen werden. Im März 2018 fand die Polizei, wie berichtet, in Hille-Neuenbaum drei brutal ermordete Menschen, zwei von ihnen fand die Polizei verscharrt in einem kleinen Waldstück. Das dritte Opfer, Fadi S. aus Stadthagen, lag tot in einer Scheune.
Eine forensische Psychiaterin begutachtete jetzt den Angeklagten, der seit seiner Festnahme im April 2018 in der Justizvollzugsanstalt Detmold einsitzt.

veröffentlicht am 14.01.2019 um 20:11 Uhr

Ermittler am Tatort: Die Hiller Morde beschäftigen weiterhin die Justiz. Der Mord an drei Menschen muss aufgeklärt werden. Foto: Archiv

Autor:

Stefanie Dullweber
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Die Taten soll er gemeinsam mit seinem Ziehvater Jörg W. aus Habgier begangen haben.

Weil sich die beiden Angeklagten bei früheren Aussagen gegenseitig beschuldigt haben und aktuell im Prozess vor dem Bielefelder Landgericht keine Angaben machen, greift das Gericht auf die Analysen von Sachverständigen zurück. Jörg W. hatte sich bereits zu Beginn des Prozesses von der Psychotherapeutin Dr. Sabine Nowara begutachten lassen und behauptet, alle drei Morde seien von seinem Ziehsohn begangen worden. Jetzt haben Gespräche zwischen Kevin R. und der Psychiaterin Dr. Nahlah Saimeh stattgefunden. Inhaltlich soll der Berufssoldat Angaben zu allen drei Taten und seiner eigenen Beteiligung gemacht haben.

Was genau der Ziehsohn von Jörg W. ausgesagt hat, wurde am 14. Prozesstag vor dem Bielefelder Landgericht noch nicht öffentlich bekanntgemacht. Saimeh erklärte lediglich, dass das Bild, das sie sich gemacht habe, hinreichend sei und keine zusätzlichen psychologischen Tests nötig seien. Sie müsse die sogenannte Exploration jetzt noch verschriftlichen, um dann das vorläufige Gutachten am 4. Februar in der Hauptverhandlung vorlegen zu können. Ob sich Kevin R. dann auch zu möglichen Fragen des Gerichts äußert, ließ sein Anwalt Peter Jahn bislang noch offen.

Weil die Hiller Dreifachmorde aktuell noch vor Gericht verhandelt werden, möchte sich die selbstständige Gutachterin Nahlah Saimeh, die zu jedem Prozesstag aus Düsseldorf anreist, nicht gegenüber der Presse äußern. Einer der letzten spektakulären Fälle, in dem sie tätig war, war der Höxteraner Bosseborn-Prozess. Hier hatte Saimeh Gutachten über die beiden Angeklagten Angelika W. und Wilfried W. verfasst.

Neben den Gutachten der beiden Psychiaterinnen hatte die Staatsanwaltschaft Ende 2018 weitere DNA-Gutachten in Auftrag gegeben, um zu klären, wer für die Morde an Gerd F., Jochen K. und Fadi S. verantwortlich ist. Dr. Christoph Leuker vom Landeskriminalamt sei weiteres Spurenmaterial aus der Scheune zugesandt worden, in der die Ermittler am 9. März 2018 die Leiche des 30-jährigen Stadthäger Familienvaters gefunden hatten, erklärte der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann.

Leuker hatte den Auftrag, zu untersuchen, ob es sich bei bestimmten Spuren um Blut handelt – und wem es zugeordnet werden kann. Wie Leuker schriftlich mitteilte, konnte er rötliche Anhaftungen an einer leeren Imbissverpackung, an der Tür zu einem Holzverschlag, an einem Futternapf, auf dem Boden der Scheune sowie an einem Papiertuch eindeutig dem Opfer Fadi S. zuordnen. In dem Bericht heißt es, es sei 30 Milliarden Mal wahrscheinlicher, dass es sich um die Zellen des verstorbenen Familienvaters handele, als von einer anderen mit ihm nicht blutsverwandten Person.

Weitere Erkenntnisse könnte jetzt noch eine sogenannte Blutspurenmuster-Verteilungsanalyse bringen, die die Verteidiger von Jörg W. beantragt hatten. Der Sachverständige Dr. Bernd Karger vom Institut für Rechtsmedizin der Uni Münster soll die Blutspuren an der Jacke von Kevin R. sowie auf dem Stallboden und an den Wänden der Scheune untersuchen, in der die Leiche von Fadi S. gefunden wurde. Die Blutspurenanalyse soll Aufschluss darüber geben, wer dem Opfer die tödlichen Schläge zugefügt hat.

Die Verteidiger von Jörg W. gehen davon aus, dass eine solche Untersuchung zu dem Schluss kommt, dass der Träger der gelben Jacke – also Kevin R. – wiederholt auf den Kopf von Fadi S. eingeschlagen hat.

Das Gutachten von Bernd Karger ist am 21. Februar Thema im Saal 1 des Bielefelder Landgerichts. Der Prozess wird am Freitag, 18. Januar, fortgesetzt.



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