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Frau treibt hilflos in den eisigen Fluten - Polizisten retten sie

Dramatische Rettungsaktion an der Weser

HAMELN. Dramatische Minuten an der Weser - eine junge Frau ist am Samstagnachmittag gegen 17.05 Uhr von der alten Weserbrücke gefallen. Sie trieb hilflos im eisigen Hochwasser. Ein Zeuge wählte den Notruf. Die Meldung löste einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr aus. Auch Bootsführer und Taucher wurden alarmiert.

veröffentlicht am 27.01.2018 um 18:00 Uhr
aktualisiert am 29.01.2018 um 12:31 Uhr

Polizisten haben die Frau aus der Weser gezogen - ein Notarztteam behandelt sie. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
Es ging um Leben und Tod. Drei mutige Polizisten haben am späten Samstagnachmittag eine Hamelnerin (36) aus der hochwasserführenden Weser gezogen. Die Frau hatte sich zwischen Thiewallbrücke und Krankenhaus an einem aus den Fluten ragenden Busch festgehalten – mit allerletzter Kraft. Mehrmals zuvor soll sie bereits mit dem Kopf unter Wasser gewesen sein.
Die Kommissare Abdo, Sentürk und Vollbrecht warteten nicht auf das Eintreffen des Rettungsbootes der Feuerwehr – sie gingen in den eisigen Fluss, riskierten bei der derzeit extrem starken Strömung ihr Leben, um die 36-Jährige zu retten. Zu diesem Zeitpunkt lag der Weserpegel bei 4,46 Metern, flossen pro Sekunde 550 000 Liter Wasser durch Hameln. Die Frau habe sehr geweint, sagte Kommissar Vollbrecht. „Wir haben versucht, beruhigend auf sie einzureden und sie gebeten, sich weiter an den Ästen festzuklammern.“ Die Hamelnerin wurde schließlich von dem Beamten aus den reißenden Fluten gezogen und betreut. „Wir haben sie in unsere Uniformjacken, die wir am Ufer zurückgelassen hatten, gehüllt und auf diese Weise vor weiterer Auskühlung bewahrt“, sagte Kommissar Vollbrecht. „Es ist schon sehr kalt gewesen. Aber wir haben das zunächst nicht so sehr gespürt – wir hatten wohl viel Adrenalin im Blut.“ Er und seine Kollegen hätten nicht lange nachgedacht, sondern gehandelt. „Die Rettung stand im Vordergrund.“

Ein Notarztteam kümmerte sich um die Unterkühlte. Da sich zwei Rettungswagen auf den morastigen Wiesen festgefahren hatten, musste die Hamelnerin bis zur Uferstraße getragen werden, wo bereits ein dritter DRK-Rettungswagen eingetroffen war.

Nachdem die drei durchnässten Lebensretter von Sanitätern Wärmedecken erhalten hatten, setzten sie sich in einen Streifenwagen und fuhren zur Wache, wo sie sich unter Duschen stellten. Vorsorglich war auch ein Rettungswagen zur Polizeidienststelle geschickt worden. Dienstabteilungsleiter Dirk Barnert lobte das Verhalten der jungen Kommissare: „Ich bin sehr stolz auf meine Kollegen.“

Um 17.05 Uhr war die Frau von der Münsterbrücke in die Weser gestürzt. Ein Augenzeuge wählte sofort den Notruf. Die Meldung löste einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr aus. Neben dem Wasserrettungszug der Hamelner Feuerwehr wurden auch Bootsführer und Taucher alarmiert. Noch bevor die Retter den Trimaran „Tamara“ und ein Schlauchboot zu Wasser lassen konnten, gelang es den drei couragierten Polizisten, die Frau aus der Weser zu ziehen. Beamte der Tatort-Gruppe hätten Ermittlungen eingeleitet, um die Hintergründe des Geschehens zu beleuchten, sagte Hauptkommissar Barnert. Am Sonntagnachmittag teilte die Polizei auf Anfrage mit, die Gerettete werde immer noch auf der Intensivstation des Sana-Klinikums behandelt.

Während es Feuerwehrleuten und Rotkreuz-Notfallsanitätern gelang, einen der beiden Rettungswagen aus dem Schlamm zu schieben, war bei dem zweiten Fahrzeug jede Muskelkraft vergebens. Die Feuerwehr musste mit schwerem Gerät anrücken. Der stellvertretende Stadtbrandmeister Ulf Magerhans vom Einsatzführungsdienst forderte einen Rüstwagen an. Da der schwere Lastwagen nicht auf die vom Regen aufgeweichte Wiese fahren konnte, ließ Wachabteilungsleiter Karl Friedrich Coerdt die Seilwinde des Fahrzeugs über eine Umlenkrolle leiten. Dafür musste extra ein Erdanker mit Spezialnägeln im Boden fixiert werden.

Gegen 18.40 Uhr war auch der zweite Rettungswagen geborgen worden.



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