weather-image
14°
×

Doch keine Vergewaltigung? Verdächtige wieder frei

Hameln (ube). Gegen sechs junge Männer, die unter Verdacht stehen, zwei Mädchen aus dem Nachbarlandkreis Holzminden vergewaltigt zu haben, besteht nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover vorerst „kein dringender Tatverdacht“ mehr. Gegen sie werde allerdings weiter ermittelt, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge am Donnerstag im Gespräch mit der Dewezet. 

veröffentlicht am 15.10.2015 um 14:55 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:37 Uhr

Es bestehe ein Anfangsverdacht. Während der Vernehmungen hatte sich herausgestellt, dass zwei Personen am angeblichen Tattat (2. Oktober) überhaupt keinen Kontakt mit den beiden Minderjährigen hatten - sie hätten mit der Sache nichts zu tun, sagte Klinge. Die Polizei nahm kurz darauf drei weitere Verdächtige fest. Die Staatsanwaltschaft hat bislang keinen Antrag auf Haftbefehl gestellt. „Es liegen derzeit keine Voraussetzungen dafür vor“, sagt der Oberstaatsanwalt. Die Auswertung von Datenträgern habe bislang keine Belege für eine Straftat geliefert, hieß es. Allerdings müssten noch weitere Speicherkarten unter die Lupe genommen werden. Ermittler haben offenbar Filme entdeckt und diese angeschaut. Was darauf zu sehen ist, will Klinge nicht sagen. Nach Informationen dieser Zeitung hat es sexuelle Handlungen gegeben. Allerdings ist offenbar noch nicht zweifelsfrei geklärt, ob sie gegen den Willen oder mit dem Einverständnis der Mädchen ausgeführt wurden. Möglicherweise hätten die Jugendlichen die Dinge im Nachhinein in einem ganz anderen Licht gesehen, sagte Klinge. Die Verdächtigen bestreiten, den beiden Mädchen Gewalt angetan zu haben. Sie sprechen von einvernehmlichem Sex. Die mutmaßlichen Opfer hatten sich einige Tage nach dem Vorfall Erwachsenen anvertraut und ihnen geschildert, dass es gegen ihren Willen zu sexuellen Kontakten mit mehreren jungen Männern gekommen sei. Die Polizei wurde informiert. Die Staatsanwaltschaft beantragte Durchsuchungsbeschlüsse, um in acht Wohnungen in Hameln, Aerzen und Hessisch Oldendorf nach möglichen Beweismitteln suchen zu können. Spezialeinheiten der niedersächsischen Polizei nahmen am Mittwochmorgen zunächst fünf junge Männer vorläufig fest (wir berichteten).
Man hätte gern vorher die beiden Mädchen vernommen, sagte Oberstaatsanwalt Klinge. Das sei aber nicht möglich gewesen. „Uns wurde mitgeteilt, die Opfer seien im Moment nicht in der Lage, Aussagen bei der Polizei zu machen. Das alles sei viel zu schlimm gewesen“, erklärt Klinge. Dennoch habe man handeln müssen. „Wir müssen ja eventuelle Spuren sichern.“ Man hoffe, die Jugendlichen bald vernehmen zu können.
Sollte der Sex tatsächlich einvernehmlich gewesen sein, muss keine Straftat vorliegen - obwohl die Jugendlichen minderjährig sind. Es sexueller Missbrauch liegt nach dem Gesetz nämlich nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen vor - beispielsweise dann, wenn eine Zwangslage ausgenutzt wurde oder Geld geflossen ist. Per se ist freiwillig ausgeführter Sex mit Jugendlichen - anders als mit Kindern - nicht strafbar.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige