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Vor allem Banden machen Händlern zu schaffen

Diebe greifen öfter ins Regal

Hameln. Mehr als zwei Milliarden Euro Schaden haben Ladendiebe im Jahr 2015 deutschlandweit angerichtet, ein Plus von 100 Millionen gegenüber 2014. Auch im Landkreis wird laut Einzelhandelsverband mehr gestohlen. Aber: Immer weniger Händler zeigen einen Diebstahl überhaupt an.

veröffentlicht am 30.06.2016 um 17:01 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:54 Uhr

Michael Zimmermann

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Konkret heißt das, dass der Einzelhandel ein Prozent des Umsatzes durch „Inventurdifferenzen“, also Diebstähle durch Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten oder Servicekräfte verliert. Im statistischen Durchschnitt bedient sich laut einer Studie des EHI Retail Institute in Köln (EHI) jeder Bürger jährlich an Waren im Wert von 27 Euro im Einzelhandel, ohne zu bezahlen. Vor allem auf kleine, aber teure Gegenstände wie Batterien, Rasierklingen oder Kosmetika hätten es viele Ladendiebe demnach abgesehen.

Auch im Landkreis Hameln-Pyrmont nehme die Zahl der Ladendiebstähle zu, sagte der Vorsitzende des Einzelhandelsverbands Hameln-Pyrmont, Holger Wellner gegenüber der Dewezet. Der Schaden für den heimischen Handel liege geschätzt bei rund neun Millionen Euro.

Die Polizei im Landkreis registrierte im vergangenen Jahr 636 Fälle, von denen 579 Fälle als aufgeklärt gelten, sagt Polizeisprecher Jens Petersen. Die Aufklärungsquote in dem Deliktsbereich liege bei 90 Prozent. Trotzdem scheint sich in diesem Jahr der negative Trend zu bestätigen: Bis Mai seien schon fast 280 Ladendiebstähle bei der Polizei registriert worden, etwas mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In über 250 Fällen seien die Täter bekannt.

Allerdings zeigen viele Händler einen Diebstahl überhaupt erst bei der Polizei an, wenn sie einen Täter beim Diebstahl erwischen können. Die Dunkelziffer liegt laut Holger Wellner bei etwa 98 Prozent. Fast alle Ladendiebstähle blieben also zunächst einmal unentdeckt oder fielen erst bei der nächsten Inventur auf. Dann hielten viele Einzelhändler eine Anzeige für aussichtslos. „Wir ermutigen unsere Mitglieder, trotzdem Anzeige zu erstatten, schließlich könnte die Ware später noch zwischen anderem Diebesgut entdeckt werden.“

Jens Petersen vermutet, dass gerade kleine Geschäfte mit wenig Personal in Kauf nähmen, dass Diebe entkommen. Wenn nur zwei Mitarbeiter im Laden arbeiteten, seien sie oft nicht in der Lage, einen Dieb festzuhalten. Größere Geschäfte könnten sich Überwachungskameras und Detektive leisten und damit auch eher einen Täter erwischen und anzeigen.

Ein Problem sei aber, dass viele Strafverfahren dann trotzdem eingestellt würden, sagt ein Sprecher des Handelsverbands Deutschland. Die Händler wünschten sich daher eine konsequentere Bestrafung von Ladendieben und fordern, dass die so genannte Geringwertigkeitsgrenze gesetzlich auf 25 Euro festgelegt wird. Wenn der Wert der gestohlenen Sachen darunter liegt, wird die Straftat nur auf Antrag des Geschädigten verfolgt. Die Gerichte sind sich hier nicht einig. Im Moment setzen die meisten diese Grenze bei 30 bis 50 Euro an.

Die Branche selbst investiert pro Jahr rund 1,2 Milliarden Euro in Maßnahmen gegen Diebstahl, Betrug und Raub. Besonders bewährt hätten sich dabei Videoüberwachung, Mitarbeiterschulungen.

Vor allem macht den Händlern zu schaffen, dass häufig nicht Einzeltäter am Werk sind, sondern organisierte Banden, oft aus der Kaukasusregion, die nach EHI-Schätzungen für rund ein Viertel der Schäden durch Ladendiebstähle verantwortlich sind. Oft lenken einige Mitglieder der Bande das Personal ab, während die anderen das Diebesgut aus dem Laden schaffen, erklärt Polizeisprecher Petersen. Wird der Diebstahl während der Aktion bemerkt, gebe es oft Rangeleien. Gefühlt seien aber in den letzten Wochen im Landkreis weniger solcher Fälle festgestellt worden als im Frühjahr, sagt Petersen. Das könne daran liegen, dass die Mitarbeiter in der Region sehr aufmerksam seien und auch die Polizei einige Erfolge feiern konnte.



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