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Lange Haftstrafen gegen drei Männer wegen Drogenhandels

Der tiefe Fall der großen Dealer

HORN-BAD MEINBERG/PADERBORN. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn ein Richter Drogenhändlern vorhält, sie hätten „wie im Rausch“ gedealt. Aber etwas Wahres ist schon dran: Die drei Angeklagten, denen das Landgericht Paderborn am Mittwoch langjährige Haftstrafen aufgebrummt hat, hatten mit Marihuana und anderen Drogen nur so um sich geworfen, und zwar in rauen Mengen. Das rächt sich jetzt.

veröffentlicht am 04.08.2021 um 16:19 Uhr
aktualisiert am 04.08.2021 um 18:20 Uhr

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Wie mehrfach berichtet, standen die drei Männer aus Horn-Bad Meinberg (50), Bad Lippspringe (33) und Salzkotten (31) seit April vor dem Landgericht: Sie waren in unterschiedlichem Maße an einem der größten Drogenfälle beteiligt, den der Raum Paderborn bisher gesehen hatte: Mehrere Hundert Kilogramm Marihuana, Hunderte Liter Amphetamin-Öl, dazu einige Kilogramm Kokain und MDMA hatten die drei nach Überzeugung der 1. großen Strafkammer aus dem Ausland beschafft und weiterverkauft, zum Teil bis nach Köln und Berlin.

Der 33-Jährige war nach Überzeugung der Kammer der Kopf des Trios, hatte über eigens beschaffte Krypto-Handys die Lieferungen und Verkäufe organisiert und das Finanzielle geregelt. Der 31-Jährige war mit dem Verkauf von etwa 150 Kilogramm Marihuana an den illegalen Machenschaften beteiligt. Als Fahrer in drei Fällen fungierte der 50-jährige Horn-Bad Meinberger, den als erster sein Schicksal ereilte: Er wurde im Oktober vergangenen Jahres mit seinem Lkw, in dem 42 Kilogramm Marihuana versteckt waren, in Frankreich geschnappt, dort binnen zwei Wochen vor Gericht gestellt und mit einer Bewährungsstrafe in die Heimat entlassen.

Kurz darauf wurden auch seine Kumpane festgenommen. Ihnen war die akribische Arbeit von IT-Fachleuten der französischen Polizei zum Verhängnis geworden, die den angeblich abhörsicheren Encro-Chat geknackt hatten, den damals zahlreiche Angehörige der Unterwelt für ihre Geschäfte genutzt hatten. Die Ergebnisse der Auswertung erschüttern die Unterwelt bis heute, und sie waren auch in diesem Prozess nach Ansicht der Richter verwertbar, um als Beweise gegen die Angeklagten zu dienen.

„Sie haben wie im Rausch alles gekauft und verkauft, was sich an Drogen bot“, stellte Vorsitzender Richter Eric Schülke in der Urteilsbegründung fest. Mit der Menge seien die Angeklagten „ganz weit vorne im Kreis Paderborn gewesen und sind tief gefallen“.

Was den Absturz milderte, waren die frühen Geständnisse, die den Prozess trotz der enormen Drogenmenge auf fünf Tage abkürzten: So blieben auch die Strafen in einem bei einer Verständigung abgesteckten Rahmen.

Der Lippspringer muss für siebeneinhalb Jahre hinter Gitter, der Salzkottener fünf Jahre und zehn Monate. Gegen den Horn-Bad Meinberger verhängte die Kammer eine Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten. Für ihn und seinen früheren „Auftraggeber“ ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, weil beide sich nicht nur des Drogenhandels schuldig gemacht hatten, sondern ihren Stoff auch selbst konsumiert hatten – sie sollen eine Langzeittherapie absolvieren.



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