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Kopfverletzungen und Fingeramputation / 20 Feuer, zwei Gewalttaten und ein Leichenfund

„Das ist der ganz normale Wahnsinn“

HAMELN. Mit einem prächtigen Höhenfeuerwerk haben die Hamelner das neue Jahr begrüßt und es um Mitternacht ordentlich krachen lassen. Viele Menschen feierten daheim im privaten Kreis oder gemeinsam mit anderen in Kneipen. In der Sumpfblume und in der Bar „Me Lounge“ kochte die Stimmung über, wurde ausgelassen getanzt, gesungen und viel gelacht. In der Rattenfängerhalle stießen überwiegend russisch sprechende Gäste auf das Jahr 2019 an. Vom Klüthang und von den Weserbrücken aus hatte man einen schönen Blick auf die explodierenden Raketen. Während die einen feierten, mussten Ärzte, Notfallsanitäter, Krankenschwestern, Pfleger, Leitstellen-Disponenten und Polizisten arbeiten. Sie hatten keine Zeit, das bunte Spektakel am Nachthimmel zu beobachten.

veröffentlicht am 01.01.2019 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 01.01.2019 um 20:40 Uhr

Rauch an der Kaimauer in Hameln – zwischen 19 Uhr und 4 Uhr wurden in den Kreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden 20 Feuerwehreinsätze registriert. 22 Wehren rückten teils mehrfach aus. Mehr als 300 Freiwillige waren im Silvestereinsatz. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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In Hameln wurde die Silvesternacht von zwei Verbrechen überschattet. Am Berliner Platz und an der Rohrser Warte ereigneten sich Gewalttaten. Ein 36-Jähriger wurde mit schwersten Kopfverletzungen nach Hannover zur Medizinischen Hochschule gebracht. Zuvor soll in Rohrsen ein Mann eine Frau mit einem Messer verletzt, geschlagen und gewürgt haben (siehe Titelseite).

Wie so oft lagen in der Nacht der Nächte Freud und Leid dicht beieinander. Für einige Partygäste endete die Feier im Krankenhaus. „Bei uns war ordentlich was los – vor allem kurz vor und nach Mitternacht“, sagt Dr. Ben Schwerdtfeger, Chefarzt der Notaufnahme des Sana-Klinikums in Hameln. Vor allem die Chirurgen hatten viel zu tun. Mehrere Menschen hätten Kopfverletzungen durch Böller und Raketen erlitten. Der Anästhesist berichtet zudem von einer Fingeramputation – wohl Folge einer Feuerwerksverletzung. Einige stark alkoholisierte Personen mussten behandelt werden. „Das ist der ganz normale Wahnsinn in so einer Nacht“, sagt Dr. Schwerdtfeger. Das Team der Notaufnahme sei auf solche Situationen eingestellt.

In der extra personell verstärkten Polizeileitstelle an der Ruthenstraße in Hameln, die sämtliche Einsätze zwischen Nienburg, Hameln, Hildesheim und Holzminden koordiniert, gingen in den ersten anderthalb Stunden nach Mitternacht 100 Notrufe ein. Anders ausgedrückt: Alle 50 Sekunden klingelte das Telefon. Dennoch spricht Einsatzführer Volkmar Schultz von „einer eher ruhigen Silvesternacht“.

Der erste Unfall des Jahres 2019 löste auf der B 83 zwischen Wehrbergen und Fischbeck einen Umwelteinsatz aus. Foto: ube
  • Der erste Unfall des Jahres 2019 löste auf der B 83 zwischen Wehrbergen und Fischbeck einen Umwelteinsatz aus. Foto: ube
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Auch in der Regionalleitstelle der Feuerwehr und der Rettungsdienste, die im selben Funkraum untergebracht ist, glühten zeitweise die Telefondrähte. Zwischen 19 Uhr und 4 Uhr mussten 20 Feuerwehreinsätze gesteuert werden. 22 Feuerwehren rückten teils mehrfach aus. Allein in den ersten zwei Stunden des neuen Jahres wurden elf Einsätze gezählt – die meisten in Hameln. Raketen und Böller hatten vor allem Hecken und Bäume, Müll-, Papier- und Altkleider-Container in Brand gesetzt.

In Benstorf, wo um 0.18 Uhr ein Scheunenbrand gemeldet worden war, verhinderten ein couragierter Ersthelfer (37) und 48 Freiwillige ein Großfeuer (siehe Seite Weserbergland). „Das war kurz vor knapp“, sagte Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke. Eine aufsteigende Silvesterrakete sei offenbar durch starken Wind von ihrer Flugbahn abgekommen, sagte ein Hauptkommissar. Die Pyrotechnik explodierte an der mit Efeu bewachsenen Fassade und setzte das Grün in Brand.

Brenzlig war die Lage auch auf einem Hinterhof an der der Hamelner Deisterstraße. Dort stand gegen 9.15 Uhr ein Altpapier-Container in Flammen. Durch die große Hitze sei eine Kunststofftür geschmolzen, sagte Hauptbrandmeister Karl-Friedrich Coerdt. „Dadurch konnten giftige Brandgase in das Treppenhaus ziehen.“ Nur mit schwerem Atemschutz sei es möglich gewesen, diesen Bereich zu betreten.

Es gab auch Verletzte: Innerhalb von nur anderthalb Stunden mussten nach Bränden in Hessisch Oldendorf (Container-Brand an der Schilfstraße) und Aerzen (Heckenbrand an der Kasselbreite) fünf Menschen mit Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden.

Gut, dass auch diese Leitstellen-Nachtschicht personell verstärkt worden war. „Nach Mitternacht standen die Telefone nicht mehr still“, erzählt Schichtleiter Matthias Schaffer. „Ungewöhnlich war eine signifikante Häufung von Brandalarmen. Beim Rettungsdienst hatten wir dagegen weniger Einsätze als im vergangenen Jahr.“ Dennoch blitzten Blaulichter nicht gerade selten auf. Zwischen Mitternacht und 4 Uhr rückten Rettungswagen statistisch gesehen alle 12,5 Minuten aus, um Verletzten und Kranken zu helfen.

Während die meisten Menschen fröhlich auf das neue Jahr anstießen, suchten Freiwillige aus Hessisch Oldendorf und Krückeberg in einem Logistik-Unternehmen an der Welseder Straße nach einem Feuer, das von einer Brandmeldeanlage angezeigt worden war. Zur selben Zeit untersuchten Ermittler der Tatort-Gruppe einen Todesfall in der Gemeinde Salzhemmendorf. Dort war gegen 23.30 Uhr die Leiche eines Mannes gefunden worden. „Als sicher feststand, dass Fremdverschulden ausgeschlossen werden kann, war das neue Jahr schon eine Stunde alt“, sagt Hauptkommissar Dirk Barnert.

Der erste Verkehrsunfall ereignete sich um 10.50 Uhr auf der Bundesstraße 83 zwischen Wehrbergen und Fischbeck. In einer Kurve verlor eine junge Hamelnerin (21) aus bislang ungeklärter Ursache die Kontrolle über ihren Toyota Yaris. Der Kleinwagen krachte gegen die Leitplanke. Die Frau wurde mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Motoröl lief aus. Die Hamelner Feuerwehr verhinderte, dass das Schmiermittel vom Regen in einen Graben gespült wurde. Die Straßenmeisterei ließ die Fahrbahn von einer privaten Ölbekämpfungseinheit reinigen.



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