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100 Feuerwehrleute, ABC- und Gefahrgut-Experten aus sieben Orten rücken aus

Chlorgas-Alarm - Großeinsatz in Aerzen

AERZEN. Nächtlicher Großalarm in Aerzen – in einem Lagerraum des Hallenbades der Gemeinde ist Chlorgas ausgetreten. 100 Feuerwehrleute, darunter Spezialisten des ABC- und des Gefahrgutzuges, waren stundenlang im Einsatz.

veröffentlicht am 26.09.2018 um 06:55 Uhr
aktualisiert am 26.09.2018 um 14:28 Uhr

Messtrupp im Einsatz - die Spezialisten tragen Atemschutz und Chemikalien-Vollschutzanzüge. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Drei Trupps rüsteten sich mit schwerem Atemschutz aus und zogen sich blaue Chemikalien-Vollschutzanzüge über, um die Lage im Gebäude zu erkunden und zu entschärfen. Freiwillige aus Aerzen, Groß Berkel, Herkendorf, Grießem, Dehmke, Kirchohsen und Marienau verwandelten den Parkplatz am Tannenweg in ein Feuerwehr-Koordinierungszentrum. Dort wurde auch ein Dekontaminationsplatz für die Kräfte aufgebaut, deren Schutzanzüge in Kontakt mit Chlorgas gekommen sein dürfte.

Einsatzleiter Heinz Brand hatte auch einen in Marienau stationierten Erkundungskraftwagen des Bundes angefordert. Das Sonderfahrzeug hat spezielle Messgeräte an Bord. Mit einem sogenannten Hydroschild wurde vor dem Gebäude eine Wasserwand erzeugt. Beim Öffnen der Tür sollten eventuell austretende Gase sofort von einem Wassernebel zu Boden gedrückt werden. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand nicht. Kevin Kenter von der Gemeinde Aerzen hatte in dieser Nacht Bereitschaftsdienst. Um 23.15 Uhr piepte sein Handy. Die Gaswarnanlage im Hallenbad hatte Alarm ausgelöst. Der Notdienst-Mann informierte umgehend Schwimmmeister Nico Schlathaus. Gemeinsam fuhren die Angestellten zum Schwimmbad. Nico Schlathaus setzte sich eine Schutzmaske auf und schaute nach dem Rechten. Als er einen wabernden Nebel sah, trat er sofort den Rückzug an. Um 23.30 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert. Die Leitstelle löste Gefahrgutalarm aus. Neben 100 Freiwilligen aus sieben Orten, rückten aus Rettungswagen der Feuerwehr Hameln und der Schnell-Einsatz-Gruppe der DRK-Bereitschaft Hameln sowie die Polizei aus.

Am Ende standen 24 Einsatzfahrzeuge im sogenannten Bereitstellungsraum am Hallenbad. Während ABC-Schützer einen Dekontaminationsplatz aufbauten und Feuerwehrleute eine Wasserwand in Stellung brachten, ging ein erster Trupp ins Gebäude, um erste Messungen vorzunehmen. „Zunächst war unklar, aus was der Nebel, den der Schwimmmeister gesehen hatte, bestand“, sagt Oberlöschmeister Daniel Hundertmark, denn: „Dort, wo die Chlorgas-Flaschen stehen, hat die aktivierte Warnanlage automatisch Wasser versprüht, um eventuell vorhandenes Gas niederzuschlagen.“ Das Messgerät der Männer schlug während der Erkundung an – Voralarm! „Das ist ein erster Hinweis auf ein möglicherweise vorhandenes explosives Gemisch“, erklärt der Sprecher. Experten sprechen von der „unteren Explosionsgrenze“. Die Feuerwehrleute drehten in zwei Räumen sechs Chlorgas-Flaschen zu und verließen die Technikräume danach wieder. Zwei weitere Trupps nahmen Spezialmessungen vor. „Dabei wurde eine geringe Menge Chlorgas nachgewiesen“, sagt Ortsbrandmeister Brand. Mit einem Hochleistungslüfter wurden die Gase wenig später ins Freie gedrückt. Die Feuerwehr hält es für möglich, dass das meiste ausgetretene Chlorgas bereits beim Öffnen der Türen verwirbelt wurde und nach draußen gewabert ist. Insofern ist unklar, welche Menge ausgetreten ist. Eine Fachfirma soll die Chlorgasanlage überprüfen und nach einem Leck suchen. Möglich, dass ein Ventil oder eine Schlauchverbindung undicht sind.

Dekontaminieren die Anzüge ihrer Kameraden - ABC-Schützer im Einsatz. Foto: ube

Zum Zeitpunkt des Vorfalls war das Bad wegen Wartungsarbeiten geschlossen – ob es wie geplant am Montag öffnen kann, steht noch nicht fest. Der Großeinsatz wurde gegen 1.30 Uhr beendet. Die Freiwilligen konnten danach endlich wieder heim zu ihren Familien – und weiterschlafen.



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