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Ermittlungsverfahren gegen Paar eingeleitet / Junger Mann wird zum Lebensretter

Cannabis-Zucht im Brand-Haus

GELLERSEN. Brandursachen-Ermittler sind bei ihren Untersuchungen in dem am 1. Juni in Gellersen niedergebrannten Fachwerkhauses auf eine sogenannte „Anzuchtstation mit mehreren kleinen und mittelgroßen Cannabispflanzen“ gestoßen. Entsprechende Informationen der Dewezet bestätigte die Polizeiinspektion auf Nachfrage.

veröffentlicht am 17.06.2016 um 16:05 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:05 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Die verbotenen Grünpflanzen wurden in einem Kellerraum des Gebäudes entdeckt. Gegen die Bewohner – eine Frau (31) und ein Mann (46) – wurden nach Angaben von Oberkommissar Jens Petersen Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet.

Die Ursache des großen Feuers konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Eine fahrlässige oder gar vorsätzliche Brandstiftung kommt aber nicht in Betracht. Experten haben in der Ruine nach Spuren gesucht. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, „dass der Brand mit hoher Wahrscheinlichkeit durch ein technisches Gerät oder durch stromführende Leitungen verursacht worden ist“. Die Ursachenermittler des Polizeikommissariats Bad Pyrmont und des Fachkommissariats 1 des Zentralen Kriminaldienstes in Hameln werden bei ihren Nachforschungen von Spezialisten der Brandursachenkommission des Landeskriminalamtes Niedersachsen unterstützt. Derzeit warten die Beamten noch auf ein Gutachten der Gebäudeversicherung und eines Elektro-Ingenieurs, der als LKA-Sachverständiger hinzugezogen wurde.

Das Verhalten der Hausbewohner gibt nach wie vor Rätsel auf. Sie hatten sich leicht verletzt ins Freie retten können. Der Mann habe sich Brandwunden, seine Lebensgefährtin möglicherweise eine Rauchgasvergiftung zugezogen, hieß es seinerzeit. Nach Erkenntnissen der Polizei ist das Paar noch vor Eintreffen der Rettungskräfte ins Krankenhaus gefahren.

Unklar ist nach wie vor, warum die Bewohner nicht die Feuerwehr angerufen haben. Standen sie unter Schock? Hatten sie kein Netz? Oder bestand die Sorge, dass die Cannabis-Pflanzen entdeckt werden? Die Polizei hat darauf noch keine Antworten. „Wir können zum Verhalten der Hausbewohner nichts sagen, da sich die beiden Personen uns gegenüber dahingehend nicht geäußert haben“, erzählt Petersen. Das Paar lasse sich von einem Rechtsanwalt vertreten.

Dass die Frau und der Mann das Feuer überlebt haben, ist vermutlich einem couragierten jungen Mann zu verdanken. Florian Borchardt hatte einen Freund besucht und kam auf dem Nachhauseweg an dem brennenden Gebäude vorbei. Er wählte sofort den Feuerwehr-Notruf 112, klingelte und klopfte an der Tür. „Ich habe gerufen: ,Euer Haus brennt! Kommt schnell heraus‘“, erinnert sich der 22-Jährige. Weil niemand öffnete, lief Florian Borchardt zurück zu seinem Auto und drückte mehrfach auf die Hupe. „Irgendwann ging unten das Licht an – und die Leute kamen heraus.“

Andrea Diekmann aus Gellersen ist fest davon überzeugt: „Hätte Florian nicht geholfen, wäre das für die Bewohner nicht so gut ausgegangen.“ Der Enkelsohn ihres Mannes habe das Paar gewiss vor Schlimmeren bewahrt. Andrea Diekmann hat Florian Borchardt deshalb für den Zivilcourage-Preis vorgeschlagen.

Auch die Feuerwehr hat in dieser Nacht aus Sicht der Polizei vorbildlich gearbeitet. „Lobend erwähnt werden sollte das Vorgehen der ehrenamtlichen Feuerwehrkräfte, die durch ihr schnelles und professionelles Vorgehen ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude abgewehrt haben“, sagte ein Brandursachen-Ermittler am Freitag.



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