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Es geht um Bestechung und Schusswaffen / Im Fokus: ein heimischer Verein

Bundesweite Waffenrazzia – Hamelner verhaftet

HAMELN. Mit einem Großaufgebot an Kräften haben Polizisten am frühen Donnerstagmorgen bundesweit mehr als 90 Objekte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg und in Süddeutschland durchsucht. Im Fokus der Ermittlungen steht nach Informationen der Dewezet der Schießsportverein Hameln 2000 e.V.. Gegen einen 58 Jahre alten Hamelner wurde Haftbefehl wegen Fluchtgefahr erlassen. Dem Vorstandsmitglied wird Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall vorgeworfen.

veröffentlicht am 19.05.2016 um 16:46 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:14 Uhr

Ulrich Behmann

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Der Auftrag der Fahnder lautet offenbar: Personen befragen, Beweismittel – darunter auch scharfe Schusswaffen – sicherstellen. Wer sie im Besitz hat, ist bekannt. Die Personen haben nämlich offizielle Papiere. Diese sollen sie sich jedoch erkauft haben. Im Fokus der Ermittlungen steht nach Informationen der Dewezet der am 15. Mai 2000 gegründete Schießsportverein Hameln 2000 e.V. Einzelne Mitglieder stehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Verdacht, Sachkundenachweise gegen Geld abgegeben zu haben. Mit den illegal erworbenen Dokumenten sollen sich Mitglieder bei den zuständigen Kreisbehörden Waffenbesitzkarten erschlichen haben.

Nach Informationen der Dewezet wurde gegen einen 58 Jahre alten Hamelner Haftbefehl wegen Fluchtgefahr erlassen. Dem Vorstandsmitglied wird Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall vorgeworfen. Die Zentralstelle für Korruptionsstraftaten, eine Spezialdienststelle der Staatsanwaltschaft Hannover, leitet den Großeinsatz. Durchsuchungen fanden unter anderem in Hameln, Emmerthal, Bad Münder, Bad Pyrmont, Springe, Bückeburg, aber auch in den Landkreisen Schaumburg und Holzminden statt. „Wir ermitteln gegen mehr als 100 Beschuldigte wegen Bestechung und Bestechlichkeit“, sagt Staatsanwältin Kathrin Söfker im Gespräch mit der Dewezet. Die Anti-Korruptionsbehörde hat den Verdacht, dass viele Mitglieder nur auf dem Papier regelmäßig an Schießsportübungen teilgenommen und keine ordnungsgemäße Prüfung abgelegt haben. Stattdessen sollen sie 1000 Euro und weitaus höhere vierstellige Summen für den Sachkundenachweis auf den Tisch gelegt haben. Wie genau das geschehen konnte, steht noch nicht fest. Quellen halten es für möglich, dass jemand die Antworten der Prüfungsfragen verkauft hat. An den Durchsuchungsaktionen sind auch Beamte der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden beteiligt. Die Polizeidienststellen sind angehalten, keine Auskünfte zu erteilen. Die Pressehoheit habe die Staatsanwaltschaft Hannover, hieß es.

Auch bei dem Hamelner Rechtsanwalt Roman Klodnyckyj klingelten die Polizisten am Morgen gegen 7 Uhr. Er ist Vorsitzender des Schießsportvereins Hameln 2000 e. V. und kommentiert die Razzia so: „Was da zur Art und Weise und zum Umfang im Raum steht, hat mich geschockt.“ Auch er sei gebeten worden, mit zur Wache zu kommen. „Wie viele andere auch bin ich als Beschuldigter in einem Strafverfahren vernommen worden.“ Der Vereinsvorstand zeige sich kooperativ, arbeite mit den Ermittlern zusammen. „Wenn das so gelaufen ist, wie es von den Polizisten geschildert wird, dann ist das eine Riesensauerei.“ Mehr könne er im Moment nicht sagen. Der Vorsitzende will umgehend eine Vorstandssitzung einberufen. Sollten sich die Vorwürfe später bestätigen, werde es sicher auch darum gehen, ob jemand ausgeschlossen oder in Regress genommen werden muss.

Auf seiner Internet-Seite beschreibt der Verein seine „Mission“ so: „Wir wollen allen Interessierten an diesem faszinierenden Sport einen leichten Einstieg ermöglichen. Unsere erfahrenen Schießausbilder können jedem Mitglied einen guten und vor allen Dingen auch verantwortungsvollen Umgang mit Schusswaffen beibringen. Denn eins ist immer klar: Safety first!“



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