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Brandsatz durch Fenster geworfen / Mutter und drei Kinder aus Simbabwe haben Glück

Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkunft in Salzhemmendorf

Salzhemmendorf (fh). Sie sind geschockt, sehen mitgenommen aus, mögen nicht glauben, was kurz zuvor in ihrem Haus passiert ist: Mehrere Menschen, junge Männer, auch Frauen und Kinder, stehen auf dem Hof eines Mehrfamilienhauses. Die Blicke der meisten von ihnen gehen ins Leere. Viel Kleidung tragen sie nicht am Körper, konnten sich nur das Notwendigste überstreifen.

veröffentlicht am 28.08.2015 um 04:31 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 11:21 Uhr

Salzhemmendorf (fh). Sie sind geschockt, sehen mitgenommen aus, mögen nicht glauben, was kurz zuvor in ihrem Haus passiert ist: Mehrere Menschen, junge Männer, auch Frauen und Kinder, stehen auf dem Hof eines Mehrfamilienhauses. Die Blicke der meisten von ihnen gehen ins Leere. Viel Kleidung tragen sie nicht am Körper, konnten sich nur das Notwendigste überstreifen.
 Kurz zuvor hatten sie Feuerwehrleute aus dem Schlaf gerissen. Ein Unbekannter hat einen Molotow-Cocktail durch eine Fensterscheibe geworfen. Der Täter nahm in Kauf, dass er Menschen in Lebensgefahr brachte. Der Notruf erreicht die Regionale Leitstelle um kurz nach zwei Uhr. In seiner Nachbarschaft habe jemand einen Brandsatz auf ein Haus geworfen, meldet ein Anwohner. Wenig später erreichen Feuerwehrleute den Einsatzort, ein ehemaliges Schulgebäude an der Salzhemmendorfer Hauptstraße. Im Haus leben 40 Menschen, 31 von ihnen Asylsuchende von der Elfenbeinküste, aus dem Irak, aus Pakistan, Simbabwe und Syrien.

„Die Menschen muss
man ja jetzt nicht in eine
leere Wohnung schicken“

 Aus einem zerborstenen Fenster zieht dunkler Rauch. An einem anderen Fenster steht eine verängstigte junge Frau mit ihren drei Kindern. Sie warten auf Hilfe. „Wir haben die Frau und die Kinder sofort herausgehoben“, sagt Einsatzleiter Michael Lang. Mit Atemschutzmasken ausgestattete Feuerwehrleute betreten die Wohnung. Die Männer öffnen die Haustür, von innen steckt ein Schlüssel.
 Das Feuer im betroffenen Zimmer können die Feuerwehrkräfte rasch löschen. Die Polizei spricht von einem glücklichen Umstand, dass es nur auf einen Teppich und einige der wenigen Habseligkeiten der Bewohner übergreifen konnte. Auch ein Bettgestell bietet dem Feuer wenig Nahrung. Die Feuerwehr vermutet, dass ein niedriger Sauerstoffanteil in der Luft dazu führte, dass der Brand keine größeren Ausmaße annahm.
 Die Frau und ihre Kinder werden in einem Rettungswagen von einem Notarztteam untersucht. Die vier bleiben zumindest körperlich unversehrt – psychisch sind sie angeschlagen. Salzhemmendorfs stellvertretender Ortsbürgermeister Karsten Appold kommt an den Ort des Anschlags und macht sich ein Bild von der Lage. Der Salzhemmendorfer entscheidet sofort, die Familie vorerst bei sich aufzunehmen. „Die Menschen muss man jetzt nicht in eine leere Wohnung schicken“, sagt Appold.
 Die anderen Bewohner können in dem Haus bleiben. „Die Wohnung der betroffenen Familie hat einen separaten Eingang. So konnte kein Rauch durch das Gebäude ziehen“, erklärt der Einsatzleiter.
 Nur acht Minuten nach dem Alarm sind die ersten Polizisten am Anschlagsort. Alle in der Nacht verfügbaren Einsatzkräfte werden nach Salzhemmendorf geschickt. An den Straßen um Salzhemmendorf stehen bereits kurz nach der Tat Einsatzwagen der Polizei.
 Streifenpolizisten und Ermittler der Tatortgruppe suchen im Taschenlampenlicht nach Spuren. Ein Beamter stellt einen Gegenstand sicher, verpackt das vermeintliche Beweisstück in eine Plastiktüte. Ob es sich um Überreste des Brandsatzes handelt, geben die Ermittler nicht bekannt.
 Die Polizei hat eine 30-köpfige Sonderkommission mit Spezialisten aus den Bereichen Staatsschutz, Brandermittlung, Gewaltdelikten und Kriminaltechnik gebildet. „Noch in der Nacht haben wir eine umfangreiche Tatortaufnahme und Spurensuche durchgeführt. Wir haben Spuren sichergestellt und dem Landeskriminalamt zugeführt“, sagt Kriminaldirektor Ralf Leopold, Leiter der Polizeiinspektion.
 Die Arbeit der Ermittler ist offenbar erfolgreich. Am Abend kommt die Meldung der Polizei, dass zwei 24 und 30 Jahre alte Männer aus Salzhemmendorf sowie eine 23-Jährige aus Springe festgenommen seien. Das Trio soll geständig sein, heißt es. Die Staatsanwaltschaft Hannover leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung ein, sagt Staatsanwältin Kathrin Söfker. Der weitere Gang der Ermittlungen werde dann ergeben, ob auch wegen versuchten Mordes oder Totschlags ermittelt werde.

6 Bilder
Brandanschlag in Salzhemmendorf. Die Polizei untersucht den Brandort nach Spuren. Foto: fn


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