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Server-Probleme / Komponenten „abgeraucht“ - Verteiler durchgebrannt

Blackout mit Folgen - bei der Kreisverwaltung geht fast nichts mehr

HAMELN. Der Blackout in der Nordstadt hat größere Folgen als bislang angenommen – bei der Kreisverwaltung geht derzeit fast nichts mehr.

veröffentlicht am 28.06.2019 um 06:44 Uhr
aktualisiert am 28.06.2019 um 17:03 Uhr

Ulrich Behmann

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Chefreporter zur Autorenseite

HAMELN. Die Telefone klingelten allerdings noch. Aufgrund des großflächigen Stromausfalls am Donnerstag gab es auch nach der Behebung des Störfalls auf dem Gelände der Stadtwerke erhebliche technische Probleme in der Landkreisbehörde – das Kreishaus an der Süntelstraße blieb deshalb ebenso wie das Straßenverkehrsamt, das Gesundheitsamt und die Erziehungsberatungsstelle geschlossen. Grund: „gravierende technische Störungen in der sogenannten Server-Landschaft“. Nicht einmal E-Mails konnten empfangen oder verschickt werden.„Wir arbeiten mit Hochdruck an der Behebung der Probleme und hoffen, ab Montag wieder auf einen störungsfreien Betrieb in unseren Dienststellen“, sagte Behördensprecherin Sandra Lummitsch am Morgen – und bat die Bevölkerung um Verständnis.

Weil am Donnerstag gegen 15.45 Uhr plötzlich der Strom weg war, sei im Serverraum ein Teil der Kühlung ausgefallen, hieß es. „Die Temperatur hat sich alle 30 Minuten um 0,6 Grad erhöht“, sagte IT-Teamleiter Torsten Duhm im Gespräch mit der Dewezet. Einige Komponenten seien „abgeraucht“ und sogenannte Switche, das sind Verteiler für Netzwerke, durchgebrannt.

„Weil niemand genau wusste, wann der Strom wieder läuft, haben wir uns gegen 18.30 Uhr dazu entschlossen, die Server hart runterzufahren“, erklärt der Experte. „Man läuft sonst Gefahr, dass Server verschmoren.“ Zu der Server-Landschaft des Landkreises gehören „ein Dutzend physikalische Server und eine dreistellige Anzahl von virtuellen Servern“, erklärt Duhm.

Nachdem um 19.20 Uhr die Störung bei den Stadtwerken behoben war, habe das 18-köpfige Team bis nach Mitternacht an der Beseitigung der Schäden gearbeitet. „Um 5 Uhr haben wir weitergemacht. Noch können wir nicht sagen, wann wir fertig sind. Das kann sich bis zum Mittag oder bis zum Abend hinziehen.“ Ersatzteile müssten erst angeliefert, eingebaut und konfiguriert werden.

Für die 600 Kreismitarbeiter bedeutete das: „Wer keine Büroarbeiten ohne digitale Möglichkeiten erledigen kann, darf Überstunden abbauen“, sagte Lummitsch.

Aus Sicht des von der Stadt einberufenen Krisenstabes ist Hameln noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. An der Straße „Hohes Feld“ mussten Feuerwehrleute lediglich zwei Personen, die in einem Fahrstuhl festsaßen, befreien. In einem Altenheim trugen Freiwillige Rollstuhlfahrer auf ihre Zimmer, weil die Aufzüge nicht funktionierten. Mancherorts blieben elektrische Schiebetüren zu – sie mussten von Hand geöffnet werden.

Information

Was wäre wenn...?

HAMELN. Was passiert eigentlich, wenn in Arztpraxen, Märkten, Unternehmen oder bei Landwirten der Strom ausfällt? Wie lange können die Betroffenen die Zeit überbrücken? Gibt es Notstromaggregate? Die Dewezet hat nachgefragt und folgende Antworten bekommen:

  •  In der Praxis am Posthof würden die Ärzte in so einem Fall weiterarbeiten, sagt Ärztesprecher Dr. Matthias Bammel. Vitale Notfälle, oder Patienten, die zum Beispiel ein Röntgenbild brauchen, würden ins Krankenhaus weitergeschickt, wo in solchen Situationen mit Notstromaggregaten gearbeitet werde. „Bei uns würde es sicher zu längeren Wartezeiten kommen, weil wir alle Unterlagen per Hand ausfüllen würden“, sagt Bammel.
  • In der Hamelner Rathsapotheke wäre ein längerer Stromausfall ein Drama, sagt Apothekerin und Inhaberin Ulrike Berz. „Ohne Computer geht gar nichts, da wir mit Rabattverträgen arbeiten, die jedes mal geprüft werden müssen. Teure Medikamente könnten maximal 20 Minuten so gekühlt werden. „Wir müssten dann schließen“, sagt Berz.
  • Das Unternehmen Vorwerk hat nach Angaben einer Sprecherin für den wichtigsten Bereich, die Produktion, ein Notstromaggregat. „Licht und Rechner würden allerdings ausgehen“, erklärt sie.
  • Für den Bentorfer Landwirt Tim Böcker und sein Milchvieh wird es kompliziert, wenn der Strom länger ausfällt. Zwei bis drei Stunden zu überbrücken sei kein Problem, doch dann müssen die 250 Kühe an die Melkmaschine. Auch die bereits gemolkene Milch muss gekühlt werden. Schwierig wird auch die Versorgung der Tiere mit Wasser, denn das wird muss elektrisch aus einem Brunnen in den Stall geleitet werden.
  • Supermärkte und Discounter kommen ebenfalls einige Stunden ohne Strom aus. Danach wird es kritisch für die tiefgekühlten Waren. Weil sie lebensmittelrechtlich nicht mehr unbedenklich sind, werden sie entsorgt, erklären ein Sprecher von Lidl und Kay-Uwe Hermasch, Geschäftsführer von Edeka in der Nordstadt. Beide Unternehmen sind für diesen Fall versichert. Und wie kommt man aus den Läden wieder hinaus? „Die Türen öffnen automatisch“, heißt es von Lidl. doro


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