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Gericht verurteilt Mitglieder einer Bande / Geklaute Glimmstengel nach Georgien geschickt

Bewährungsstrafen für Zigarettendiebe

HAMELN/DETMOLD. Eine organisierte Diebesbande aus Georgien hat sich darauf spezialisiert, aus Einkaufsmärkten im größeren Stil diese zu stehlen – und per Post nach Hause zu schicken. Drei der Bandenmitglieder, die auch in Hameln zugeschlagen hatten, sind nun vom Amtsgericht Detmold verurteilt worden.

veröffentlicht am 12.02.2017 um 19:03 Uhr
aktualisiert am 13.02.2017 um 09:20 Uhr

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Autor:

Ulrich Pfaff
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Im August vergangenen Jahres waren die drei Angeklagten im E-Center an der Lemkestraße aufgetaucht. Gleich 69 Schachteln Zigaretten hatte einer von ihnen im Innenfutter seiner Jacke verschwinden lassen – und wurde dabei von Mitarbeitern beobachtet. Der Versuch, den Mann aufzuhalten, scheiterte, das Trio entkam zunächst unerkannt.

Das dicke Ende kam für die drei 21, 24 und 25 Jahre alten Georgier am 6. September im lippischen Horn-Bad Meinberg: Im dortigen Marktkauf wurden sie festgenommen – nachdem sie am selben Tag in Dörentrup aufgrund einer Öffentlichkeitsfahndung der Polizei bereits erkannt worden waren und die Kripo sich an ihre Fersen geheftet hatte. Die nach der Festnahme ausgeweiteten Ermittlungen ergaben, dass die drei und weitere Verdächtige für eine Vielzahl von Diebstählen verantwortlich gewesen sein müssen: Handyortungen, Gesprächsprotokolle und die Auswertung von Akten anderer Staatsanwaltschaften hätten dies ergeben, erklärte der ermittelnde Kommissar im Zeugenstand.

Die Masche der Bande, die auf 15 bis 20 Personen geschätzt wird, sei immer gleich gewesen: Mehrere Täter seien in einem Einkaufsmarkt gegangen, zwei hätten an der Kasse das Personal mit einer nicht funktionierenden EC-Karte oder nicht abgewogenem Gemüse abgelenkt, während ein dritter sich Zigarettenschachteln in die Kleidung gesteckt habe. Der Wert der Beute bewege sich im Bereich von mehreren Hundert Euro, zum Teil sogar über 1000 Euro pro Tat. Auffällig, so der Kriminalbeamte, sei gewesen, dass von einer Poststelle in Hannover aus Pakete in größerem Umfang nach Georgien geschickt worden seien. Die von der Staatsanwaltschaft Detmold angeklagten Taten waren vorwiegend im Kreis Lippe, in Hameln, Höxter und Rinteln begangen worden.

Richter Martin van der Sand machte den drei Angeklagten, die in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wurden, schnell klar, dass es sich auszahlen könnte, die Karten auf den Tisch zu legen. „Es geht hier um schweren Bandendiebstahl, ohne ein Geständnis kann das für Sie teuer werden.“ Die Chance auf eine Bewährungsstrafe im Rahmen einer Verständigung nutzten die drei Männer und räumten die Vorwürfe jeweils ein. Der 25-Jährige gab zu, dass die Rollen immer wieder neu verteilt worden seien – seine Mittäter, abgesehen von den beiden Anwesenden, seien nach Georgien zurückgereist. Eine Darstellung, die der erfahrene Richter mit den Worten kommentierte: „Jaja, so ist das …“ Ein zunächst angenommener Angriff auf einen Ladendetektiv in Hameln wurde nach Überprüfung einer Videoaufzeichnung nicht verfolgt. Die Freiheitsstrafen belaufen sich auf zehn Monate, eineinhalb und zwei Jahre – alle wurden zur Bewährung ausgesetzt.

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