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Bewährungsstrafen für Großfamilie nach Tumulten von Hameln erwartet

HAMELN/HANNOVER. Es waren heftige Szenen vor mehr als zwei Jahren in Hameln: Ein mutmaßlicher Räuber war aus dem siebten Stock eines Gerichtsgebäudes gestürzt und gestorben. Mitglieder seiner Familie gingen daraufhin auf Polizisten und Unbeteiligte los. Jetzt fallen die Urteile.

veröffentlicht am 17.05.2017 um 08:34 Uhr
aktualisiert am 17.05.2017 um 12:07 Uhr

Prozess in Hannover: Den Familienmitgliedern wird unter anderem Landfriedensbruch sowie Körperverletzung vorgeworfen. Foto: Holger Hollemann

Nach Attacken auf Polizisten und Klinikpersonal im niedersächsischen Hameln dürften fünf Mitglieder einer Großfamilie mit Bewährungsstrafen davonkommen. Lediglich für einen weiteren, 27-jährigen Angehörigen der Familie hat die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren gefordert. Am Mittwoch sollen nach Planung des Gerichts die Urteile fallen.

Auslöser für die Tumulte im Januar 2015 war der Sturz eines 26-jährigen mutmaßlichen Räubers bei einem Fluchtversuch aus dem siebten Stock des Amtsgerichts. Mitglieder seiner Familie randalierten anschließend vor dem Gericht und vor dem Krankenhaus, wo der 26-Jährige wenig später starb. Verletzt wurden laut Anklage 24 Polizisten und sechs Unbeteiligte.

Fünf Männer im Alter von 27 bis 46 Jahren sowie eine 50-jährige Frau müssen sich unter anderem wegen Körperverletzung und Landfriedensbruchs vor dem Landgericht Hannover verantworten. Die Staatsanwaltschaft habe für fünf Angeklagte Bewährungsstrafen zwischen sechs und zwölf Monaten gefordert, hatte Gerichtssprecher Steffen Wolters nach den Plädoyers gesagt.

Nur der 27-jährige Bruder des Verunglückten soll dem Gerichtssprecher zufolge nach dem Willen der Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten erhalten. Darin ist ein früheres Urteil wegen Einbruchsdiebstahls einbezogen. Sein Verteidiger forderte höchstens zwei Jahre auf Bewährung.

Um den Prozess abzukürzen, hatten sich Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung Ende April auf einen sogenannten Deal geeinigt. Gemäß der Verständigung legten alle Angeklagten Geständnisse ab, im Gegenzug waren fünf von ihnen Bewährungsstrafen zugesichert worden. dpa

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