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1500 Euro Schmerzensgeld für Opfer

Bewährung nach Prügel im Swinger-Club

veröffentlicht am 11.10.2016 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:24 Uhr

Der Frau sprachen die Richter 1500 Euro Schmerzensgeld zu. Das Opfer hatte Todesangst und gab im Prozess zu Protokoll: „Ich habe mich so klein gefühlt.“

Ein Grund für die relativ moderate Strafe liegt darin, dass die Richter eine vorausgegangene sexuelle Nötigung in der Eilser Wohnung der Frau als minder schweren Fall einstufen. „Dies kann das Landgericht aber ganz anders sehen“, riet Richter Dr. Dirk von Behren dem Angeklagten, sich gut zu überlegen, ob er das Urteil anfechten will. In zweiter Instanz würde vorm Landgericht verhandelt.

Falls die dort zuständige Berufungskammer keinen minder schweren Fall sähe, „wäre man ruckzuck bei über zwei Jahren“, so von Behren. „Dann gibt es keine Bewährung mehr.“ Staatsanwältin Dr. Karin Dubben hatte zwei Jahre und drei Monate Haft gefordert.

Zu den Taten, beide im August 2015: Zunächst war der 27-Jährige auf die junge Frau in deren eigenen vier Wänden losgegangen. Er schlug sie, warf sie aufs Bett, griff ihr in den Slip und an die Brüste. Bereits da war die Beziehung am Ende. Trotzdem wollte der Mann kurz danach noch einen Besuch im Swinger-Club „mitnehmen“, vermutlich aus Neugier. In einem gemieteten Zimmer, wo Besucher übernachten können, kam es erneut zum Streit. Die Frau wurde gegen den Fernseher geschubst, bekam ein halbes Dutzend Faustschläge auf Rücken und Arme, durfte das Zimmer nicht verlassen. Als Motiv gab der Mann Eifersucht an. Offenbar wirkte seine Begleiterin auf andere Swinger recht anziehend. Einmal soll es zu einer intimen Begegnung gekommen sein, an der noch ein zweiter Herr beteiligt war. Die Tat im Swinger-Club gibt der Angeklagte weitgehend zu, den sexuellen Übergriff in der Wohnung nennt er „frei erfunden“. Das Gericht glaubt jedoch der Frau. „Selten erlebt“ hat Richter von Behren, „dass eine Zeugin nach dem Zeitablauf noch eine so detaillierte Aussage macht“. Auf keinen Fall ausgedacht habe sich die Frau beispielsweise diesen Satz des Mannes: „Wenn Du mir keine Liebe gibst, nehme ich sie mir.“ Gleichzeitig kann das Gericht „keine überschießende Belastungstendenz“ feststellen. So habe die Frau speziell den sexuellen Übergriff in ihrer Wohnung „sehr zurückhaltend geschildert“. Dass er nicht in Haft muss, hat der Angeklagte also auch der Ehrlichkeit seiner Ex zu verdanken. Durch die Griffe in den Slip (etwas oberhalb des eigentlichen Intimbereichs) und an die Brust sieht das Gericht „die Erheblichkeitsgrenze nur ganz knapp überschritten“. Für einen minder schweren Fall spricht, „dass das Opfer die Folgen der Tat recht gut verarbeitet zu haben scheint“, so von Behren. Dem Mann attestiert der Richter „ein außerordentlich hohes Gewaltpotenzial, wenn es in Partnerschaften nicht läuft“.



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