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Staatsanwaltschaft beschlagnahmt Leiche des Piloten / Maschine hat gebrannt

Bergung des Wracks abgebrochen

COPPENBRÜGGE. Die Stelle, an der das Kleinflugzeug am Wochenende abgestürzt ist, liegt in unwegsamen Gelände und abseits von befahrbaren Wegen – eine große Herausforderung für die THW-Helfer. Bei starkem Wind und Schneefall sowie Temperaturen um minus 3 Grad Celsius mussten sie lange Wege zu Fuß in Kauf nehmen, um Material zur Absturzstelle bringen zu können.

veröffentlicht am 11.12.2017 um 16:52 Uhr
aktualisiert am 11.12.2017 um 19:33 Uhr

In Einzelteile zersägt wurde das Wrack geborgen – ein kräftezehrender Einsatz. Foto: leo
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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
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„Wir haben mit zwei Quads Material durch den Wald gebracht“, so THW-Fachberater Andreas Weiher. „Bei dem Schnee und den eisigen Temperaturen gefrieren die Einsatzjacken und gefährliche Glätte erschwert die Bergung am steilen Hang“, sagt Weiher. Einsatzkräfte rutschten aus und wurden von bereitstehenden DRK-Sanitätern versorgt. „In Absprache mit der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) haben wir das Wrack zersägt – nur so konnten wir die zerstörte Maschine bergen“, berichtet Weiher.

Größere und kleinere Teile wurden in eine sogenannte Schleifkorbtrage gelegt und dann von Ehrenamtlichen den Hang hochgezogen. Dort konnten THW-Helfer die Überreste des Flugzeuges auf Quads verladen. „Mit den Allradfahrzeugen haben wir die Wrackteile Stück für Stück aus dem unwegsamen Gelände zu einem befahrbaren Feldweg gebracht“, sagt der Fachberater. Hier wurden sie dann auf einen Lastwagen verladen.

Bis zur Dämmerung waren die großen Wrackteile geborgen. „Alles konnten wir noch nicht bergen. Wir müssen noch einmal wiederkommen“, sagt THW-Zugführer Detlev Grabbe. „Es ist einfach zu gefährlich, die Arbeiten hier oben bei dem Wetter in der Dunkelheit fortzusetzen. Außerdem sind durch die geschlossene Schneedecke die Trümmerteile schlecht zu finden“, sagte Weiher am Sonntagabend. Wann die Bergung fortgesetzt werden kann, ist noch unklar. „Das THW aus Springe wird uns unterstützten“, sagte Weiher. Die BFU hat derweil eine Sorge: „Souvenirjäger könnten kommen und Wrackteile stehlen“, so ein Ermittler.

Das Schulungsflugzeug vom Typ „Aquila A-210 AT01“ war am Freitag vom Radarschirm verschwunden. Der Absturz löste einen Großeinsatz aus. Am Samstagnachmittag entdeckte dann ein Jäger beim Joggen im Ith den toten Piloten im Cockpit seiner zerstörten Maschine. „Der Jäger war auf den starken Kerosingeruch aufmerksam geworden“, sagt Germout Freitag von der BFU. Das Wrack liegt an einem steilen Hang unterhalb einer Felswand. Das Trümmerfeld ist groß. Das Motorflugzeug ist beim Absturz zunächst mit einigen Bäumen und Ästen kollidiert. Eine Tragfläche hängt in einer Baumkrone. Der Motor des Flugzeuges liegt ein paar Meter vom restlichen Wrack entfernt. Die BFU geht davon aus, dass das Flugzeug kurz danach an der Felswand zerschellt ist.

Die Leiche des Piloten ist von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. „Der Tote wird obduziert. Die gerichtsmedizinische Untersuchung könnte uns möglicherweise Hinweise für die Ermittlungen zur Absturzursache geben“, sagt Freitag. Die BFU hat die Ermittlungen zur Absturzursache aufgenommen. Sie versucht aufzuklären, warum die Maschine am Leitwerk gebrannt hat. Noch sei unklar, ob das Leitwerk erst am Boden Feuer gefangen hat oder ob es bereits im Flug gebrannt hat, sagt Germout Freitag. „Wir haben mit unseren Ermittlungen erst begonnen und können daher noch keine Angaben zu Absturzursache machen“, so BFU-Sprecher Freitag.

Fest steht bislang nur: „Der Pilot war sehr erfahren“, sagt Freitag. Das Alter eines Flugzeugführers spiele beim Fliegen keine große Rolle. Jedoch gelte: „Je älter ein Pilot ist, desto öfter muss er zu Tauglichkeitsuntersuchungen bei einem Fliegerarzt.“ Das THW Hameln wird die Trümmerteile nach der Bergung nach Braunschweig zur BFU bringen, wo sie genauer untersucht werden. Eine Blackbox wie bei Passagierflugzeugen könnte Aufschluss über die Absturzursache geben, doch das abgestürzte Flugzeug hat keine gehabt.

„So etwas ist für Flugzeuge dieser Größenordnung nicht vorgesehen“, sagt Freitag. Noch etwas gibt den Experten Rätsel auf: Das Wrack lag – anders als vermutet – in der Nähe des Ithkopfes. Damit hatten die Retter bei ihrer Suche nicht gerechnet. Wie das Flugzeug die Strecke vom letzten Radarkontakt bei Fischbeck ohne Radarkontakt zurückgelegt habe, ist unklar. Die Experten der BFU waren überrascht, dass der Absturzort zig Kilometer weiter östlich lag. „Wir haben die Radarspur ausgewertet und damit ein Suchgebiet errechnet, aber auch dies lag nicht dort, wo das Wrack entdeckt worden ist.“ Möglich sei, so Germout Freitag, dass das Flugzeug unter dem Radarschirm geflogen sei.



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