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Fahnder ermitteln Hund, der Kleinkind schwer verletzt hat

Beißattacke in Afferde – Polizei löst das Rätsel

AFFERDE. Nach der Beißattacke am Grasweg in Afferde, bei der am Morgen des 27. März ein Kleinkind schwer im Gesicht verletzt wurde (wir berichteten), ist es Ermittlern des 1. Fachkommissariats des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD) gelungen, den Hund, der den Zweijährigen gebissen haben soll, zu ermitteln – das Tier habe in der Familie des verletzten Jungen gelebt, sagte Kommissarin Sandra Heltner am Freitag. Nach unbestätigten Recherchen der Dewezet soll es sich um einen Staffordshire-Terrier-Mix handeln.

veröffentlicht am 05.04.2019 um 08:42 Uhr
aktualisiert am 05.04.2019 um 15:13 Uhr

Der Vorfall in Afferde hatte am 27. März einen größeren Rettungseinsatz ausgelöst. Ein Notarztteam aus Hameln und ein Rettungsteam des Hubschraubers „Christoph 4“ behandelten das Kleinkind. Foto: leo
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Er gehört der Mutter des Kindes. Experten bezeichnen solche Tiere als „gefährliche Hunde“. Der Hund sei unmittelbar nach dem Vorfall aus der Familie genommen worden, sagte Sandra Heltner – und fügte hinzu, das Veterinäramt des Landkreises Hameln-Pyrmont habe „die Ermittlungen der Hamelner Polizei von vornherein eng begleitet“. Das Tier lebt derzeit bei Bekannten der Familie - es sei nie auffällig gewesen, hieß es. Probleme mit dem Mischling soll es zuvor niemals gegeben haben. Der Großvater (58) hatte Ermittlern kurz nach dem Vorfall gesagt, er habe plötzlich seinen im Vorgarten spielenden Enkel schreien gehört und das blutüberströmte Kind gefunden.

Der Mann, der sich gut mit Hunden auskennen soll, gab zudem an, er habe noch das Hinterteil eines etwa 40 Zentimeter hohen hellbraunen Hundes gesehen: "Das Tier hat glattes Fell, das etwa fünf Zentimeter lang ist." Es sei gerade durch das geöffnete Tor des komplett eingezäunten Grundstücks gelaufen. Die Zeugenaussage des 58-Jährigen hatte eine große Fahndung nach einem fremden – möglicherweise herrenlosen – Hund ausgelöst. Die Ermittlungen der Polizei haben nun eine ganz andere Wahrheit ans Licht gebracht. Das lässt nur den Schluss zu: Der Mann hat sich die Geschichte ausgedacht, um die wahren Hintergründe zu vertuschen.

Dann hätte er die Polizisten bewusst in die Irre geleitet. Ob der Vorfall Konsequenzen für die Mutter oder den Großvater hat, müsse abschließend die Staatsanwaltschaft in Hannover entscheiden, sagte die Kommissarin. „Wenn von vornherein klar gewesen wäre, dass das Kleinkind von dem Hund der Familie gebissen wurde, hätten wir keine Ermittlungen eingeleitet. Das wäre als Unfall in der Familie gewertet worden, es sei denn: Jemand hätte Strafantrag gestellt“, erklärt Heltner. Das Fachkommissariat 1 sehe derzeit auch keine Möglichkeit, gegen den Großvater wegen des Verdachts der Vortäuschung einer Straftat vorzugehen. Letztlich müsse aber die Staatsanwaltschaft die von der Polizei zusammengetragen Fakten juristisch bewerten.

Nach Informationen der Dewezet ist nicht nur das Veterinär-, sondern auch das Jugendamt mit dem Fall befasst.

Der kleine Junge war nach Angaben von Oberkommissarin Stephanie Heineking-Kutschera durch den Biss erheblich verletzt worden: „Der Hund hat ein Stück Fleisch aus der Wange des Kindes gebissen“, sagte die Polizistin. Gut eine Woche nach dem Vorfall hatte Kommissarin Heltner am Freitag gute Nachrichten zum Gesundheitszustand des Kleinkindes im Gepäck. „Die Verletzung im Gesicht des Zweijährigen konnte gut versorgt werden. Das Kind durfte das Krankenhaus bereits verlassen.“

Für Experten war die Schilderung des Großvaters von Anfang an kaum nachvollziehbar. Tierärztin Dr. Stefanie Klingeberg, die sich mit dem Thema Hundebisse intensiv beschäftigt hat und zu den Veterinären im Landkreis Hameln-Pyrmont gehört, die vom Landwirtschaftsministerium in Hannover bestellt wurden, um Wesenstests bei Hunden abzunehmen, hatte gegenüber der Dewezet gesagt: „Wenn ein Hund einen Menschen beißt, dann ist vorher zu 80 Prozent etwas vorgefallen.“ Ein Hund beiße beispielsweise dann zu, wenn er in Not gerate, in die Enge getrieben oder geärgert werde. In der Regel würden sich Hund und Mensch kennen.

„Für eine Hundeattacke gibt es für gewöhnlich einen Grund.“ Und Verhaltensforscherin Dr. Willa Bohnet von der Tierärztlichen Hochschule Hannover hatte festgestellt: „Die meisten Unfälle mit Hunden passieren in den Familien, in denen Hunde leben.“ Dass ein Hund einfach so auf ein fremdes Grundstück läuft, um einen Menschen zu beißen, könne sie sich nicht vorstellen, schon gar nicht, dass ein herrenloser Hund grundlos zugebissen haben soll. Recherchen der Dewezet zufolge soll es vor dem Biss eine Interaktion zwischen dem Kind und dem Hund gegeben haben. Entsprechende Informationen der Dewezet hat die Polizei bestätigt: „Es gab einen kurzen Konflikt zwischen Kind und Hund“, sagte Kommissarin Heltner.



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