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Große Rettungsaktion in Brockensen / Dorfbewohner und Feuerwehrleute helfen

Bei eisiger Kälte – Pferd steckt bis zum Hals im Schlamm

BROCKENSEN.Eine großangelegte Suchaktion nach einem von einer Weide ausgebüxten Pferd hat am späten Dienstagabend in Brockensen ein glückliches Ende gefunden – der 27 Jahre alte Wallach „Helm“ war mehr als drei Stunden verschwunden. Über eine WhatsApp-Gruppe wurde Hilfe organisiert. Gegen 20.30 Uhr wurde „Helm“ endlich entdeckt. Das Reitpferd steckte bis zum Hals in Schlamm und Morast.

veröffentlicht am 21.11.2018 um 14:11 Uhr
aktualisiert am 21.11.2018 um 20:40 Uhr

Erschöpft: „Helm“ sieht man die Strapazen an. Bei 1,5 Grad steckte das Pferd dreieinhalb Stunden im Morast eines Baches. Foto: Franziska Ullmann
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Dorfbewohner, darunter ehrenamtliche Feuerwehrleute und Reiterinnen, bildeten Suchtrupps, fuhren rund um Brockensen Feldwege und Straßen ab, waren in der Finsternis mit Taschenlampen auf Äckern und Wiesen unterwegs. Doch von dem Reitpferd fand sich zunächst keine Spur. „Nicht einmal ein Wiehern war zu hören“, erzählt Franziska Ullmann, die „Helm“ jahrelang geritten hat.

Verzweiflung machte sich breit. Die Polizei sei informiert worden, um gegebenenfalls Rundfunkdurchsagen zu veranlassen, erzählt die 30-Jährige aus Frenke, denn: „Wenn ein Pferd vor ein Auto läuft, kann das schlimme Folgen haben.“

Gegen 20.30 Uhr wurde „Helm“ endlich entdeckt. Das Pferd von Ira und Joachim Johannsen steckte bis zum Hals im Schlamm und Morast. Es dürfte am Nachmittag zwischen 17 Uhr und 18 Uhr bei seinem Ausflug in die Rotte gestürzt sein. „Es handelt sich um einen Bach“, erzählt Stefan Bös von der Feuerwehr Brockensen, der wenig später den Tierrettungseinsatz leitete. „Helm“ war stark unterkühlt und total erschöpft – er hätte wohl die Nacht bei Temperaturen um 1 Grad Celsius nicht überlebt. „Einige von uns sind bestimmt mehrmals an dem Wallach vorbeigefahren oder dort langgegangen“, meint Franziska Ullmann. „Aber wir konnten Helm in der Senke und bei der Dunkelheit zunächst nicht sehen. Beim x-ten Mal haben wir ihn dann endlich entdeckt – zum Glück. Er steckte bis zum Kopf im Schlamm.“ Gemeinsam mit Pferdehalterin Ira Johannsen und einer Freundin versuchte Franziska Ullmann vergeblich, „Helm“ zu helfen. „Zu dritt konnten wir nichts ausrichten – das ist uns ganz schnell klar geworden“, sagt sie. „Wir haben ihn nicht aus dem Graben ziehen können, konnten nur Stroh unter seine Beine schieben. Das war das Einzige, was wir in diesem Moment für Helmelein tun konnten.“

Durchnässt und durchgefroren – „Helm“ wird mit einem starken Feuerwehr-Scheinwerfer vor dem weiteren Auskühlen bewahrt und im Stall mit Stroh abgerieben. Foto: Franziska Ullmann
  • Durchnässt und durchgefroren – „Helm“ wird mit einem starken Feuerwehr-Scheinwerfer vor dem weiteren Auskühlen bewahrt und im Stall mit Stroh abgerieben. Foto: Franziska Ullmann

Ein Tierarzt und die Feuerwehr Brockensen wurden gerufen. Mit einem Frontlader gelang es schließlich, „Helm“ vorsichtig aus dem Schlick zu hieven. „Wir haben ihm Gurte unter den Bauch gezogen. Beim zweiten Versuch hat’s geklappt.“ Doch: Das Tier kam nicht hoch. Es war zu schwach, sackte immer wieder zusammen. Feuerwehrleute wärmten den Wallach mit einem Strahler. Der Veterinär habe dem völlig entkräfteten Pferd eine Spritze gegen die Schmerzen gegeben und ihm eine Infusion verabreicht.

Wenige Minuten vor dem Eintreffen der ebenfalls alarmierten Feuerwehr Kirchohsen, die nach Angaben von Gemeindebrandmeister Karl-Heinz Brockmann technisches Gerät und Hebekissen zum Einsatzort gebracht hat, gelang es dem Pferd, aufzustehen und – gestützt von Feuerwehrleuten und anderen Helfern – auf wackeligen Beinen den Stall zu erreichen. Mit einem Flutlichtscheinwerfer, so Einsatzleiter Bös, habe man das durchnässte und frierende Tier vor dem weiteren Auskühlen bewahrt.

Helfer blieben stundenlang bei dem Wallach, rieben ihn mit Stroh ab und achteten darauf, dass sich „Helm“ nicht wieder hinlegte. „Zu langes Liegen ist für Pferde nicht gut“, weiß Reiterin Ullmann. Auf Facebook dankte sie auch im Namen von Ira und Joachim Johannsen allen Menschen, die geholfen haben, den Pferde-Senior aus dem Bach zu ziehen und wieder auf die Hufe zu bringen.

Um 23.15 Uhr schrieb die Frenkerin: „Jetzt heißt es Daumen drücken, dass seine Körpertemperatur wieder steigt.“ Inzwischen weiß die begeisterte Reiterin Franziska Ullmann, dass es „Helm“ geschafft hat. „Es geht ihm gut. Ist das nicht schön?“



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