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Monate nach dem Verbrechen in der Gaststätte „Zur Motte“

Barmann erschlagen – Staatsanwaltschaft klagt Sascha G. an

HAMELN. Mit Händen und Füßen schlug und trat er so lange auf Arben S. (49) ein, bis der Barmann hinter dem Tresen der Gaststätte „Zur Motte“ an der Gertrudenstraße in Hameln starb. Als Todesursache notierten die Gerichtsmediziner: „massive stumpfe Gewalteinwirkung“. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat Sascha D. (38) angeklagt. Sie wirft ihm Totschlag und Gelddiebstahl vor.

veröffentlicht am 22.11.2017 um 17:01 Uhr
aktualisiert am 22.11.2017 um 17:49 Uhr

Hinter diesem Tresen in der Gaststätte „Zur Motte“ wurde die Leiche des Barmannes gefunden. Polizeibeamte sichern Spuren am Tatort. Zum Gedenken an Arben S. haben Freunde ein Foto von ihm Kerzen angezündet und Blumen abgelegt. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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„Benny“, wie der Albaner von seinen Freunden genannt wurde, hat bei der Attacke Trümmerbrüche im Kopf- und Halsbereich, aber auch Rippenfrakturen und eine Verletzung des Darms, erlitten. Als Todesursache notierten die Gerichtsmediziner: „massive stumpfe Gewalteinwirkung“. Das äußerst brutal ausgeführte Verbrechen hat sich am Vormittag des 6. August ereignet – zwischen 9.45 Uhr und 10.15 Uhr. Es muss große Wut im Spiel gewesen sein. Der Täter ist an diesem Sonntagvormittag jedenfalls völlig ausgerastet. Er war wie von Sinnen. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat Sascha D. (38) angeklagt. Sie wirft ihm Totschlag und Gelddiebstahl vor.

Einem Zeugenhinweis ist es zu verdanken, dass der Mann, der zuletzt bei Freunden in Hameln wohnte, weil er keinen festen Wohnsitz hatte, bereits eine Stunde nach dem Kapitalverbrechen in der Hamelner Südstadt vorläufig festgenommen werden konnte. Seine Kleidung war voller Blut. Wann der Prozess vor dem Schwurgericht eröffnet wird, steht noch nicht fest.

Nach der Tat soll Sascha G. eine Bekannte angerufen und ihr mit weinerlicher Stimme gesagt haben: „Der Benny ist tot.“ Offenbar sah der Bruder der Frau umgehend in der Kneipe nach dem Rechten – er entdeckte die Leiche und verständigte die Polizei. Arben S. lebte seit vielen Jahren in Hameln. Der Pächter der damals gerade erst eröffneten Gaststätte hatte ins Ausland reisen müssen – er soll den 49-Jährigen gebeten haben, das Lokal vorübergehend für ihn zu führen. S. nahm den Aushilfsjob an.

um Gedenken an Arben S. haben Freunde ein Foto von ihm Kerzen angezündet und Blumen abgelegt. Foto: Dana
  • um Gedenken an Arben S. haben Freunde ein Foto von ihm Kerzen angezündet und Blumen abgelegt. Foto: Dana

Sascha G. und Arben S haben sich offenbar ganz gut gekannt. In der Nacht von 5. auf den 6. August verbrachten die Männer viel Zeit miteinander. Der Tatverdächtige hat bei der Hamelner Polizei behauptet, er habe gemeinsam mit Arben S. eine „Linie gezogen“, also Kokain geschnupft. Ob die Männer tatsächlich gemeinsam Rauschgift konsumiert haben, ist unklar. Fakt ist aber: Sascha G. hat Drogen genommen. In seinem Blut wurden nach Informationen der Dewezet Cannabis und Kokain nachgewiesen. Gegen 8.30 Uhr verließ eine Frau die Kneipe. Sascha G. wollte sie offenbar begleiten. Barmann Arben S. soll ihn überredet haben, noch ein bisschen zu bleiben. Der Tatverdächtige sei angetrunken gewesen, sagt eine Zeugin.

Offenbar ist es aus einem nichtigen Anlass zu einem heftigen Streit gekommen, der dann eskaliert ist. Sascha G. soll behauptet haben, Arben S. dürfe in der „Motte“ kein Bier zapfen. Das sei nicht rechtens. Der Barmann habe nämlich keine Ausschanklizenz. Ein Wort soll das andere gegeben haben. Der Beschuldigte behauptet, der Arben S. sei „irgendwann eklig“ geworden und habe üble Beleidigungen ausgestoßen. Der Deutsche will einen Barhocker in Richtung der Dart-Scheibe geworfen und dafür von dem Albaner einen Faustschlag kassiert haben. Die Staatsanwaltschaft geht offenbar davon aus, dass Sascha G. den Barmann als Reaktion darauf zunächst mit Schlägen niedergestreckt und mit heftigen Fußtritten hinter dem Tresen getötet hat.

Wer auch immer zugetreten hat – er kannte keine Gnade, hörte erst auf, als es zu spät war. Bevor der Verdächtige den Tatort verließ, soll er sich noch eine grüne Plastikbox geschnappt haben. Darin befanden sich 74 Euro in Münzen und 75 Euro in Banknoten.

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