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Sechs Männer und eine Frau vor Gericht / Opfer deponierte in Hameln Geld und Gold im Mülleimer

Bande erbeutet 700 000 Euro

HAMELN/HANNOVER. Am 14. Juni müssen sich sechs Männer und eine Frau vor dem Landgericht Hannover verantworten. Sie stehen im Verdacht, in mehreren Bundesländern als falsche Polizisten zahlreiche Betrugstaten begangen zu haben. Im September 2018 hatte verdeckte Ermittler die Bande in Hameln hochgenommen.

veröffentlicht am 07.06.2019 um 12:35 Uhr
aktualisiert am 13.06.2019 um 12:27 Uhr

11. September 2018 – Polizeieinsatz an der Sertürner Straße in Hameln: Einheiten der Bereitschaftspolizei stürmten in den frühen Morgenstunden zahlreiche Wohnungen an verschiedenen Straßen und Orten, nahmen Verdächtige fest und suchten nach Beweismat
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Am frühen Morgen des 11. September 2018 holten verdeckt operierende Zivilfahnder der Hamelner Polizei in enger Zusammenarbeit mit Staatsanwälten aus Hannover zu einem Schlag gegen eine Bande aus, die im Verdacht steht, in mehreren Bundesländern als falsche Polizisten zahlreiche Betrugstaten begangen zu haben.

Elf Verdächtige wurden seinerzeit gefasst, drei der mutmaßlichen Täter in Haft genommen. Am 14. Juni, also neun Monate nach der streng geheim gehaltenen Polizeiaktion, die in Hameln für Aufsehen sorgte, müssen sich sechs Männer und eine Frau vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat Farhad B. (34), Ibrahim S. (30), Ahmad K. (23), Basim K. (33), Mesut A. (28), Mehmet A. (30) und Mirwet S. (29) unter anderem wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs angeklagt.

„Den Angeklagten werden 22 Straftaten in wechselseitiger Beteiligung vorgeworfen“, sagt Richter und Medienmanager Hans-Christian Rümke. Die Beschuldigten sollen zwischen dem 23. Mai 2017 und dem 6. September 2018 in Hameln und andernorts als Bande aufgetreten sein, deren Masche es gewesen sein soll, als „falsche Polizeibeamte“ ältere Menschen zu betrügen. Am 26. Mai 2018 soll es den Tätern gelungen sein, einen Hamelner dazu zu bringen, Geld und Gold im Gesamtwert von 130 000 Euro in einem Mülleimer zu deponieren. Der Mann war zuvor von einem „falschen Polizisten“ angerufen und getäuscht worden. Er habe extra 40 000 Euro von seinem Konto abgehoben, sagte der Richter.

Der Gesamtschaden, den die Bande angerichtet hat, soll sich auf mehr als 700 000 Euro belaufen. Die sieben Angeklagten lassen sich nach Angaben des Landgerichts Hannover von elf Strafverteidigern vertreten. Die 12. Große Strafkammer des Landgerichts Hannover hat elf Verhandlungstage angesetzt. Am 30. August könnten die Urteile gesprochen werden.

Die Masche der Betrüger: Vor der Tat meldete sich zunächst ein Mann bei dem potenziellen Opfer. Er gab sich als Polizeibeamter aus und tischte den meist älteren Menschen eine dubiose Geschichte auf. Was die Angerufenen nicht ahnten: Der Täter rief aus dem Ausland an. Für diese Telefonate soll er stets eine „gespoofte Nummer“ benutzt haben, erklärt Richter Rümke. Es geht dabei um das sogenannte Call-ID-Spoofing.

Dabei handelt es sich um eine Methode, Anrufe von einer vorgetäuschten Nummer aus vorzunehmen. Kriminelle können Telefonanschlüsse so manipulieren, dass beim Angerufenen eine andere Telefonnummer angezeigt wird. Das kann die Notrufnummer 110 sein oder die Rufnummer der Telefonzentrale der Polizei oder eines Kommissars. Die Betrüger sollen Geschichten über Einbrecher erfunden und bei den Senioren materielle Verlustängste ausgelöst haben. Ziel war es, die Angerufenen dazu zu bewegen, Geld, Goldbarren und wertvollen Schmuck in der Nähe ihrer Hauseingangstüren unter Sitzbänken oder in Mülleimern zu deponieren.

Dort, so log der Anrufer, würden sie später von Polizisten abgeholt. Die Vermögenswerte seien dann in sicheren Händen. Viele gutgläubige Menschen fielen auf diese Lügengeschichte herein.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Hannover operierten die Hintermänner der Bande von der Türkei aus. Die „Logistiker“ – so werden die Täter genannt, die die Betrügereien vor Ort vorbereiten und steuern – und die „Abholer“ wohnen und treiben ihr Unwesen in Deutschland.

Nach Informationen der Dewezet sind die Verdächtigen, die nun vor Gericht stehen, bei Ermittlungen zu Wohnungseinbrüchen ins Visier der Fahnder geraten.

An der großangelegten Festnahmeaktion waren am 11. September 2018 neben Ermittlern des Zentralen Kriminaldienstes aus Hameln und Hundeführern der Polizeidirektion Göttingen auch Spezialeinheiten der Bereitschaftspolizei Niedersachsen beteiligt, die auf Festnahmen gefährlicher Personen und auf die Sicherung von Beweismitteln spezialisiert sind.



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