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Fahrer festgenommen / Er soll vorsätzlich gehandelt haben

Auto rast in Karnevalsumzug - 30 Verletzte, auch Kinder

VOLKMARSEN. Beim Rosenmontagszug in Volkmarsen ist ein Auto in eine Menschenmenge gefahren. Dutzende Menschen wurden verletzt - auch Kinder. Die Polizei geht davon aus, dass der Fahrer sein Auto absichtlich in die Menge steuerte. Hinweise auf eine politisch motivierte Straftat lagen aber zunächst nicht vor. Alle Rosenmontagsumzüge in Hessen wurden abgebrochen.

veröffentlicht am 24.02.2020 um 15:53 Uhr
aktualisiert am 24.02.2020 um 19:26 Uhr

  • Autofahrer rast bei Rosenmontagsumzug in Volkmarsen (Landkreis Waldeck-Frankenberg) in Menschenmenge.
  • Die Polizei geht von Vorsatz, aber nicht von einem Anschlag. Das hessische Innenministerium schließt dagegen einen Anschlag nicht aus.
  • 30 Verletzte, davon 7 schwer verletzt - unter ihnen auch Kinder.
  • offenbar keine Toten.
  • Fahrer des Pkws festgenommen: 29-jähriger Deutscher aus der Region.
  • alle Rosenmontagszüge in Hessen abgebrochen.

Ein Anschlag kann nach Angaben des hessischen Innenministeriums nicht ausgeschlossen werden. Ein Sprecher der Behörde begründete das am Montag mit der Situation vor Ort. Zuvor hatte ein Polizeisprecher in Volkmarsen gesagt: "Wir gehen nicht von einem Anschlag aus. Wir gehen von einem vorsätzlichen Tatgeschehen aus."

30 Menschen seien verletzt worden, sieben davon schwer, sagte Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill am Montag. Darunter seien auch Kinder. Der Fahrer wurde festgenommen, er ist nach Informationen der Ermittler deutscher Staatsbürger, 29 Jahre alt und kommt aus dem Umfeld. Er ist nach Informationen des hessischen Innenministeriums zurzeit nicht vernehmungsfähig.

Zu den Hintergründen gab es zunächst keine Informationen. Nach den bisherigen Erkenntnissen des hessischen Innenministeriums fuhr der Mann mit hoher Geschwindigkeit. Die Polizei war nach dem Vorfall mit einem großen Aufgebot vor Ort. Es wurde umgehend eine "besondere Aufbauorganisation" im Polizeipräsidium Frankfurt eingesetzt, von dort wird die Lage geführt. Aus Sicherheitsgründen sollten am Montag keine weiteren Faschingsumzüge mehr stattfinden. Die polizeiliche Präsenz wurde hessenweit verstärkt.

Feuerwehr und Polizei sind mit einem Großaufgebot vor Ort. Foto: Uwe Zucchi/dpa

Mit hoher Geschwindigkeit gegen 14.30 Uhr in Menschenmenge

Die Zeitung "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" berichtete, Zeugen hätten geschildert, dass der Fahrer die Absperrung umgangen habe und dann mit Vollgas auf die Menschenmenge zugerast sei. Die Zeugen hätten den Eindruck gehabt, dass der Fahrer es vor allem auf Kinder abgesehen hatte. Von der Polizei gab es dazu keine Angaben.

Den Autofahrer werde man nun befragen, hieß es von der Polizei weiter. Ein Zeuge berichtete laut «Bild»-Zeitung, erboste Menschen seien am Tatort mit erhobenen Fäusten auf den Fahrer zugelaufen, die Polizei habe ihn schützen müssen.

Rosenmontagszüge abgebrochen

Das Polizeipräsidium Frankfurt bezeichnete die Absage der laufenden Umzüge als Vorsichtsmaßnahme. Wie viele Umzüge betroffen seien, sei derzeit unklar. Ob die für morgen geplanten Veranstaltungen im Straßenkarneval stattfinden können, sei noch nicht entschieden, sagte ein Sprecher.

Die Polizei Nordhessen hat nach dem Zwischenfall ein Hinweisportal eingerichtet. Man appelliere an alle, die Bilder und Videos aus Volkmarsen haben, sich mit Spekulationen zurückzuhalten und keine dieser Aufnahmen zu verbreiteten, teilte die Polizei Nordhessen am Montag auf Twitter mit. dpa

Die Polizei informiert auch bei Twitter

Information

Vorfälle mit Autos, die in Menschengruppen gesteuert wurden

Schon öfter sind Menschen in Deutschland mit einem Auto in Menschengruppen gerast. Der Hintergrund reicht von versuchtem Selbstmord über psychische Erkrankung bis hin zum Anschlag. Einige Beispiele:

Bottrop/Essen, Silvester 2018/2019: Ein Rechtsradikaler steuert sein Auto an beiden Orten in feiernde Menschen, die er für Ausländer hält. Insgesamt gibt es 14 Verletzte. Ein Gericht wertet die Taten unter anderem als Mordversuch. Der Deutsche kommt in die geschlossene Psychiatrie.

Münster, April 2018: Ein 48-Jähriger steuert einen Campingbus in eine Menschenmenge. Vier Passanten sterben, der Täter erschießt sich. Nach Erkenntnissen der Polizei handelte der Mann in Selbstmordabsicht.

Cuxhaven, November 2017: Ein Mann rast mit einem Auto in eine Menschengruppe - was anfangs an einen Terroranschlag erinnert, ist eine Trunkenheitsfahrt. Sieben Menschen werden teils schwer verletzt. Der Syrer wird zu vier Jahren Haft verurteilt.

Heidelberg, Februar 2017: Ein Mann fährt mit einem Wagen in Passanten, es gibt einen Toten. Der vermutlich psychisch kranke Fahrer flieht, Polizisten strecken ihn mit einem Bauchschuss nieder. Der Deutsche kommt in eine Psychiatrie.

Berlin, Dezember 2016: Mit einem gekaperten Sattelzug steuert Anis Amri in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Er tötet insgesamt zwölf Menschen und verletzt Dutzende. Der Tunesier wird auf seiner Flucht in Italien von der Polizei erschossen.



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