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Drei Männer wollten Hamelner Geschäftsmann um Millionen bringen

Auto aus Frankreich gestoppt: Betrügerbande festgenommen

Hameln/Steinbergen. Die Polizei Hameln hat am Sonntag in Steinbergen drei Männer wegen Betrugs festgenommen. Die Männer sollen Mitglieder der international operierenden sogenannten Nigeria-Connection sein. Dabei handelt es sich um eine Bande, die sich auf Betrugsdelikte im großen Stil spezialisiert hat.

veröffentlicht am 16.11.2015 um 12:59 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 17:57 Uhr

Ulrich Behmann

Autor

Chefreporter zur Autorenseite

Es geht um faulen Zauber und um Märchen aus Tausendundeiner Nacht, aber auch um knallharten Betrug. Ein Geschäftsmann aus Hameln sollte um 500 000 Euro gebracht werden. Doch der 56-Jährige ließ sich nicht übers Ohr hauen. Er ging nur zum Schein auf den Deal ein. Maskierte Spezialkräfte der niedersächsischen Polizei stoppten am Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr auf der Bundesstraße 83 bei Steinbergen (Kreis Schaumburg) ein Auto mit französischen Kennzeichen und nahmen drei Männer vorläufig fest. Die Ermittler des für Betrugsdelikte zuständigen 3. Fachkommissariats des Zentralen Kriminaldienstes in Hameln gehen davon aus, dass die Verdächtigen Mitglieder der sogenannten Nigeria-Connection sind. Es handelt sich um eine international operierende Bande, die sich auf Betrügereien im großen Stil spezialisiert hat.
 Schwer bewaffnete Elitepolizisten führten einen 61-jährigen Belgier, einen 31-jährigen Niederländer und einen 38-jährigen Mann aus Liberia ab. Ihnen wird der Versuch eines banden- und gewerbsmäßigen Betrugs vorgeworfen. Das Trio soll mit dem sogenannten Wash-Wash-Trick versucht haben, den Hamelner um viel Geld zu bringen. „Hätten die Täter Erfolg gehabt, wäre dem Geschäftsmann ein Schaden in Höhe von einer halben Million Euro entstanden“, sagte am Montag Oberkommissar Jens Petersen.
 Nach Angaben der Polizeiinspektion Hameln glaubte das Hamelner Unternehmen lange Zeit, es habe im Jahr 2014 mit der Regierung von Nigeria einen Vertrag über den Bau eines Zementwerks geschlossen. Die Gesamtauftragssumme belief sich auf einen Euro-Betrag im dreistelligen Millionenbereich. Zwischen den Parteien wurde seinerzeit eine Anzahlung im unteren zweistelligen Millionenbereich vereinbart. Mehrfach fanden Treffen im In- und Ausland statt – Geld floss jedoch nicht.
 Am Sonntagmittag sollte ein weiteres Meeting stattfinden. Tatsächlich bekam der Geschäftsführer am Firmensitz Hameln Besuch von den drei Verdächtigen – angeblich wollten sie schon mal drei Millionen Euro anzahlen. Die Beschuldigten sollen dann aber versucht haben, den sogenannten „Wash-Wash-Trick“ anzuwenden. Das Trio zeigte dem Geschäftsinhaber zwei schwarz eingefärbte Geldscheine, die angeblich mit teuren Chemikalien gereinigt werden können. Vor den Augen des Hamelners führten sie dem Hamelner den faulen Zauber vor. „Schlafendes Geld“ sollte „zum Leben erweckt“ werden. Aus 100 Euro wurden wie durch ein Wunder 200 echte Euro. Dann kamen die Männer zur Sache: Nach Informationen der Dewezet hatten sie einen Aktenkoffer mit Tonpapier dabei. Sie versuchten dem Geschäftsmann vorzugaukeln, sie hätten schwarz eingefärbte Euro-Scheine im Wert von sechs Millionen Euro dabei. Diese müssten lediglich von ihm selbst gereinigt werden. Für die Tinktur sollen sie drei Millionen Euro verlangt haben. Nach kurzer Verhandlung erklärten sich die Beschuldigten schließlich bereit, die angebliche Wunder-Chemikalie für 500 000 Euro abzugeben.

Filmreife Festnahme
in Steinhagen

 Was die Betrüger nicht ahnten: Sie wurden bereits von Ermittlern der Hamelner Polizei observiert. Maskierte Polizisten eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) waren ihnen schon auf den Fersen. Die Spezialeinheit beobachtete auch, wie die Tatverdächtigen in einen Peugeot mit französischen Kennzeichen stiegen und wegfuhren. Offenbar wollte das Trio zur Autobahn. In Steinbergen erfolgte der filmreife Zugriff. Das Auto wurde von zivilen Streifenwagen eingekeilt, die Insassen aus dem Wagen geholt.
 Am Montag wurden die Tatverdächtigen jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt – „mangels ausreichender Haftgründe“, wie es hieß.
 Der „Wash-Wash-Trick“ ist nicht neu. Immer wieder fallen in Deutschland Menschen auf die wundersame Geldvermehrung rein. „Solche Fälle sind zwar nicht an der Tagesordnung. Wenn die Betrüger aber erfolgreich waren, ist die Schadenssumme hoch“, berichtet Polizeioberkommissarin Stefanie Weiß vom Landeskriminalamt Niedersachsen. „10 000 Euro sind da keine Seltenheit.“
 Die Täter treten in der Regel seriös und glaubwürdig auf. Sie haben auch schon gestandene Geschäftsleute aufs Kreuz gelegt. Gier schaltet offenbar manchmal den Verstand aus.
 Im Jahr 2000 wurde der „Wash-Wash-Trick“ vermutlich zum ersten Mal in Hameln praktiziert. Ein Kameruner und ein Libanese hatten seinerzeit versucht, einen heimischen Gebrauchtwagen-Händler abzuzocken. Der in teure Kleider von Armani und Versace gehüllte Schwarzafrikaner behaupte, er könne Geld vermehren. Bevor der Kaufmann um 100 000 Mark geprellt wurde, nahm die Polizei das Duo in Hameln fest.



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