weather-image
19°

Sechs Mitgliedern einer Großfamilie werden 20 Straftaten zur Last gelegt

Anklage nach Gewaltexzess vor Hamelner Klinik

HAMELN. Ein Tankstellenüberfall, ein Sturz aus dem Amtsgericht in Hameln und anschließende Tumulte vor dem Sana-Klinikum. An diese Ereignisse im Januar 2015 erinnern sich wohl noch viele. 20 Monate nach den blutigen Krawallen hat die Staatsanwaltschaft Hannover nun sechs Männer angeklagt.

veröffentlicht am 24.08.2016 um 19:05 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:00 Uhr

270_0900_10896_hm106_ube_2508.jpg
Ulrich Behmann

Autor

Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Die Szenen, die sich am 14. Januar 2015 vor dem Amtsgericht und vor dem Sana-Klinikum in Hameln abspielen, sorgten bundesweit für Schlagzeilen. Polizisten und Rettungskräfte bekamen an diesem Tag den Zorn von Angehörigen einer libanesischen Großfamilie zu spüren. Steine flogen, Pfefferspray wurde versprüht. Zahlreiche Menschen, vor allem Polizeibeamte, wurden verletzt, mehrere große Glasscheiben am Haupteingang des Krankenhauses gingen zu Bruch. In Kürze sollen sechs Männer (26, 26, 27, 30, 45, 49) dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Den Tumulten vorausgegangen war ein Todessturz am Amtsgericht Hameln. Ein mutmaßlicher Räuber (26) hatte auf der Flucht beim Fassadenklettern den Halt verloren. Der Hamelner stand im Verdacht, eine Tankstelle in Aerzen ausgeraubt zu haben. Nach seiner Festnahme hatten Polizisten den Verdächtigen zur Wache gebracht, wo ihn sein Bruder mit Gewalt aus dem Streifenwagen befreien wollte. Die Exzesse hatten Folgen: Die Polizei schützte wochenlang Gebäude und Personen, stürmte zehn Tage nach den Ausschreitungen sechs Wohnungen. Kriminaldirektor Ralf Leopold sprach seinerzeit von „einer Stadt im Ausnahmezustand“.

20 Monate nach den blutigen Krawallen hat die Staatsanwaltschaft Hannover sechs Männer angeklagt. Fünf Beschuldigte stammen aus Hameln, der sechste wohnt in Gladbeck. Der Bruder (26) des am Gericht in den Tod gestürzten mutmaßlichen Tankstellen-Räubers muss sich unter anderem wegen versuchter Gefangenenbefreiung verantworten. Es gehe um 20 Straftaten, die in wechselseitiger Beteiligung begangen worden sein sollen, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge am Mittwoch im Gespräch mit der Dewezet. Allen Angeklagten wird schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen. Aber auch Beleidigung, Bedrohungs- und Körperverletzungsdelikte sind in der Anklageschrift vermerkt. Wann der Prozess im Landgericht Hannover eröffnet wird, steht noch nicht fest. Nach Angaben des Oberstaatsanwalts sind am 13. und am 14. Januar 2015 insgesamt 24 Polizisten und sechs Unbeteiligte verletzt worden. Darunter war auch ein Oberkommissar aus Hameln, der von einem Stein am Kopf getroffen wurde. Er trug eine Platzwunde und eine Nasenbeinfraktur davon. Es sei eine „glückliche Fügung“, dass der Beamte keine bleibenden Schäden davongetragen habe, heißt es in der Anklageschrift.

Woher der Bruder des Festgenommenen wusste, wann der Verdächtige zur Polizeiwache gebracht wird, ist unbekannt. Fakt ist: Als der Streifenwagen am 13. Januar um 23.10 Uhr kurz vor dem Tor der Wache an der Lohstraße stoppte, war der damals 25-Jährige bereits dort und riss die Tür des Fahrzeugs auf.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt