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Im Prozess Höxter schildern Zeugen die letzten Stunden von Susanne F.

„Angelika W. hatte die Hosen an“

HÖXTER. Am Dienstag ist der Prozess um den Horror in Höxter fortgesetzt worden. Angehört wurde der Rettungsassistent, der das letzte Opfer, Susanne F., medizinisch versorgt hatte.

veröffentlicht am 21.02.2017 um 17:47 Uhr

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Als Wilfried und Angelika W. am 21. April 2016 den Rettungswagen rufen, hat der Horror in Höxter ein Ende. Das Ehepaar war mit seinem letzten Opfer, Susanne F., auf dem Weg in ein Krankenhaus kurz vor Bad Gandersheim mit einem Motorschaden liegengeblieben. Als die Rettungskräfte eintrafen, fanden sie auf der Rückbank des Wagens eine „krampfende Person“ vor. Das sagte am Dienstag laut Angaben der Neuen Westfälischen einer der Rettungsassistenten im Prozess gegen das sogenannte Folterpaar von Höxter aus.

Über Jahre sollen Wilfried und Angelika W. Frauen gequält und sie als Leibeigene gefügig gemacht haben. Der Vorwurf lautet gemeinschaftlicher Mord durch Unterlassen. Angelika W. werden außerdem versuchter Mord und Körperverletzung in fünf Fällen vorgeworfen, Wilfried W. Körperverletzung in 30 Fällen. Der Fall von Susanne F. brachte die Ermittlungen ins Rollen. Nachdem sie ihren Verletzungen erlegen war, durchsuchten Ermittler das Haus des Paares in Bosseborn/Höxter.

Susanne F., so schilderte es der Rettungsassistent, habe zusammengekauert auf dem Rücksitz gelegen, „total unterkühlt“. Erst als die Geschädigte aus dem Fahrzeug befreit worden war und schon im Rettungswagen lag, hätten sich zwei Personen, Wilfried und Angelika W., hinter dem Auto stehend bemerkbar gemacht. Der Zeuge habe sich zwar auf die Rettung des Opfers konzentriert. Aufgefallen sei allerdings das Desinteresse der zwei am Gesundheitszustand von Susanne F. „Angehörige sind normalerweise teilnahmsvoller. Hier kam gar nichts, das hat mich schon gewundert.“ Im Krankenhaus dann erlag Susanne F. ihren Verletzungen. Das Auto, mit dem sie transportiert worden war, hatten Wilfried und Angelika kurz zuvor in Petershagen für 750 Euro gekauft.

Die Verkäuferin des Autos schilderte gestern, dass sie das Gefühl hatte, Angelika W. habe „in der Beziehung die Hosen an“. Sie verhandelte über den Preis und setzte sich auch für eine Probefahrt hinters Steuer, während Wilfried sehr schweigsam gewesen sei. Auch Susanne F. sei bei dem Termin dabei gewesen – die Zeugin hielt sie damals noch für die Freundin des Angeklagten. Als man nach der Probefahrt wieder zu Hause ankam, „stieg das Liebespaar aus, ging ein Stück Richtung Laterne, umarmte und küsste sich da. Mit Angelika W. wurde ich handelseinig.“ Der Angeklagte habe einen sympathischen Eindruck gemacht.



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