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Polizei bildet Krisenstab / Spürhunde suchen nach Sprengstoff und Waffen

Amok-Alarm an Berufsschule

HAMELN. Nach einem anonymen Hinweis auf einen angeblich bevorstehenden Amoklauf ist die Eugen-Reintjes-Schule an der Breslauer Allee am frühen Freitagvormittag geräumt worden. Vor Beginn des Unterrichts war im Sekretariat der gewerblich-technischen Berufsschule des Landkreises Hameln-Pyrmont, die von 1700 jungen Leuten besucht wird, eine E-Mail eingegangen, deren Inhalt besorgniserregend war.

Autor

Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

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Umgehend wurde die Polizei informiert. In Abstimmung mit Schulleiter Johannes Stolle sei der Gebäudekomplex gegen 7.45 Uhr evakuiert worden, sagte Hauptkommissar Jörn Schedlitzki. „Die Räumung ist schnell und ohne Zwischenfälle verlaufen.“ Das Gros der Schüler sei erst gar nicht ins Haus gelassen worden. 300 Berufsschüler wurden vorübergehend in der Turnhalle der benachbarten Theodor-Heuss-Realschule untergebracht. Die Polizei zog alle verfügbaren Kräfte zusammen, umstellte die Schule, sperrte Straßen und setzte Sprengstoff-Spürhunde, die von nah und fern mit Blaulicht und Sirene nach Hameln gebracht worden waren, ein. Vor der Berufsschule waren auch Polizeibeamte mit Maschinenpistolen zu sehen. Sämtliche Zufahrtsstraßen wurden abgeriegelt, Einsatzbeamte leiteten den Verkehr um.

In der Wache an der Lohstraße bildete derweil Dienstabteilungsleiter Siegfried Motzner eine sogenannte „Besondere Aufbauorganisation“ (BAO). Die Leitung des 16-köpfigen Krisenstabs wurde kurz darauf von Kriminaldirektor Ralf Leopold, Leiter der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden, übernommen. „Wir haben das Schreiben analysiert, die Glaubwürdigkeit der Aussagen bewertet und sind zu dem Schluss gekommen, dass man die Drohung ernst nehmen muss“, sagte Leopold. Die Inspektion richtete sich auf einen längeren Einsatz ein. Um 9.45 Uhr ließ Schulleiter Stolle den Unterricht für den Rest des Tages ausfallen.

Stundenlang versuchten Sprengstoff-Spürhunde auf Fluren, in Klassenräumen und in Werkstätten Explosivstoffe, Waffen oder Munition zu erschnüffeln. Erst um 13.30 Uhr wurden die umfangreichen Durchsuchungsmaßnahmen beendet. Man habe weder verdächtige Personen noch gefährliche Gegenstände entdeckt, hieß es. Gegen den bislang unbekannten Verfasser der Amok-Ankündigung werde wegen eines Straftatbestandes (Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten) ermittelt. Das Gesetz sieht dafür eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. „Neben strafrechtlichen Konsequenzen muss der Verursacher damit rechnen, dass er für die erheblichen Einsatzkosten aufkommen muss“, sagte Schedlitzki.

  • Foto: ube
  • Foto: ube

Kriminaldirektor Ralf Leopold verurteilte die Tat scharf. Im Gespräch mit der Dewezet sagte der Polizeichef: „Es ist verabscheuenswürdig, Menschen auf diese Art und Weise in Angst und Schrecken zu versetzen.“ Man werde nichts unversucht lassen, den Täter zu überführen. „Das lassen wir ganz sicher nicht einfach auf sich beruhen. Dieser Straftat werden wir nachhaltig nachgehen.“ Bei einer Einsatzlage, die unklar sei, mache er sich stets Sorgen um Schüler, Lehrer und die Kräfte der Polizei. „Wir haben es mit einem Täter zu tun, der glaubt, er müsse sich auf Kosten anderer profilieren“, sagte Leopold. So etwas werde man nicht zulassen.

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