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Fön zum Wäschetrocknen auf Bett gelegt

Altstadt-Feuer: Brandursache scheint geklärt

HAMELN. Der Mieter (58), in dessen Altstadt-Wohnung am Mittwochabend gegen 20 Uhr ein Feuer ausgebrochen ist, das ihn und fünf weitere Hausbewohner (26, 49, 57, 58, 59) in Lebensgefahr gebracht hat, soll den Brand durch Gedankenlosigkeit selbst verursacht haben. Nach Informationen der Dewezet hat der Mann ausgesagt, er habe stundenlang seine feuchte Wäsche mit einem Fön getrocknet und beim Austreten diesen angeschaltet auf dem Bett zurückgelassen.

veröffentlicht am 31.08.2017 um 11:00 Uhr

Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Als der Hamelner in sein Wohn- und Schlafzimmer zurückkehrte, stand bereits das Bett in Flammen. Eigene Löschversuche scheiterten.

Die Feuerwehr wurde um 20.05 Uhr alarmiert. Es hieß: In einem Haus „In den Hofstätten“ piepten Rauchmelder, es rieche nach Feuer. Als der Löschzug der Wachbereitschaft in der Baustraße eintraf, liefen Brandamtmann Thomas Breitkopf und Hauptbrandmeister Karl Friedrich Coerdt sofort zur Rückseite des Gebäudes. Zu diesem Zeitpunkt war nur sehr wenig Qualm zu sehen. War etwa wieder einmal angebranntes Essen die Ursache für den Alarm? Dagegen sprach, dass es nach verbranntem Kunststoff roch. Plötzlich kam jemand auf das Erkundungsteam zugelaufen. „Da ist noch jemand in der Wohnung drin!“

Während Coerdt die Tanklöschfahrzeug-Besatzung auf den Hinterhof lotste, ging Breitkopf in das Fachwerkhaus. In der ersten Etage stand eine Tür auf. Schwarzer, heißer, beißender Qualm sammelte sich im Treppenraum. „Ich musste kriechen“, sagt Breitkopf. „Die Rauchgrenze befand sich bereits in Höhe der Türklinke.“ Im Korridor entdeckte der Einsatzleiter einen zusammengesackten nackten Mann. Seine Haut war zum Teil rußgeschwärzt, hinter ihm waren Flammen zu sehen. Auf den Schultern des Mieters lag ein Sweatshirt. Breitkopf musste den Verletzten aus der völlig verqualmten Wohnung zerren. Der Mann wollte nicht nach draußen gehen, weil er keine Kleidung trug. Er war sich offenbar nicht bewusst, dass er dem Tod sehr nahe war. Oder doch? Auf dem Weg durchs Treppenhaus sagte er: „Hier explodiert gleich alles.“

Ein Rettungsteam kümmerte sich um den Hamelner, der offenbar Brandwunden und eine Rauchgasvergiftung erlitten hatte. Ein mit schwerem Atemschutz ausgerüsteter Rettungstrupp suchte in dem dichten Qualm nach möglichen weiteren Opfern. Es war extrem heiß, für die Männer sehr gefährlich und eine extreme körperliche Belastung. Der Temperaturmesser der Wärmebildkamera zeigte Hauptbrandmeister Michael Wömpener an, dass der Fußboden der Brandwohnung 600 Grad Celsius heiß war.

Das Objekt besteht aus zwei aneinandergebauten Häusern. Am Pferdemarkt befindet sich das Café Relax, im hinteren Gebäude an der Straße „In den Hofstätten“ sind die meisten Wohnungen. Als Breitkopf sah, dass auf der Vorderseite zwei Mieter an den Fenstern standen, ließ er die Drehleiter kommen und eine Steckleiter anstellen. Aus der ersten Etage wurde eine Frau, aus dem Dachgeschoss ein Mann gerettet. Der 26-Jährige hatte bereits giftige Brandgase eingeatmet, weil Rauch durch den Türschlitz in seine Wohnung gewabert war. Nach Angaben des Ärztlichen Leiters „Rettungsdienst“, Dr. Jörg Meckelburg, wurden fünf Menschen behandelt, drei davon ins Krankenhaus eingeliefert.

Das Haus sei derzeit unbewohnbar, sagte Hauptkommissar Jörn Schedlitzki. Der Schaden wird auf mehr als 100000 Euro geschätzt. Die Polizei ermittelt gegen den 58-Jährigen wegen fahrlässiger Brandstiftung.



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