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Zwei Jahre und neun Monate – Gericht ordnet Maßregelvollzug an

Altstadt-Brandstifter verurteilt

HESSISCH OLDENDORF. Der Mann, der im September 2018 in der Altstadt von Hessisch Oldendorf ein Feuer gelegt hat, ist vom Schöffengericht Hameln zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden – wegen schwerer Brandstiftung. Das Gericht ordnete zudem die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

veröffentlicht am 22.03.2019 um 12:40 Uhr

16. September 2018 – nächtliches Feuer in der Altstadt von Hessisch Oldendorf. Der Mann, der den Großbrand verursacht hat, ist jetzt vom Schöffengericht wegen schwerer Brandstiftung verurteilt worden. Foto: leo
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Das Gericht unter Vorsitz von Richter Ulrich Schöpe ordnete zudem die Unterbringung des vorbestraften Hessisch Oldendorfers in einer Entziehungsanstalt an. Für Daniel W. bedeutet das: Er wird alsbald aus der Strafhaft entlassen und in den Maßregelvollzug gebracht. In einer Klinik für Forensische Psychiatrie sollen sein Alkoholproblem und seine „mittelgradige Depression“ behandelt werden. Gutachter Dr. Ulrich Diekmann hatte das angeregt.

Der vom Gericht bestellte Psychiater geht davon aus, dass Daniel W. ein Impulstäter ist. Damit ist ein impulsiv handelnder Mensch gemeint, der sich aufgrund seiner speziellen Persönlichkeit, einer psychischen Erkrankung oder durch seine Alkohol- oder Drogensucht in bestimmten Situationen nicht im Griff hat. Zur Tatzeit soll Daniel W. mehr als 1,7 Promille Alkohol im Blut gehabt haben.

Das Schöffengericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft Hannover. Strafverteidiger Roman von Alvensleben war während seines Plädoyers anzumerken, dass er zufrieden mit den Forderungen der Behörde ist. Er weiß: Für seinen Mandanten hätte es viel schlimmer kommen können, denn: Die Polizei war damals von einem „Racheakt“ ausgegangen, und die Staatsanwaltschaft hatte gegen den 30-Jährigen ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten Mordes und wegen schwerer Brandstiftung eingeleitet. In der Anklageschrift war später nichts mehr von einem versuchten Tötungsdelikt zu hören.

Man konnte Daniel W. offenbar nicht mit der dafür erforderlichen Sicherheit nachweisen, dass er in jener Nacht einen Tötungsvorsatz hatte oder den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen hat. Zudem hatte Daniel W. schon zu einem frühen Zeitpunkt bei der Polizei ausgesagt, er habe das Feuer gelegt, weil er sich in den Flammen umbringen wollte – vermutlich aus verschmähter Liebe. Aus abgefangenen Briefen, die er während der Untersuchungshaft an seine Mutter geschrieben hat, geht hervor, dass er sich in der Tatnacht tatsächlich mit dem Gedanken trug, sich selbst zu verbrennen. Ob das der Wahrheit entspricht, weiß nur Daniel W.

Fakt ist: Der 30-Jährige hat kurz vor Ausbruch des Feuers gegen seine Angebetete Todesdrohungen à la „Komm runter oder ich bringe dich um!“ ausgestoßen und wenig später in der Nähe des Hauses, in dem die 16-Jährige wohnt, auf einem Innenhof einen Haufen Sperrmüll mit Spiritus bespritzt und angezündet. Das blieb nicht ohne Folgen: Matratzen, Spanplatten, Kleidung und Hausrat brannten kurz darauf lichterloh – und das zu nachtschlafender Zeit. Die Flammen breiteten sich rasend schnell aus, züngelten an einer Fassade empor und zerstörten ein Wohn- und Geschäftshaus an der Langen Straße. Giftiger Qualm zog in ein bewohntes Nachbargebäude. Der Brand löste einen Großeinsatz der Feuerwehr und der Rettungsdienste aus.

Verteidiger Roman von Alvensleben weiß: Wäre sein Mandant vor dem Schwurgericht Hannover gelandet und dort wegen versuchten Mordes verurteilt worden, hätte ihm lebenslange Haft gedroht. Er wünschte seinem Mandanten während des Plädoyers, dass er die Chance, die ihm die Justiz geben möge, nutzt, um ein besserer Mensch zu werden. Dem Antrag der Staatsanwaltschaft schloss er sich an. Der Angeklagte hatte – wie immer – das letzte Wort. Es tue ihm leid, was er getan habe, sagte er. Daniel W. versprach, die Chance – sollte sie ihm vom Gericht gegeben werden – zu nutzen. Er wolle nie wieder vor Gericht stehen. Ob das klappt? Nicht jeder im Saal mochte das glauben, denn der Wiederholungstäter ist schon häufig mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und immer wieder rückfällig geworden. In seinem Bundeszentralregister-Auszug wurden zwischen 2007 und 2012 zehn Einträge aufgelistet – es geht um Diebstahl, Hehlerei, Sachbeschädigung, Körperverletzung, Bedrohung und gemeinschaftliche Brandstiftung. Nun kommt schwere Brandstiftung hinzu.



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