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Polizei spricht von brenzliger Situation

Als IS-Kämpfer verkleideter Schüler löst Großeinsatz aus

Hameln. Ein als Dschihadist verkleideter Schüler aus dem Kreis Holzminden hat am Dienstag in Hameln einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Der Wagen, in dem der 18-Jährige saß, war anderen Autofahrern aufgefallen. Sie hatten der Leitstelle einen Beifahrer mit Kopftuch und Vollbart gemeldet, der eine große Schusswaffe aus dem Fenster gehalten habe.

veröffentlicht am 16.03.2016 um 15:55 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

Ulrich Behmann

Autor

Chefreporter zur Autorenseite

Ein als Dschihadist verkleideter junger Mann aus dem Nachbarlandkreis Holzminden hat am Dienstagnachmittag in Hameln einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. An seiner Schule soll sich der 18-Jährige aus Hehlen zuvor an einer Motto-Woche mit dem Thema „Gut und Böse“ beteiligt haben. Nach Angaben der Polizei hatte er sich olivgrüne "militärähnliche Kleidung" und Springerstiefel angezogen. Er habe ausgesehen, wie ein „islamistischer Kämpfer“. „Der Schüler mit dem langen Bart habe eine schwarze Brille getragen und sich ein Palästinenser-Tuch um den Kopf gewickelt“, hieß es. Der Wagen, in dem er als Beifahrer saß, war anderen Autofahrern gegen 15.30 Uhr im Stadtgebiet aufgefallen. Eine Frau wählte den Notruf und meldete der Leitstelle, sie hätte einen Fahrzeuginsassen mit Kopftuch und Vollbart gesehen, der eine große Schusswaffe aus dem Fenster gehalten habe. Der Lauf sei nach oben gerichtet gewesen. Später ging noch ein zweiter Notruf ein. Das verdächtige Auto fuhr über die Thiewallbrücke stadtauswärts. Es wurde von einem Zeugen verfolgt. Die Inspektion nahm die Hinweise ernst, löste eine Fahndung nach dem Auto aus, in dem sich die bewaffnete Person befinden sollte. Starke Kräfte wurden zusammengezogen. In der Ortsdurchfahrt von Hehlen (B83) erfolgte der spektakuläre Zugriff. Das mit einer Frau (18) und zwei Männern (18, 19) besetzte Fahrzeug wurde gestoppt, Polzisten nahmen die Insassen vorläufig fest. Oberkommissar Jens Petersen sagt, seine Kollegen hätten dabei eine „entschlossene Schießhaltung“ eingenommen. Soll heißen: Die Beamten hatten ihre Dienstwaffen gezogen. Sie holten die Verdächtigen aus dem Wagen, brachten sie zu Boden und legten ihnen dort Handschellen an. Schnell stellte sich heraus, dass es sich nicht um gefährliche Extremisten, sondern um harmlose Schüler handelt. Sie waren sich offenbar nicht bewusst, in welche Gefahr sie sich gebracht hatten. „Wir haben eine Maschinenpistole und eine Pistole gefunden. Beide sehen täuschend echt aus. Es handelt sich jedoch um Softair-Waffen“, sagte Petersen.

„Wer mit solchen Waffen herumläuft und sich dazu auch noch verdächtig verhält, muss damit rechnen, dass Beamte unter Umständen von der Schusswaffe Gebrauch machen“, sagte ein Ermittler. „Das ist kein Spaß.“ Geprüft werde, ob dem 18-Jährigen die Kosten für den Großeinsatz in Rechnung gestellt werden. Er muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen: Die Ermittler haben Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz und wegen Verdachts der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhen von Straftaten eingeleitet. 

Die Polizei kritisiert das Verhalten des 18-Jährigen. "Die Anrufer waren der Ansicht, bei dem Schüler handele es sich um einen bewaffneten salafistischen Kämpfer. Das Verhalten des Gymnasiasten habe nichts mehr mit einem Scherz zu tun. "Die Anschläge von Paris, die Absage des Länderspiels in Hannover aufgrund einer konkreten Terrordrohung, der vermutlich islamistisch motivierte Angriff auf einen Beamten der Bundespolizei ebenfalls in Hannover und verschiedene weitere gleichgelagerte Taten sind in der Öffentlichkeit, aber auch bei jedem Polizeibeamten derzeit sehr präsent. In dieser Situation sollte jedem klar sein, dass man mit diesem Thema im öffentlichen Raum nicht scherzt. Wer sich dennoch dazu verleiten lässt, muss mit einem konsequenten Vorgehen der Polizei rechnen.", sagte Inspektionsleiter Ralf Leopold. Sogenannte Anscheinswaffen seien aus der Distanz selbst von geschulten Polizeibeamten kaum von einer echten Schusswaffe zu unterscheiden. Das Mitführen und Zeigen dieser Waffen könne neben der Begehung waffenrechtlicher Verstöße zu brenzligen Situationen führen, die schnell eskalieren können. "Dem besonnenen und bedachten Handeln der eingesetzten Polizisten ist es verdanken, dass die zunächst unklare Lage ohne Zwischenfälle geklärt werden konnte." 



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