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Nach zwei massiven Ausrastern vor Gericht

Alkoholisierter Angreifer vermindert schuldfähig?

HANNOVER / BAD PYRMONT. Die Kopfwunde des Opfers musste am Morgen des 2. Juli 2017 im Krankenhaus mit vier Stichen genäht werden. Seine Augen waren infolge der offenbar massiven Gewalteinwirkung auf seinen Kopf noch Tage später zugeschwollen. Sein mutmaßlicher Angreifer (37) steht seit Donnerstag vor Gericht.

veröffentlicht am 04.01.2018 um 21:30 Uhr
aktualisiert am 05.01.2018 um 09:10 Uhr

Richter Christoph Müller machte mit der Pyrmonter Klage eine neue Erfahrung: „Einen solchen Fall hatte ich noch nicht“, sagte er im Nachgang des Gerichtstermins in Hameln. Symbolfoto: dpa
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Zuvor soll der damals 53 Jahre alte Mann auf der Lortzingstraße im Zuge eines eskalierenden Streits nach einem Kneipenbesuch von einem 37-Jährigen geschlagen und massiv gegen den Kopf getreten worden sein, als er schon am Boden lag. Eine Videokamera zeichnete die Gewalttat auf.

Von der Polizei hieß es damals, die Ermittler hätten auf dem Film den gesamten Tatablauf sehen können. Wegen des auf den Bildern erkennbaren brutalen Vorgehens des Tatverdächtigen wurde das vom Opfer zunächst als Körperverletzung angezeigte Delikt anschließend als versuchte Tötung angeklagt.

Seit Donnerstag steht der mutmaßliche Aggressor nun vor Gericht. Vor dem Schwurgericht der 13. Großen Strafkammer des Landgerichts Hannover unter Vorsitz von Richter Wolfgang Rosenbusch muss sich Roudi H. wegen versuchten Totschlags verantworten. Das damalige Opfer tritt im Prozess als Nebenkläger auf.

Die Beweisaufnahme begann am Donnerstag mit der Befragung mehrerer Zeugen, die sich zur Zeit der eskalierenden Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern am Tatort aufgehalten hatten. Im Mittelpunkt der Verhandlung stand aber die Anhörung des psychiatrischen Sachverständigen Dr. med. Ulrich Diekmann. Insbesondere auf Basis seiner Einschätzung wird das Gericht die Frage der Steuerungsfähigkeit des seit 2015 in Deutschland lebenden Angeklagten zu klären haben.

Der Gutachter geht laut Gerichtssprecher Hans-Christian Rümke von verminderter Schuldfähigkeit aus. Denn sowohl die Tat vom 2. Juli 2017 als auch eine ebenfalls in diesem Verfahren angeklagte Tat vom 11. September 2016 (wir berichteten) soll der Mann nach reichlichem Alkoholkonsum begangen haben. Das könnte einerseits auf mildernde Umstände hindeuten. Trinkt jemand allerdings viel Alkohol, obwohl er weiß, dass er dann nicht mehr Herr seiner Sinne ist, kann auch das Folgen haben. Möglich also, dass das Gericht in seinem Urteil einen Alkoholentzug anordnet.

Am heute um 9 Uhr beginnenden zweiten Verhandlungstag soll die Beweisaufnahme mit der Anhörung weiterer Zeugen abgeschlossen werden, wie Richter Rümke auf Anfrage weiter erklärte.

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