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Große Betroffenheit in Herderschule

30-Jähriger in Flüchtlingsunterkunft erstochen

BÜCKEBURG. In der Nacht zu Freitag wurde in der ehemaligen Herderschule in Bückeburg ein Asylbewerber mit einem Messer tödlich verletzt. Kurz vor 23 Uhr alarmierte der DRK-Sicherheitsdienst die Polizei. Rettungskräfte und Notarzt konnten den 30-jährigen Ivorer (Elfenbeinküste) nicht retten.

veröffentlicht am 01.09.2017 um 06:37 Uhr
aktualisiert am 01.09.2017 um 19:07 Uhr

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Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
Die Polizei nahm noch in der Nacht die Ermittlungen in der Flüchtlingsunterkunft auf, befragte Zeugen und nahm Fingerabdrücke. Eine Mordkommission wurde eingesetzt.

Am nächsten Morgen sitzt der Schock Bewohnern und Betreuern noch merklich in den Knochen. Gerade hat ein Mitarbeiter Fotos des 30-Jährigen ausgedruckt. Sie zeigen ihn lachend beim Kaffeetrinken. „Er war sehr beliebt“, berichtet Awo-Mitarbeiter Hamadi Hammami.

Djibril (Name geändert) hätte heute eigentlich einen Termin bei der IHK, er hat gerade einen Ausbildungsplatz als Goldschmied gefunden. Er und der 30-Jährige waren eng befreundet, beide arbeiteten als Hilfshausmeister in der Flüchtlingsunterkunft. „Er wollte hier leben, sich integrieren und arbeiten“, sagt er über den Verstorbenen. Demnächst hätte er einen neuen Deutschkurs besuchen sollen.

Auch Bacary (Name geändert) ist schwer getroffen, seine Augen sind noch verweint. „Wir kannten uns lange“, berichtet „Er war ein guter Mensch.“ Bacary spricht bereits verhältnismäßig gut deutsch. Er wohnt und arbeitet eigentlich in Rinteln und fuhr mit dem Fahrrad sofort nach Bückeburg, als er die Nachricht bekam. „Ich weiß nicht wieso das passiert ist.“

Nicht nur Bacary, alle Bewohner und Mitarbeiter stellen sich derzeit diese Frage: Was ist gestern Nacht geschehen? Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Der Leichnam des 30-Jährigen wurde bereits obduziert. Allerdings sei man dadurch nicht viel schlauer geworden, erklärt Nils-Holger Dreißig, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, auf Nachfrage. Es könne nicht ausgeschlossen werden, ob es sich um Selbstmord handle. Dennoch wurde eine Mordkommission eingesetzt. Nach Informationen unserer Zeitung wurde auch die mutmaßliche Mordwaffe – ein Messer – bereits sichergestellt. Dreißig konnte das auf Nachfrage nicht bestätigen. Zeugen wurden bereits vernommen, teilweise wurden auch Fingerabdrücke abgenommen. Einen Mordverdächtigen gibt es bisher nicht, es wurde auch niemand festgenommen.

Auch bei den Betreuern der Unterkunft des Landkreises Schaumburg ist die Trauer groß. Viele kannten den Mann seit Monaten. Eigentlich war für den gestrigen Tag ein Betriebsausflug angesetzt. „Aber wir sind natürlich nicht gefahren“, erklärt Heidemarie Hanauske, Geschäftsführerin der Awo. Auch Einrichtungsleiter Heiner Hoppe musste die Nachricht erst einmal verdauen. „Wir haben aufgehört zu spekulieren“, sagt er. „Das zieht einen nur noch weiter runter.“

Jetzt gehe es darum, den betroffenen Bewohnern ein offenes Ohr zu schenken. Viele kannten den Toten seit langer Zeit. Er lebte bereits seit etwa anderthalb Jahren in der Herderschule. „Er war einer der ersten Afrikaner, die hier ankamen“, erinnert sich Hammami. „Und er hat zu Arbeiten nie ,nein‘ gesagt.“ Beim Erhalt der Nachricht habe er einen richtigen Schock bekommen, „und selbst meine Frau, obwohl sie nicht hier arbeitet“. Auch unter den etwa 50 Bewohnern herrsche eine sehr bedrückte Stimmung, „heute ist ja auch noch Opferfest, aber nach Feiern ist hier niemandem mehr zumute.“

Wobei – so beobachtete Hammami – viele Afrikaner damit zumindest nach außen hin relativ ruhig umgingen. „Sie sind über tausende Kilometer hierher gereist, der Tod hat sie dabei begleitet“, erklärt Hammami. „Sie alle kamen mit dem Traum, hier anzukommen, zu arbeiten und Geld zu verdienen. Und irgendwann wieder zurückzukehren.“ Awo-Mitarbeiterin Stephanie Gerke berichtet, sie sei „traurig und wütend“ gewesen, als sie die Nachricht erhalten habe. Auch sie kannte den Mann, „er hatte hier nie Probleme.“ Nun warten alle auf weitere Erkenntnisse der Mordermittler. Nicht ausgeschlossen werden konnte bisher, ob es sich um einen Selbstmord handelte.

Sollte es sich aber um ein Tötungsdelikt gehandelt haben, stellt sich noch die Frage nach dem Tatort. Zwar wurde der tödlich verwundete Mann in der Herderschule gefunden, das heißt aber nicht notwendigerweise, dass er hier auch verletzt wurde. Landkreissprecher Klaus Heimann erklärt, dass für die nächsten Tage sowohl die Sozialarbeit als auch der Sicherheitsdienst in der Unterkunft verstärkt wurde. „Wir wollen die Bewohner mit der Situation nicht alleine lassen.“



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