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„Mord, Raub und Brandstiftung“

1,5 Jahre nach Leichenfund: Polizisten verhaften Hamelner

HAMELN. Mordermittler haben einen 37 Jahre alten Hamelner verhaftet. Er steht im Verdacht, einen Raubmord begangen zu haben. Entsprechende Informationen der Dewezet bestätigte am Freitagnachmittag Oberstaatsanwalt Thomas Klinge in Hannover. Es geht um den Fall der 49 Jahre alten Hamelnerin, deren verkohlte Leiche am Morgen des 17. März 2016 in einem Fachwerkhaus an der Baustraße gefunden wurde.

veröffentlicht am 21.10.2017 um 06:00 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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„Es besteht ein dringender Tatverdacht, die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, hieß es.  Ein Richter hatte bereits vor einigen Tagen einen Haftbefehl ausgestellt. Er musste nur noch vollstreckt werden. Dem Beschuldigten werden laut Staatsanwaltschaft Mord, Raub und schwere Brandstiftung vorgeworfen. Der Hamelner soll bei Vernehmungen mehrfach gelogen und sich in Widersprüche verstrickt haben. Ein Geständnis hat er offenbar bislang aber noch nicht abgelegt. Indizien, Beweise und Zeugenaussagen sprechen allerdings gegen ihn.

Schon vor einigen Monaten war der Mann ins Visier der Mordermittler geraten, aber nicht festgenommen worden. Offenbar reichten die von heimischen Kriminalisten und externen Forensikern zusammengetragenen Beweismittel zunächst nicht aus. Scheinbar ist den Frauen und Männern, die sich seit geraumer Zeit mit der Aufklärung des mysteriösen Kriminalfalls beschäftigen, in der Zwischenzeit der Durchbruch gelungen. Der Leichenfund hatte von Anfang an Rätsel aufgegeben. Die Beamten ermittelten zunächst in sämtliche Richtungen – sie prüften mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, ob der Brand in dem kleinen Fachwerkhaus durch einen technischen Defekt ausgelöst wurde. Bei ihren Nachforschungen stießen die Todesursachen-Ermittler allerdings auf Ungereimtheiten. „Es gibt mehrere Indizien, die darauf hindeuten, dass es sich um ein Kapitalverbrechen handeln könnte“, sagte der Leiter des unter anderem für Mord und Totschlag zuständigen 1. Fachkommissariats, Axel Brünger, bereits im Juni.

Bei dem Verhafteten handelt es sich um einen Bekannten der Frau. Sie hatte ihm im Jahr 2015 eine große Geldsumme geliehen, er war jedoch bis zu ihrem plötzlichen Tod nicht in der Lage, seine Schulden zurückzubezahlen. Wenige Tage vor dem rätselhaften Brandausbruch in der Altstadt forderte die Hamelnerin von dem Mann ihr Geld zurück – offenbar mit Nachdruck.

In der Wohnung der Frau wurden Spuren entdeckt, die belegen, dass der Tatverdächtige dort gewesen ist. Offenbar wurde dem Opfer Geld gestohlen, möglicherweise sogar geraubt, also mit Gewalt abgenommen. Der Hamelner, der Anfang 2016 chronisch pleite gewesen sein soll, hat plötzlich Geld auf sein Konto eingezahlt. Er behauptet, er habe das Geld geschenkt bekommen, der Gönner weiß jedoch nichts davon.

Die Polizei Hameln und die Staatsanwaltschaft Hannover hatten bereits kurz nach dem Leichenfund mehrere Sachverständige eingeschaltet. So wurden die heimischen Ermittler unter anderem von einer Brandursachen-Kommission unterstützt. Es handelt sich um eine kriminaltechnische Ermittlungsgruppe des Landeskriminalamts Niedersachsen – sie setzt sich aus Experten zusammen, die technische, chemische, physikalische und biologische Aspekte analysieren. Auch Rechtsmediziner aus Würzburg, die sich auf die Untersuchung von Brandwunden spezialisiert haben, haben sich mit dem äußerst mysteriösen Todesfall beschäftigt. Die Staatsanwaltschaft hat zusätzlich ein externes Sachverständigen-Büro, das sich auf Brandursachen-Forschung versteht, eingeschaltet. Es ging auch darum, herauszufinden, wie schnell bestimmte Stoffe verbrennen.

Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis ist die Hamelnerin „an den Folgen von Hitzeeinwirkung gestorben“. Das könnte bedeuten, dass die Frau nicht durch eine Rauchgasvergiftung ums Leben gekommen ist.

Als sich Feuerwehrleute Zugang zur Wohnung verschafften, fanden sie die Mieterin – sie lag brennend hinter der Tür. Nach Angaben der Polizei war die Leiche bereits „stark verkohlt“. Der Chef der Hausbewohnerin habe an diesem Donnerstagmorgen kurz nach halb acht einen Notruf abgesetzt, hieß es. Der Mann hatte sich Sorgen gemacht, weil seine Mitarbeiterin nicht zur Arbeit gekommen war. Er hatte geklingelt, das Piepen eines Rauchmelders gehört und der Leitstelle gemeldet: „Ich glaube, ich sehe da auch Qualm.“

Vermutlich ist die Frau brennend von der ersten Etage ins Erdgeschoss in Richtung Haustür gelaufen. Sonderbar: Die Leiche hat längere Zeit gebrannt. Benzin oder ähnliche Flüssigkeiten waren aber offenbar nicht im Spiel.

Zum jetzigen Zeitpunkt geben Polizei und Staatsanwaltschaft keine weiteren Details bekannt. Die Ermittler wollen sich nicht in die Karten schauen lassen. Letztlich entscheidet das Schwurgericht, ob es eine mögliche Anklage zulässt und ob die von der Polizei gesammelten Beweise für eine Verurteilung ausreichen. Es gilt – wie immer – die Unschuldsvermutung. Der 37-Jährige ist zu einem früheren Zeitpunkt mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und nach Angaben der Staatsanwaltschaft wegen einer kleineren Sache („nichts Einschlägiges“) verurteilt worden.

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