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Prozess im September / Rintelner in einem anderen Fall bereits verurteilt

118 000 Euro erpresst: Fußballspieler droht Hamelner mit Outing

WESERBERGLAND. Die beachtliche Summe von 118 000 Euro zahlte ein Hamelner an einen Rintelner Erpresser damit seine Familie nicht erfährt, dass er homosexuelle Neigungen hat. Der Betrag soll bei mehreren Übergaben an den Erpresser ausgehändigt worden sein. Bei der letzten Übergabe am Bahnhof in Rinteln war die Polizei mit vor Ort. Es war eine Überraschung: Der Erpresser war ein Fußballspieler des SC Rinteln.

veröffentlicht am 26.07.2016 um 12:25 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:45 Uhr

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Heute ist der 28-jährige ein Ex-SC-Fußballspieler. Bei einer Hausdurchsuchung entdeckte man im Zimmer seines Bruders eine fünfstellige Summe in Bar. Was auch den Bruder mit auf die Anklagebank bringt wegen Geldwäsche. Gegen die Brüder sollte eigentlich Mitte Juli vor dem Rintelner Amtsgericht verhandelt werden. Der Termin ist auf Anfang September verschoben worden. Der Hamelner ist Nebenkläger und soll gleichzeitig als Zeuge aussagen.

Es ist eine skurrile Geschichte, eine Geschichte, die sich in vergleichbarer Form ständig im Netz wiederholt: Der 28-Jährige soll Fotos von sich selbst und von Mannschaftskameraden, die er aus Whatsapp-Chats heruntergeladen hatte, auf die Seite der Kontaktbörse PlanetRomeo gestellt haben, einem Dating-Portal für Homosexuelle, das mit dem Satz wirbt: „Wonach bist du auf der Suche? Dates? Freunde? Liebe“. Dem Hamelner gefielen wohl die Fotos und die vermeintlichen Partner wohnten nicht weit weg. Man hat sich getroffen, der 28-Jährige gedroht, die Familie des Hamelners zu informieren.

Es scheint eine Masche gewesen zu sein, die auch woanders funktioniert hat. Zumindest ein Fall ist aktenkundig. So ist der Rintelner bereits im März dieses Jahres vom Schöffengericht Burgwedel zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden, weil er einen Mann aus der Wedemark mit der gleichen Masche erpresst hat. 2300 Euro hatte der zunächst für sein Schweigen bezahlt, ehe er sich zu einer Anzeige entschlossen hat.

Das Internetprotal PlanetRomeo (früher bekannt als GayRomeo) gilt als das größte deutschsprachige Chat- und Kontaktportal für Schwule, Bi- und Transsexuelle. Das Portal wurde unter anderem umbenannt, weil es inzwischen interational agiert und das Wort „gay“ in einigen Ländern gesperrt ist. Das Besondere: Das Portal kann in einer grafisch unauffälligen Version aufgerufen werden, was an Computerarbeitsplätzen, im Hotel oder Internetcafes nützlich ist. Pornografische Fotos werden dann ausgeblendet. Das Angebot hat einen entscheidenden Vorteil: Um andere Schwule zu finden, muss man nicht einmal mehr das Haus verlassen, sondern bewegt sich in der anonymen Masse des World Wide Web.

Auch im Vorfeld der Verhandlung in Rinteln gab es Überraschungen. So hatte Amtsrichter Christian Rost zwei Rintelner Anwälte als Pflichtverteidiger benannt, die beide aber darum baten, entpflichtet zu werden, was Rost ablehnte. In Zwischenzeit hatten die Angeklagten aber bereits mit einem Wahlverteidiger Kontakt aufgenommen. Unklar ist auch, ob die SC-Fußballer, deren Fotos unrechtmäßig verwendet worden sind, ebenfalls Anzeige erstattet haben. Es hält sich auch das Gerücht, dass nicht nur der Mann aus der Wedemark, und der Hamelner Opfer des 28-Jährigen waren. Aufgefallen ist nämlich dass der Ex-SC-Spieler auf großem Fuß gelebt hat, obwohl er arbeitslos war.

Der Hamelner Anwalt und Strafverteidiger Roman von Alvensleben, der den Hamelner anwaltlich vertritt, kann nur staunen, wie naiv sich sonst rationale Zeitgenossen im Internet verhalten. Denn Dating-Foren und Flirtportale sind für Betrüger geradezu perfekt zugeschnitten: Da sitzt einer seit drei Tagen ungewaschen vor dem PC und outet sich als James Bond.“. Die Falle ist hier der sorglose Umgang mit Foto-Sharing, Voting und Live-Chat.

Die Erpresser folgen meist einem simplen Muster: Auf Flirtportalen mit Live-Webcam verwickeln junge Männer (oder Frauen) den Kontaktsuchenden in einen heißen Erotik-Chat. Oft animieren sie so ihr Opfer, sich vor der Webcam auszuziehen. Dieser Chat wird aufgezeichnet. Dann wird dem Opfer erklärt, dass man sich jetzt doch über Facebook befreunden, Kontakt aufnehmen könnte. Die Falle schnappt zu. Das Opfer wird vor die Wahl gestellt, entweder zu zahlen oder das Video, die Fotos würden an alle Facebook-Freunde des Opfers geschickt oder auf YouTube veröffentlich.

2008 hat von Alvesleben einen Mann verteidigt, der ein 13-jähriges Mädchen über einen Internet-Chat dazu überredet hatte, ihn zu besuchen. Zum Glück ist nichts passiert. Demnächst fährt er in die Schweiz, hier hat eine 12-Jährige über das Internet auf einer Kinderplattform eindeutige Avancen erhalten. Seine Erfahrungen mit der Netzkriminalität hat von Alvensleben gemeinsam mit dem Diplom-Sozialarbeiter Thomas Ramm in einem Buch zusammen gefasst: „www wahnsinn, Expetition in die virtuelle Welt der Chats“. Es zeigt das Internet als eine Bühne für Frustrierte, Geile, Einsame, Kontaktscheue, Schüchterne, Neugierige und eben auch Kriminelle.RINTELN. Die beachtliche Summe von 118 000 Euro zahlte ein Hamelner an einen Rintelner Erpresser, damit seine Familie nicht erfahren sollte, dass er homoerotische Neigungen hat. So viel Geld zahlt man nicht aus der Portokasse und man muss viel Angst haben. Dieser Betrag soll in verschiedenen Beträgen bei mehreren Übergaben an den Erpresser ausgehändigt worden sein. Bei der letzten Übergabe am Bahnhof in Rinteln war die Polizei mit vor Ort. Es war eine Überraschung: Der Erpresser war ein Fußballspieler des SC Rinteln. Heute ist der 28-jährige ein Ex-SC-Fußballspieler. Bei einer Hausdurchsuchung entdeckte man im Zimmer seines Bruders eine fünfstellige Summe in bar. Was auch den Bruder mit auf die Anklagebank bringt – wegen Geldwäsche. Auch der Bruder ist angeklagt Gegen die Brüder sollte eigentlich Mitte Juli vor dem Rintelner Amtsgericht verhandelt werden. Der Termin ist auf Anfang September verschoben worden. Der Hamelner ist Nebenkläger und soll gleichzeitig als Zeuge aussagen.

Es ist eine skurrile Geschichte, eine Geschichte, die sich in vergleichbarer Form ständig im Netz wiederholt: Der 28-Jährige soll Fotos von sich selbst und von Mannschaftskameraden, die er aus Whatsapp-Chats heruntergeladen hatte, auf die Seite der Kontaktbörse PlanetRomeo gestellt haben, einem Dating-Portal für Homosexuelle, das mit dem Satz wirbt: „Wonach bist du auf der Suche? Dates? Freunde? Liebe?“

Dem Hamelner gefielen wohl die Fotos und die vermeintlichen Partner wohnten nicht weit weg. Man hat sich getroffen und der 28-Jährige drohte, die Familie des Hamelners zu informieren.

Es scheint eine Masche gewesen zu sein, die auch woanders funktioniert hat. Zumindest ein Fall ist aktenkundig. So ist der Rintelner bereits im März dieses Jahres vom Schöffengericht Burgwedel zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden, weil er einen Mann aus der Wedemark mit der gleichen Masche erpresst hat. 2300 Euro hatte der zunächst für sein Schweigen bezahlt, ehe er sich zu einer Anzeige entschlossen hat.

Das Internetprotal PlanetRomeo (früher bekannt als GayRomeo) gilt als das größte deutschsprachige Chat- und Kontaktportal für Schwule, Bi- und Transsexuelle. Das Portal wurde unter anderem umbenannt, weil es inzwischen international agiert und das Wort „gay“ in einigen Ländern gesperrt ist.

Das Besondere: Das Portal kann in einer grafisch unauffälligen Version aufgerufen werden, was an Computerarbeitsplätzen, im Hotel oder in Internetcafés nützlich ist. Pornografische Fotos werden dann ausgeblendet.

Das Angebot hat einen entscheidenden Vorteil: Um andere Schwule zu finden, muss man nicht einmal mehr das Haus verlassen, sondern bewegt sich in der anonymen Masse des World Wide Web.

Auch im Vorfeld der Verhandlung in Rinteln gab es Überraschungen. So hatte Amtsrichter Christian Rost zwei Rintelner Anwälte als Pflichtverteidiger benannt, die beide aber darum baten, entpflichtet zu werden, was Rost ablehnte. In der Zwischenzeit hatten die Angeklagten aber bereits mit einem Wahlverteidiger Kontakt aufgenommen.

Unklar ist auch, ob die SC-Fußballer, deren Fotos unrechtmäßig verwendet worden sind, ebenfalls Anzeige erstattet haben. Es hält sich auch das Gerücht, dass nicht nur der Mann aus der Wedemark und der Hamelner Opfer des 28-Jährigen waren. Aufgefallen ist nämlich, dass der Ex-SC-Spieler auf großem Fuß gelebt hat, obwohl er arbeitslos war. Der Hamelner Anwalt und Strafverteidiger Roman von Alvensleben, der den Hamelner anwaltlich vertritt, kann nur staunen, wie naiv sich sonst rationale Zeitgenossen im Internet verhalten. Denn Dating-Foren und Flirtportale sind für Betrüger geradezu perfekt zugeschnitten: „Da sitzt einer seit drei Tagen ungewaschen vor dem PC und outet sich als James Bond.“ Die Falle ist hier der sorglose Umgang mit Foto-Sharing, Voting und Live-Chat.

Die Erpresser folgen meist einem simplen Muster: Auf Flirtportalen mit Live-Webcam verwickeln junge Männer (oder Frauen) den Kontaktsuchenden in einen heißen Erotik-Chat. Oft animieren sie so ihr Opfer, sich vor der Webcam auszuziehen. Dieser Chat wird aufgezeichnet. Dann wird dem Opfer erklärt, dass man sich jetzt doch über Facebook befreunden, Kontakt aufnehmen könnte. Die Falle schnappt zu.

Das Opfer wird vor die Wahl gestellt, entweder zu zahlen oder das Video, die Fotos würden an alle Facebook-Freunde des Opfers geschickt oder auf YouTube veröffentlicht.

2008 hat von Alvesleben einen Mann verteidigt, der ein 13-jähriges Mädchen über einen Internet-Chat dazu überredet hatte, ihn zu besuchen. Zum Glück ist nichts passiert. Demnächst fährt er in die Schweiz. Dort hat eine Zwölfjährige über das Internet auf einer Kinderplattform eindeutige Avancen erhalten.

Seine Erfahrungen mit der Netzkriminalität hat von Alvensleben gemeinsam mit dem Diplom-Sozialarbeiter Thomas Ramm in einem Buch zusammengefasst: „w.w.Wahnsinnn. Eine Expedition in die virtuelle Welt der Chats“. Es zeigt das Internet als eine Bühne für Frustrierte, Geile, Einsame, Kontaktscheue, Schüchterne, Neugierige – aber eben auch für viele Kriminelle.



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