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Mutmaßliche Drogendealer sollen gut verdient haben – vor Gericht geht es um 512 Straftaten

0,5 Gramm Kokain für 50 Euro

HAMELN/HANNOVER. 512 Straftaten werden den mutmaßlichen Haupttäter Mark-Philipp P. (28) und Cumali S. (30) aus Hameln vorgeworfen. Sie sollen gewerbsmäßig mit Kokain und Marihuana gehandelt haben und mit ihren Drogengeschäften zigtausend Euro erwirtschaftet habe. Jetzt wird ihnen der Prozess gemacht.

veröffentlicht am 12.10.2018 um 16:23 Uhr
aktualisiert am 12.10.2018 um 19:50 Uhr

6. März: Polizeieinsatz an der Waterloostraße in Hameln. In einem Haus wird eine Wohnung durchsucht. Foto: fn
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Die Polizisten der Spezialeinheiten trugen Schutzhelme, waren schwer bewaffnet und hatten Rammen zum Aufstoßen von Türen dabei. Am 6. März, kurz vor 6 Uhr, gab der Einsatzleiter das Kommando zur Durchsuchung von 16 Wohnungen. 200 Beamte, darunter Drogenfahnder aus Hameln und auswärtige Experten, die sich auf die Festnahme von als gefährlich eingeschätzten Personen und die Sicherung von Beweismitteln verstehen, waren an diesem Morgen zeitgleich im Einsatz. 14 Rauschgiftspürhunde aus ganz Niedersachsen unterstützen die Kommissare. Einige der seinerzeit ins Visier der Fahnder geratenen Verdächtigen müssen sich derzeit vor dem Landgericht Hannover verantworten.

Die mutmaßlichen Haupttäter Mark-Philipp P. (28) und Cumali S. (30) aus Hameln sollen gewerbsmäßig mit Kokain und Marihuana gehandelt haben. Davon ist zumindest die Staatsanwaltschaft Hannover überzeugt. Oberstaatsanwältin Christin Stüven verlas zu Beginn des Mammutprozesses die Anklageschrift. Demzufolge sollen P. und S. gemeinschaftlich handelnd 512 Straftaten begangen haben. Die Angeklagten machen vor Gericht keine Angaben zur Sache. Das ist ihr gutes Recht. Die Strafverteidiger Roman von Alvensleben und Marc-W. Oppermann versuchen sicher, das Beste für ihre Mandanten herauszuholen. Ob in diesem Fall Schweigen Gold ist, bleibt abzuwarten, denn: Die Ermittler haben unzählige Beweise, Indizien und Zeugenaussagen zusammengetragen.

Veli G. (21) aus Hameln ist der dritte Angeklagte. Er lässt sich von Uwe Behnsen und Roman Klodnyckyi, also gleich von zwei Verteidigern, vertreten. Bei dem 21-Jährigen scheint es sich allerdings um einen vergleichsweise kleinen Fisch zu handeln. Die Staatsanwaltschaft wirft diesem Hamelner vor, Rauschgift für den Eigenbedarf und den Weiterverkauf erworben zu haben. Die Hauptangeklagten sollen in G.s Wohnung zudem Kokain gelagert haben – mit dessen Zustimmung.

Mark-Philipp P. und Cumali S. sollen mit Drogengeschäften zigtausend Euro erwirtschaftet haben. Die Staatsanwaltschaft glaubt, ihnen das nachweisen zu können. Nach den Erkenntnissen der Fahnder wurde das Rauschgift zunächst im Hamelner Klütviertel und später (ab Ende Februar) am Güterbahnhof verkauft. Süchtige sollen gelegentlich auch beliefert worden sein. P. und S. sollen jahrelang täglich mit Drogen gehandelt haben. Laut Staatsanwaltschaft kosteten bei ihnen 0,5 Gramm Kokain 50 Euro und 0,7 Gramm Marihuana 10 Euro.

In einer Wohnung in Emmerthal soll das Hamelner Duo zudem Cannabis-Pflanzen gezüchtet haben. Um die Indoor-Plantage hätten sich jedoch überwiegend zwei andere Männer gekümmert, glaubt die Staatsanwaltschaft.

Eigentlich sollten sechs Männer auf der Anklagebank sitzen. Gegen drei wurde jedoch das Verfahren abgetrennt – sie würden gesondert verfolgt, hieß es im feinsten Juristendeutsch. Ein Hamelner soll bereits von einem anderen Gericht verurteilt worden sein.

Im Hauptverfahren wurden bislang vor allem Gutachten verlesen. Es ging im Wesentlichen um DNA-Spuren und den Wirkstoffgehalt der sichergestellten Drogen. Letzteres ist juristisch auch deshalb relevant, weil festgestellt werden muss, ob beziehungsweise wie oft „eine nicht geringe Menge Rauschgift“ vertickt worden sein soll.

Am Montag wird der Prozess fortgesetzt. Dann sollen Zeugen befragt werden. Wann der Vorsitzende Richter Stefan Lücke die Urteile verkünden wird, steht noch nicht fest.



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