Berufe der Zukunft

Kreativ und an der Zielgruppe orientiert: Was macht ein Gamedesigner?

Als Gamedesignerin ist Andrea Fricke Teil eines großen Teams: „An der Entwicklung des Spiels ‚Anno 1800‘ waren in der Hochphase 70 bis 80 Leute beteiligt“, berichtet sie.

Als Gamedesignerin ist Andrea Fricke Teil eines großen Teams: „An der Entwicklung des Spiels ‚Anno 1800‘ waren in der Hochphase 70 bis 80 Leute beteiligt“, berichtet sie.

Die 37‑jährige Andrea Fricke hat sich ihren Berufstraum erfüllt: Sie ist leitende Gamedesignerin bei Ubisoft Mainz und gehört zum Team des „Anno“-Spiels. „Ich war schon als Kind spielbegeistert. Deshalb wollte ich auch in die Spielindustrie und nach Japan auswandern.“ Aber als sie erwachsen wurde, glaubte sie nicht mehr an eine Zukunft in der Gamesbranche. „Ich dachte, dass das nicht funktioniert. Stattdessen habe ich erst einmal in Braunschweig Informatik studiert.“

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Doch am Ende des Studiums hatte sie doch die Chance, ein Praktikum im Bereich Gameproduktion zu absolvieren. „So hatte ich schon einen Fuß in der Tür und konnte nach dem Studium als Gamedesignerin anfangen.“ Nach zwei Zwischenstopps bei anderen Unternehmen ist sie nun seit 2018 bei Ubisoft tätig. Im vergangenen Jahr ist sie zur Leadgamedesignerin – also zur Führungskraft – aufgestiegen. „In der Rückschau bin ich über meine Entscheidung, ins Gamedesign zu wechseln, sehr glücklich. Denn wir sind ein tolles Team und ich habe viel Spaß bei der Arbeit.“

Hat sich ihren Berufstraum erfüllt und arbeitet als Gamedesignerin: Andrea Fricke.

Hat sich ihren Berufstraum erfüllt und arbeitet als Gamedesignerin: Andrea Fricke.

Die „kreativen Köpfe“ der Branche

Gamedesignerinnen und Gamedesigner sind die „kreativen Köpfe“ der Branche und für alle Spielmechaniken zuständig, erklärt Felix Falk, Geschäftsführer von Game – Verband der deutschen Games-Branche. „Sie entwickeln nicht nur Spielideen und Spielhandlungen, sondern konzipieren auch Interaktionsmöglichkeiten.“ Außerdem testen sie ihre Konzepte und Ideen mittels Prototypen. „Sie versetzen sich dabei in die Rolle und Bedürfnisse der Spielenden.“ Gamedesigner arbeiten eng mit allen anderen Abteilungen im Unternehmen zusammen, wie zum Beispiel mit dem Bereich Programmierung, Grafikdesign und Textgestaltung.

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Als Gamedesignerin ist Andrea Fricke Teil eines großen Teams: „An der Entwicklung des Spiels ‚Anno 1800‘ waren in der Hochphase 70 bis 80 Leute beteiligt“, berichtet sie. „In dieser Phase bringen alle Leute ihre Arbeit ein. Dann werden alle Spielinhalte zusammengebaut.“ Als leitende Gamedesignerin ist die Informatikerin für ihr Gamedesignteam zuständig: „Ich leite die Leute an und plane ihre Aufgaben. Ich entscheide zum Beispiel, an welchem Teil des Spiels wir in den nächsten drei Monaten arbeiten.“ Dabei muss sie im Blick haben, wer welche Expertise hat, aber auch, wer wann in Urlaub ist.

Fehler analysieren und nach Lösungen suchen

Als Führungskraft muss Andrea Fricke auch den zeitlichen Rahmen im Kopf behalten. „Man kann immer noch neue Ideen in ein Spiel einbauen und das Spiel immer besser machen. Dennoch muss ich irgendwann entscheiden, dass wir jetzt in die nächste Phase der Entwicklung – zum Beispiel in die Phase des sogenannten Polishing – eintreten“, berichtet Andrea Fricke. Das Polishing ist das „Polieren“ des Spiels. Die Gamedesignerin erklärt, was sich hinter diesem Begriff verbirgt: „Wenn wir das Spiel entwickeln, sind viele Bereiche noch nicht fertig. So kommt aus den Schornsteinen noch kein Rauch und die Fassaden mit allen Details existieren noch nicht. All dies wird in der Phase des Polierens hinzugefügt.“

Vor ihrer Arbeit als Vorgesetzte gehörte es zu ihrer Aufgabe, Spielideen auf Basis von Vorgaben selbst zu entwickeln und Gamedesigndokumente zu erstellen. „Diese Dokumente braucht man zum Beispiel für die Programmierung.“ Heute unterstützt sie als leitende Gamedesignerin ihr Team, indem sie zum Beispiel im Spiel auftretende Fehler analysiert und nach Lösungen sucht.

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Personalbedarf ist groß

Es gibt ganz unterschiedliche Wege, diesen Beruf zu erlernen: „Viele Bildungsinstitutionen vermitteln dafür das spezifische Wissen und die geeigneten Kompetenzen. Sie bereiten so Interessenten auf eine Karriere in diesem Bereich vor – etwa ein Studium in Gamedesign oder Mediendesign“, erklärt Felix Falk. Sehr häufig ist auch ein Quereinstieg möglich. „Manche Spezialistinnen und Spezialisten für Gamedesign kommen ursprünglich aus anderen Bereichen, etwa aus der Informatik oder von anderen interaktiven Medien. Später werden sie dann kreative Köpfe in der Gamesentwicklung.“ Für diesen Beruf braucht man aber nicht nur Kreativität: „Wichtig ist auch die Fähigkeit, kreative Ideen und die eigene Fantasie in ein strukturiertes und logisches Konzept übersetzen zu können“, so Felix Falk. Außerdem gehört eine kommunikative und teamorientierte Arbeitsweise zu den zentralen Eigenschaften, die man für die Arbeit im Gamedesign mitbringen sollte.

Die Berufsaussichten sind bestens, denn der Personalbedarf in diesem Bereich ist groß: „Die Verantwortlichen für Gamedesign gehören zu den wichtigsten Fachkräften der Entwicklungsstudios. Aktuell werden in rund sechs von zehn deutschen Gamesunternehmen erfahrene Gamedesign-Fachkräfte vermisst“, betont Felix Falk. Auch außerhalb der Spielebranche sind Gamedesigner gefragte Fachleute. So werden sie auch in anderen Industrien zum Beispiel in der Software- und Produktentwicklung eingesetzt. „Ein typisches Beispiel ist die Automobilwirtschaft. Innovationen aus dem Gamesbereich werden in ihr zunehmend wichtig.“

Steckbrief Gamedesigner/in

Ein Gamedesigner oder eine Gamedesignerin entwickelt in der Planungs- und Konzeptphase Ideen für Spiele, die er oder sie dann umsetzet. Sie sind für die gesamte Spielmechanik verantwortlich.

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Ausbildungsform: Es gibt keinen anerkannten Ausbildungsberuf. Es werden aber zum Beispiel Studiengänge für Gamedesign angeboten.

Ausbildungsdauer: zum Beispiel Bachelorstudium Gamedesign: drei Jahre

Voraussetzungen: Es gibt keine standardisierten Voraussetzungen für den Beruf. Auch ein Quereinstieg ist möglich.

Eignung: sprachliches Ausdrucksvermögen in Wort und Schrift, figural-räumliches Denken, technisches Verständnis, Organisationstalent, Gespür für Ästhetik, sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse und natürlich Leidenschaft für Spiele

Branchen: Gamesbranche, Software- und Produktentwicklung in anderen Branchen

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