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Ab dem 3. Februar zeigt Eg Witt seine "No-Promi"-Bilder bei Marktkauf

Wo ein Metzger die Messer schärft und Palmen auf den Klippen wachsen

Rinteln (wm). Auf so eine Idee kann eigentlich nur ein Künstler kommen: Nämlich einen Sommer lang durch die Dörfer zu ziehen und Menschen zu fotografieren, ganz normale Bürger dieser Stadt, keine "Promis". Das war auch namensgebend für die Aktion des Rintelner Künstler Eg Witt - "No Promi" heißen der Katalog, den er jetzt vorgelegt hat, und die Ausstellung, die am 3. Februar im Marktkauf eröffnet wird - kein Schreibfehler, denn dass Witt sich Marktkauf quasi als Galerie ausgesucht hat und das Unternehmen zu Witts großer Freude auch mitmacht, damit hat es seine besondere Bewandtnis.

Einen Sommer lang, genau 93 Tage, sei er in 18 Ortsteilen unterwegs gewesen, nur um festzustellen, dass dörfliche Idylle in vielen Fällen eher eine Kulisse ist. Wirklich angetroffen habe er die meisten Menschen auf dem Parkplatz eines Supermarktes, der ganz offensichtlich den "Plausch unter der Dorflinde" ersetzt habe. 93 Tage heißt für Witt 93 Porträts, die alle im Katalog zu finden und auf einem Plakat gedruckt sind. Rund 1400 Fotos, schilderte Witt, habe er geschossen und den Winter über gesichtet. Ein Teil dieser Bilder hat Witt - das war die Ausgangsidee des Projektes - farbig übermalt - es gibt eine blaue und eine gelbe Serie. Witt-Kenner werden viele Chiffren und Symbole sofort wiedererkennen, die sich auch in anderen Witt-Bildern und Skulpturen wiederfinden. Angereichert hat Witt den Katalog mit Randnotizen und weiteren Bildern, die im Umfeld des Projekts entstanden sind, "summer personell II", wie Witt es ursprünglich genannt hat. Oft überraschend, welche Beobachtungen Witt am Rande seiner Dörferreise festgehalten hat. So fiel ihm zum Beispiel an der Kirchenmauer in Hohenrode eine seltsame Einbuchtung auf. Hohenroder berichteten ihm, dort habe der ortsansässige Metzger jahrzehntelang seine Messer gewetzt. Eine Korallen-Versteinerung, gefunden an den Luhdener Klippen, lässt Witt darüber nachdenken, dass hier einst Tiere in einem warmen Lagunenmeer gelebt haben und Palmen auf den Klippen gewachsen sind. Lobend erwähnt werden von Witt auch die ungewöhnlichen Ausmaße einer Stachelbeertorte, verzehrt im Pfingsttor. 93 Köpfe, das bedeutet auch, in einer Kleinstadt wie Rinteln werden viele einige der Porträtierten erkennen. Alle Personen sind namentlich genannt und haben ihr Einverständnis für eine Veröffentlichung gegeben. Professor Manfred Glagow hebt in seinem Text zu dem 51-Seiten-Katalog besonders hervor, was den Blickwinkel Witts ausmache. Er habe keine Geschönten und Gelifteten, keine Frisierten und Silikonverstärkten fotografiert, sondern Gesichter des Augenblicks, des Zufalls - eine "angenehme Überraschung und Erholung für das Auge und die ästhetische Empfindung". Die Ausstellung im Marktkauf in der Konrad-Adenauer-Straße wird am 3. Februar um 18 Uhr eröffnet und ist dort bis zum 18. Februar täglich von 8 bis 20 Uhr außer sonntags zu sehen. Witt will selbst an einigen Tagen von 17 bis 19 Uhr in der Ausstellung sein.

  • Ein Foto aus dem Katalog, das Witt mit einem geübten Blick auf Personen und Situationen aufgenommen hat: Nino Purpi am Herd in seinem Restaurant "Italia" im Brückentor.
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