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Mädchen- und Frauenberatungsstelle befürchtet Kürzung der Landesmittel / Bedarf an Hilfe steigt

Wird "Basta" Profilierungsopfer der Politik?

Stadthagen (ca). Wird die Arbeit der Mädchen- und Frauenberatungsstelle "Basta" 2007 so weitergeführt werden können wie bisher? Das niedersächsische Sozialministerium arbeitet derzeit an neuen Richtlinien zur Förderung der mehr als 30 Frauen- und Mädchenberatungsstellen gegen Gewalt im Land. Und das ist der Anlass für das "Basta"-Team, sich Sorgen um die finanzielle Zukunft der Stadthäger Beratungsstelle zu machen. "Wir befürchten, dass dies zum Anlass genommen wird, den Rotstift anzusetzen", sagt "Basta"-Mitarbeiterin Birgit Baron.

Die Vergangenheit habe gezeigt, "dass die gesellschaftliche Notwendigkeit und Effektivität nicht unbedingt Kriterien sind, die bestimmen, welche sozialen Leistungen erhalten und welche abgeschafft werden", erklären Baron und deren Kollegin Ingetraud Wehking. So ist etwa die Personalstelle der Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS) trotz nachgewiesener Effektivität und Bedeutung für die Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes von 25 auf 13 Wochenstunden reduziert worden. Auch die Arbeit des seit 20 Jahren in Stadthagen ansässigen Frauenzentrums musste aufgrund der Streichung von Landesmitteln eingedampft werden. "Basta" finanziert sich durch Landesmittel (24 000 Euro pro Jahr) und kommunale Zuschüsse in gleicher Höhe. Davon werden die Stellen der Therapeutin Baron und der Präventionsfachkraft Wehking (jeweils 19 Stunden pro Woche) bezahlt. Zudem arbeiten eine Pädagogin und eine Sozialpädagogin je acht Stunden pro Woche bei "Basta". Die Beratungsstelle könne aber durchaus noch eine Mitarbeiterin verkraften, sagt Baron, denn "die Nachfrage steigt". So gab es 418 persönliche Beratungen im Jahr 2005. 2004 waren es zwar 492, doch es gab auch eine Mitarbeiterin mehr. Mehr Rat war vor allem bei sexueller Gewalt und Gewalt in der Beziehung gefragt. Wehking sieht die Ursache für den gestiegenen Bedarf an Beratung vor allem im Gewaltschutzgesetz: "Mehr Frauen trauen sich, es zu benennen." Hinzu kamen 653 telefonische Kontakte in 2005 (647 in 2004) und 351 Gruppenkontakte (303 in 2004). Aufgrund des geringen Personals müssten mittlerweile Abstriche gemacht werden, sagt Baron. Wöchentliche Termine etwa könne sie nicht mehr vergeben. Auch seien die telefonischen Beratungszeiten von fünf auf drei Tage pro Woche reduziert worden. "Wir sind zurückhaltender geworden", bedauert Wehking. Denn je mehr "Basta" in der Öffentlichkeit präsent sei, desto mehr Anfragen kämen. Wehking verdeutlicht, weshalb die Arbeit der Beratungsstellen so wichtig ist und die Förderung beibehalten werden muss: "Wir arbeiten oft mit Frauen und Mädchen, wenn die Tat bereits verjährt ist, wenn die Frau ihren Mann aus gesellschaftlichen Gründen nicht anzeigen will und wenn der Täter zwar im Knast sitzt, aber die Albträume noch lange nicht vorbei sind." Die Frauen hoffen nun inständig, dass die Verantwortlichen im Sozialministerium die Änderung der Richtlinie nicht dazu nutzen, um sich oder ihre Partei mittels Einsparungen zu profilieren. Dies würde auf Kosten der Bürgerinnen geschehen, denen "bewährte und etablierte Einrichtungen" verloren gehen. Wehking: "Wir reden hier von Menschen, die Gewalt erfahren haben."

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