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Anwohner vermutet Limes-Kastelle bei Westendorf / Bezirksarchäologe sieht keine Hinweise

Windrad-Gegner schicken Römer in die Schlacht

Westendorf (ur). Nachdem von den Gegnern der Windkraftnutzung im Bereich Westendorf zunächst die Schutzwürdigkeit des Landschaftsbildes als Argument gegen die Errichtung von Windkraftanlagen aufgestellt und vom Gericht verworfen wurde, schickte Antje Rinne als Wortführerin der Initiative jüngst den vom Aussterben bedrohten Roten Milan in den Kampf. Nachdem die Reaktion eher verhalten war, mobilisiert der auf Gut Echtringhausen lebende Werner Thierling jetzt auch noch die alten Römer und ihre Kohorten in vermeintlichen Festungsanlagen und Kastellen.

In einem offenen Brief an die Stadt Rinteln und Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz sowie an Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier in seiner Zuständigkeit für die Untere Denkmalschutzbehörde verrät Thierling seine Strategie schon im Betreff: "Bodendenkmale als Verhinderungsgrund von Windkraftanlagen in Westendorf". Der Brief, der auch an die Medien und an die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD und WGS gerichtet ist, kommt schnell zur Sache: "Genau auf dem Gebiet zwischen Bahnlinie und B 83 zwischen Westendorf, Deckbergen und Kleinenwieden, aber auch darüber hinaus, befinden sich großflächig Bodendenkmäler, die das Vorhandensein von mehreren römischen Sommerlagern sowie einem sehr seltenen sog. Doppels-Sperrkastell, einer Römervilla und römischen Hafenanlagen nahe legen [...] Eine archäologische Grabung durch das Land Niedersachsen hat bisher ausfinanziellen Gründen nicht stattgefunden. Der Nachweis wäre nicht nur für Rinteln eine Sensation!" Thierling bezieht sich in der Erläuterung seiner Position auf die Veröffentlichung "Varus und der Weser-Limes" von Rolf Bökemeier und dessen Auswertung von deutschen, englischen und russischen Luftbildern vornehmlich aus dem Zweiten Weltkrieg, bevor er dann schlussfolgert: "Der Bau von Windkraftanlagen bedarf erheblicher Bodenbewegungen, nicht nur die Grundplatte als Fundament, sondern auch Zuwegung und das Verlegen von Bodenleitungen zum Transport des erzeugten Stroms. Hier würden unwiederbringlich Bodendenkmäler zerstört. Das Nds. Denkmalpflegegesetz verbietet die Zerstörung von Bodendenkmälern." Buchholz sieht indessen keine Möglichkeit, die alten Römer als Hilfstruppe gegen Windkraftanlagen ins Feld führen zu können: "Dazu ist die Stellungnahme des zuständigen Bezirksarchäologen Dr. Erhard Cosack zu eindeutig." Der oberste Altertums-Sachwalter der Region urteilt in seiner kurzen Stellungnahme an die Stadt Rintelnklipp und klar: "Für die Sondierung des angeblich bei Echtringhausen gelegenen Römerkastells ist Herrn Bökemeier 1998 eine Grabungsgenehmigung erteilt worden. Die Grabung hat keine Hinweise auf ein solches Objekt erbracht. Auch für den Planungsbereich liegen keine Erkenntnisse auf archäologische Denkmale vor." Und auch im Grabungsprotokoll der Bodenerkundung bei Echtringhausen aus dem Jahre 1998 heißt es nur lapidar: "Weder im Planum noch im Profil des Schnittes konnten Verfärbungen oder andere Hinweise auf grabenartige Strukturen prähistorischer, frühgeschichtlicher oder mittelalterlich-neuzeitlicher Zeitstellung festgestellt werden." Bleibt privaten Altertumsforschern immerhin der Trost, dass der "Fahrstuhl in die Römerzeit" letztendlich mit jeder weiteren baulichen Veränderung abgeht und neue Erkenntnisse zu Tage bringen kann - bei Ausschachtung von Kellern für Häuser etwa, oder auch, horribile dictu, bei der Installation von Bodenplatten für Windkraftanlagen...

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