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Das "Literarische Kabinett" des Kulturvereins befasst sich mit dem Dichter und Nobelpreisträger Hermann Hesse

"Wichtig ist die höchst mögliche Harmonie in der Seele"

Luhden (sig). Auch begnadete Schriftsteller schweben nicht immer auf "Wolke sieben". Und ebenso wenig verbergen sich dahinter stets wahre Lebenskünstler. Der Nobelpreisträger Hermann Hesse ist so ein Beispiel. Er sprengte früh die Fesseln eines sehr pietistischen Elternhauses und kämpfte durchaus auch mit depressiven Empfindungen und Gedanken. Nicht ohne Grund hatte ihn der Eilser Heimat- und Kulturverein in den Mittelpunkt eines "Literarischen Kabinetts" im Luhdener Kirchenzentrum gestellt.

Der Vorsitzende Friedrich Winkelhake und Pastor Lutz Gräber hatten sich im Vorfeld sehr eingehend mit der Biographie und den Werken jenes Mannes befasst, der 1877 in Calw als Sohn eines Missionspredigers geboren wurde. Sein Weg zum Theologen war eigentlich vorgezeichnet. Aber Hesse widersetzte sich den Vorstellungen seines Vaters, floh aus einem evangelischen Seminar und wurde erst Mechaniker und danach Buchhändler sowie Antiquar. Während des Ersten Weltkrieges engagierte sich Hermann Hesse in Bern in der Kriegsgefangenenfürsorge und erhielt schließlich auch die Schweizer Staatsbürgerschaft. Seine eigenen Kindheits- und Jugenderfahrungen spiegelten sich wieder in etlichen seiner Werke, in denen es um das schwierige Lösenaus der Enge eines alles andere als freizügigen Elternhauses ging. "Wohlan denn Herz, nimmt Abschied und gesunde" - eine solche Aussage lässt die Schwierigkeit einer bestimmten Lebenssituation erkennen. Hesse ist kein Mann vollüberschwellender Lebensfreude, der in allen Dingen nur das Positive sieht. Er lernt auch viele Tiefen kennen. In seinen autobiographisch angelegten Schriften geht es um menschliche Krisen, wie eine unerfüllte Liebe, um große Spannungen und Wandlungen sowie um den unerschöpflichen Widerstreit zwischen Verstand und Sinnhaftigkeit. Wie ein roter Faden spannt sich durch sein Schaffen das Erreichen bestimmter Lebensstufen, dem er auch ein bekanntes Gedicht widmet. Die Feststellung, dass jedem Anfang auch ein Zauber innewohnt, ist für einen zuweilen sehr depressiven und sogar von Selbstmordabsichten gequälten "einsamen und hungrigen Wolf" alles andere als selbstverständlich. Er bezeichnete sich selbst einmal als "beruflos, familienlos und heimatlos" in einer von ihm als gefühllos angesehenen Welt. Zugleich aber bekannte Hermann Hesse, dass er bei jeder Erschütterung seines Lebens etwas gewonnen habe. Es gab sogar Schmähartikel in den Zeitungen gegen ihn, weil er sich gegen den Krieg und die damit verbundene Hetze gewandt hatte. Seherisch ahnte er das Kommen des Zweiten Weltkrieges und erkannte die Unbelehrbarkeit der politisch Verantwortlichen. Den Kleinen und Flachen gehörten die Welt und das Geld, resümierte er enttäuscht. Auch mit der schulischen Ausbildung lag Hesse in Fehde. Da war ihm vieles viel zu oberflächlich. Das "Gedudel" von Jazz und Foxtrott habe gegen Meister wie Mozart und Bach keine Existenzberechtigung, war seine feste Überzeugung. Er beklagte, hohe Mauern und Zäune würden verhindern, dass sich in den Menschen das entwickle, was in ihnen angelegt sei. Weil ihn sein ständiges eigenesRingen gezeichnet hatte, bekannte er schließlich, dass es in seinen Augen das Wichtigste sei, eine höchst mögliche Harmonie in der Seele zu erreichen. Friedrich Winkelhake und Lutz Gräber, die sehr aufschlussreiche Leseproben und Gedichte ausgesucht hatten, bekannten freimütig, dass sie keine Stelle gefunden hätten, in der Hermann Hesse auf Bad Eilsen eingegangen sei. Es ist aber überliefert, dass er wegen eines Augenleidens Patient der bekannten Eilser Augenklinik war. Unter Umständen wurde er aber in einer süddeutschen Dependance behandelt.

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